Miru komm!

Wir sind durch Yakutien gestolpert. Die Dinge entfalten sich. Ich komme kaum hinterher. Vieles wurde vorhergesehen. Die Stimmung ist gut. Das Schlimmste ist eingetroffen, aber keiner zögert, keiner ist verzagt. Wir haben uns immer und immer wieder gesagt, dass diese Expedition ein Opfer erfordern wird. Ich verstehe jetzt, dass das jeder verstanden hat.

Wir sitzen in einem improvisierten Tauchboot. Ich weiß nicht, was kommen wird. Ich denke, es wir einen Kampf geben. Der Drache ist hier. Er wird kommen. Die Feuerfrau ist sich sicher, und Haraldsans Freunde sind es auch. Wir haben die Schlüssel in der Hand. Aber es kann alles scheitern. Vielleicht haben wir uns auch verrannt, und wie bei der Mangold-Zobel-Expedition wird man vielleicht nur wahnsinnige Hüllen bergen, die nichts mehr mit uns gemeinsam haben. Wird das Land uns auffressen um seine Geheimnisse zu bewahren?

Miru, ich möchte Dir danken, für Dein Vertrauen. Ich bin demütig für Deine Sanftheit und Güte, mich so anzunehmen wie ich bin. Auch wenn die Last der Aufgaben mich erdrückt, bin ich so berührt von Deinem Vertrauen, von Deiner kindlichen Klarheit, die so viel Weisheit kennt. Dein Blick ist anders. Du durchschaust uns alle. Und auch, wenn mich das schamhaft zurückschrecken lässt, verstehe ich nun, dass Du mich niemals verurteilen würdest. Bewerten, ja, Aber nicht verurteilen. Ich werde nicht sehr alt werden. Aber dennoch zögerst Du nicht, in mich zu investieren.

Ich möchte Dir danken, für die Liebe und Wärme und unerschütterliche Loyalität, die ich in Haraldsan gefunden habe – nur durch Dich. Ein Band auf kurze Zeit, wie wir alle wissen. Ich möchte aber in Deiner Erinnerung unendlich sein. Du wirst uns alle überleben. Das ist die Gabe, die Deine Mutter Dir gegeben hat. Ich fühle mich schlecht, darüber etwas zu schreiben, denn eigentlich weiß ich nichts über Dich. Aber dennoch habe ich niemals so viel Menschlichkeit gespürt, als in Dir.

Miru-sama, Du bist unzerstörbar und zerbrechlich zugleich. Du bist die Gabe des grünen Blattes. Ein schöner, unvergänglicher Augenblick. Und ich werde mit Haraldsan einen neuen Morgen erleben, oder einen letzten Sonnenuntergang.