Der schnelle Aufbruch nach dem Ritual, das hoffentlich – abgesehen von einem merkwürdigen Fuchs-Wesen – unbemerkte Zurückfinden zu den Tunneln; Zoe hatte noch wenig Gelegenheit, in sich hineinzuhorchen. Doch eines ist bereits ganz deutlich. Sie spürt trotz der harschen Wetterbedingungen eine angenehme, sich von innen ausbreitende Wärme. Und, worüber sie fast ein wenig überrascht ist, sie spürt sich ganz klar selbst. Sie, Zoe, ist noch da. Vielleicht durch den neuen Funken der gerade anfängt zu glühen, mehr als seit vielen Wochen, in denen sie nur noch ausgebrannt war.
Als sich die Gruppe einen Moment sammelt, ist es überfällig, dass Zoe ein paar Worte verliert. Sie schaut jeden einzelnen an und sagt mit bedrückter Stimme, aber in aufrechter Haltung:
„Was vorhin passiert ist, war eine gemeinsame Entscheidung vor langer Zeit. Ich habe sie jetzt nur mit allen Konsequenzen ausgeführt, auch wenn ich euer aller Bedenken und Widerstand gespürt habe. Denn für mich war dieser Weg schon lange klar und bereits gegangen. Ich habe Bricks Präsenz immer wieder gespürt und Atra hat mir schon lange aufgezeigt, wie mein Beitrag dazu aussehen kann, das Einzigartige was er geworden ist zu retten.
Régicite, du hast uns erst vor ein paar Tagen noch daran erinnert, dass wir nicht aus den Augen verlieren dürfen, was unser Ziel ist: dem Drachen Brick und Atra zu entziehen. Es gab für mich drei Gründe in dieses Land zu kommen. Lena, Brick und Atra. Einen Grund mussten wir bereits schmerzlich aufgeben. Und ich war nicht bereit, noch einen weiteren aufzugeben. Ich glaube, dass ich damit sowohl seine, als auch meine Seele am Ende befreien kann. Als ich damals ganz naiv entschieden habe, mich auf den Weg des Feuers zu begeben, habe ich dabei dir vertraut und deiner Verbindung zu Atra und ich wollte dich auf deinem eigenen Weg bestärken, ohne selbst zu wissen, wohin es mich eigentlich führt. Inzwischen ist das Feuer nicht mehr nur das Licht, das mir den Weg weist, sondern mein mächtiger Verbündeter. Und auch wenn das einen Preis hat, zahle ich ihn inzwischen frei und selbstbestimmt. So wie auch Brick es bei seiner Transformation getan hat. Von Lung entrissen und für andere Zwecke benutzt zu werden, hat er nicht entschieden und nicht gewollt. Er wollte am Ende genauso wie du Herr über seine Entscheidungen sein. Ich glaube, dass du Régicite, mit deinem Weitblick und deiner Willenskraft schon immer ganz dein eigener Herr warst, auch als Soldat. Feuer lässt sich nicht einfangen und nicht kontrollieren und das ist gut so. In einer Situation wie der unseren, in der nichts sicher ist, in der wir Verluste hinnehmen müssen und uns manchmal wie ein Spielball zwischen größeren Mächten fühlen, verlieren wir vielleicht das Gefühl von Selbstbestimmtheit. Und dann wird es um so schwerer, vertrauensvoll loszulassen. Aber ich hoffe sehr, dass das erneute Zeichen, dass das Feuer in seiner ganzen Stärke sich mit uns verbindet auch dir und uns allen wieder mehr Kraft und Vertrauen auf diesem Weg geben kann.
Norge, ich habe deine Worte gehört, dass Brick ein Soldat war und er nicht gewollt hätte, dass sich jemand für ihn opfert. Er selbst ist aus dieser Rolle ausgebrochen und hat sich nur seinem eigenen Befehl folgend geopfert. Genau diese Entscheidung will ich in Ehren halten, indem ich die Macht, die er für das Gute einsetzen wollte, einem Wesen entzogen habe, das ihn für seine Zwecke missbraucht hat. Ich habe ihn dabei nicht gezwungen, sondern ihm eine Möglichkeit angeboten. Dabei habe ich das Erbe angenommen, das er mir mitgeben wollte. Ich weiß, dass das nicht jeder von euch so sieht, aber ich bin davon überzeugt, dass wir dieses Erbe und seine Stärke auf dem weiteren Weg zwingend brauchen.
Positive, ich erinnere mich noch an deine Worte damals in Afrika. Dass manchmal das Land die Leute mehr ändert, als die Leute das Land ändern. Jakutien hat mich verändert. In meinem Herzen ist so lange ich existiere ein Platz für euch. Ich selbst werde aber keinen richtigen Platz mehr in der Welt finden, der ein Zuhause sein kann. Und alles was ich mir noch wünschen kann, ist, dass die neue Flamme in mir uns noch einmal Zeit und Kraft gibt, damit etwas sinnvolles zu tun. Vereint, als Gruppe, als Familie in voller Stärke.
Brick selbst hat in seinem Nachruf noch von uns als seine Familie gesprochen und, dass er mit uns noch in ein paar Ärsche treten wollte.“
– Zoe muss an der Stelle kurz grinsen und sagt dann mit voller Zuversicht und ganz ohne Wehmut:
„Es wird hier unsere letzte gemeinsame Mission werden. Also lasst uns noch ein letztes Mal gemeinsam, auch mit Bricks Andenken in ein paar Ärsche treten!“