Zoes Tage auf der AIMS Juno

[Es folgen Introspektionen von Zoe und Dinge die nicht jeder mitbekommt. Goodfellow darf sich im ersten Teil angesprochen fühlen. Have fun, Zoe hat es grade nicht 😉 ]

Am Abend nach der Mission steht Zoe vor Goodfellows Kajütentüre auf der AIMS Juno. Er kennt den Anblick von der Shigeruu. Doch dieses Mal will sie einfach nur reden. Über die Erfahrung mit der Simsense-Technik, den Brain Dive und was es mit ihr gemacht hat. 

„BTL ist krass genug. Aber das ist schön anonym. Hier weißt du ganz genau in wessen Kopf du gerade bist und dass derjenige nie wollte, dass du darin rumgräbst. Ich darf dir ja nix inhaltliches erzählen, aber ich hab einem Menschen von dem ich jetzt weiß, dass er nur Gutes wollte, seine schlimmsten Ängste wieder aufgezwungen und damit vielleicht sogar sein Todesurteil gesprochen.
So cool das alles von der technischen Seite her ist, so groß der Nervenkitzel, es hat einen hohen Preis. Ich meine, schau Dir Negative an, das hab wohl auch ich verbockt. Und dieses mal hätte ich mich da fast drin verloren. Jetzt werde ich das Gefühl nicht los, dass der arme Kerl den wir gegen seinen Willen befragt haben, weiter ein Teil von mir ist. Ich würde ja sagen; eine gerechte Strafe, aber Mike, für das was ich da gemacht habe, ist es das nicht mal…
– Ich hoffe man hat Dir wegen des Brain Dive keinen unangenehmen Fragen gestellt? Ich glaube Uzun war fast froh, dass wir das riskiert haben um Ergebnisse zu bekommen.“

Sie zögert das Gespräch in die Länge und sagt irgendwann mit zitternder Stimme „Kann ich noch ne Weile hier bleiben? Ich hab schon tagsüber Albträume, ich weiß nicht wie ich einschlafen soll. Hast Du was zur Entspannung? BTL ist mir gerade ein zu heißes Eisen, aber einen Moodchip zum Einschlafen vielleicht und ein kleines Eckchen?“

Die weiteren Tage hört und sieht man trotz des beschränken Raums auf der Juno nicht viel von Zoe. Als sie der SFG 77 dann von dem mitgehörten Gespräch erzählt, wird klar, dass sie von Helenas Schicksal bisher nichts wusste. Zoe hat nicht nachgefragt als sie wieder aufgewacht war und ging wohl davon aus, dass Helenas Erinnerung gelöscht wurde und sie einfach in ihrer Kajüte wieder aufgewacht ist. Ein naiver Gedanke den sie nicht weiter hinterfragen wollte. Sie macht aber niemand einen Vorwurf – außer sich selbst… 

Darüber, dass sie auch in Uzuns Augen nicht mehr die Gleiche ist, als es um ihre Rolle als Korrektiv geht wirkt sie ziemlich geknickt. Das ist für sie nichts Neues, sie musste sich ändern, sie ist teilweise abgestumpft, sie versucht bewusst auszuführen was notwendig erscheint. Und dennoch… Dass sie sich von ihren eigenen moralischen Grundsätzen inzwischen so weit entfernt hat, möchte sie ungern so vor Augen geführt bekommen. 

Als Zoe wieder alleine ist, kommen ihre – nein Zobitzschs – Gefühle für Helena wieder hoch. Sie greift nach einem kleinen Strohhalm um sich besser zu fühlen und bittet den Tempel in Bejing, für Helena eine Kerze anzuzünden und für Zobitzsch und seine ungewisse Zukunft zu beten. So kann sie zumindest ein kleinen Teil der Last abgeben.

Auf der Cassiopeia erhält Zoe dann auch die psychologische Betreuung die gerade dringend nötig ist. CPT Uzun bittet SPC Lance einen Therapeuten zu finden, der seit vielen Jahren für die AIM arbeitet und von dem man weiß, dass er den über die Verschwiegenheitspflicht hinausgehenden Geheimhaltungsvertrag über sensible Inhalte sehr ernst nimmt. Die Wahl fällt auf Dr. Paul Weston, der sie zunächst persönlich, später dann über Trideo betreuen soll.

Zoe wird bereits beim ersten Gespräch empfohlen, eine längere Auszeit zu nehmen. Als sie klar macht, dass das frühestens nach der follow up Mission möglich sein wird, verschreibt Dr. Weston ihr mit resigniertem Kopfschütteln angstlösende Antidepressiva und besteht darauf, sie in der kommenden Zeit täglich zu sehen.
Als Zoe ihm bei der dritten Sitzung offenbart, dass sie über eine weitere Cybermodifikation nachdenkt um damit ungewollte Gefühle abzutöten, schweigt er sie eine Weile an.
„Sie wissen sicher, was ich dazu sage oder? Wollen Sie wirklich die innere Stimme stumm schalten, die Sie moralische Erwägungen einbringen lässt? Es macht Ihren Job sicher um vieles einfacher, aber gerade haben Sie mir noch von der Enttäuschung über sich selbst erzählt. Hören Sie auf, zu viel von sich zu verlangen, in die eine oder in die andere Richtung. Und tun Sie sich den Gefallen und schieben Sie diese Entscheidung nach hinten, wenn es Ihnen wieder besser geht.“