Impressionen aus dem Wartezimmer

Über die Wochen im Dezember 2072 und Januar 2073 hatte es sich Brick, unterstützt von Norge und Zoé, zur Angelegenheit gemacht, die sich anbietenden Ärzte zu konsultieren. Im Fokus stand natürlich die Diagnose einer extremen, exotischen Strahlenkrankheit, ausgelöst durch Etusan III.

Die erste Visite erfolgte zügig nach dem Ende der Geiselsituation. Begleitet und gedeckt durch Dr. Sigrid Johannsdottir reisten Zoé, Brick und Norge nach Köln, Allianz Deutscher Länder. In den schier endlosen Labyrinthen des Rheinischen Industriekomplexes tauchten die Gefährten gemeinsam in die Schatten ein. Nicht unbedingt wortwörtlich, aber gefühlt. Johannsdottir arrangiert zwei Treffen. Das eine findet in einem Repräsentationsbau des Arkanen Konzils zu Köln statt. Es ist mehr ein kurzes Vorstellen unter Kollegen. Die eigentliche Untersuchung wird in einer lichtlosen Exklave durchgeführt, nahe der Saar-Lorraine-Luxembourg Special Administrative Zone (SAZ). Weder auf Karten noch auf Straßenschildern findet sich das Arkane Labor in der faktisch gesetzlosen F-Gegend. Doch die Kontakte von Johannsdottir halten Wort. Die SAZ, ein massives, radioaktiv verstrahltes Gebiet zwischen Deutschland und Frankreich, ist schon seit Jahrzehnten Forschungsgegenstand vieler Parteien. Bricks Problem wird zwei Tage lang in einem heruntergekommenen Bunkerkomplex beratschlagt und untersucht. Insbesondere aus arkaner Perspektive. Das Ergebnis ist recht eindeutig. Die Arkanuntersuchung ergibt, dass Brick bereits an Strahlenschäden leidet und dass die radioaktive Verseuchung mit Etusan III auch auf seine arkane Aura einwirkt. Die Verstrahlung irritiert und zerrüttet seine Verbindung zur erwachten Welt, was wohl durch seine massiven Körpermodifikationen nur noch verstärkt wird. Die Experten können Brick ein in der SAZ erprobtes Medikament vorstellen, dass die mutagenen Folgen der Verseuchung verzögert. Dadurch könnten sich massive Schädigungen des Körpers über Monate verzögern. Das Medikament verliert jedoch nach einiger Zeit seine Effektstärke. Mehr als ein Jahr rechnen die Hermetiker nicht drauf.
Eindeutig zu beobachten ist das sich zwischen Frau Professor und dem Chief etwas mehr befindet, als professionelle Höflichkeit oder das dankbare Verhalten für einen geleisteten Dienst. Zu viele kleine Gesten, zu viele vertraute Momente, zu viel Vibration in der Stimme wenn der einen des anderen Namen ausspricht.Fast schon schmerzhaft hingegen ist dabei zu zu shene, wie beide versuchen Abstand zu waren. Fast schon verkrampfe wird darauf geachtet nicht zu nahe zu rücken, es misslingt, dann wird zurückgerudert. Beide führen diese Posse auf, beiden scheint es schwer zu fallen, beide halten fest daran. Sigrid Johannsdottier leidet unter der schlimmen Diagnose von Brick mehr, als er es tut, zumindest ist es bei ihr Offensichtlicher.
Der Besuch in Deutschland dauert drei Tage. Den Rückflug tritt die Gruppe mit einem Medikamentenvorrat und einem Optostick voller Daten an. Es kommt zu keinen Zwischenfällen.

Als zweites kam es zum Treffen zwischen Brick und der Ärztin von Voltair auf der Shigeruu. Voltair hatte Wort gehalten und die Untersuchung wurde diskret behandelt. Ohnehin wollte man die Ärztin nur soweit einweihen wie nötig. Sie setzt einen Fitnesstest und eine Belastungsdiagnose an. Es ist nicht leicht, Brick an seine Belastungsgrenzen zu bringen, doch die Ärztin schafft es durchaus. Elektrische Muskelstimulation, Sauerstoffentzug und schweres Körpertraining führen zu einigen Erkenntnissen. Schwindel, Orientierungslosigkeit und Halluzination setzen ein, als Brick beim Gewichtstemmen unter Sauerstoffentzug an seine Grenzen kommt. Der Strahlungsmesser schlägt Alarm. Eine kurze Ohnmacht erfolgt. Im Ergebnis zeigt sich an den Messergebnissen, dass Brick im oberen Leistungsbereich deutlich an Konstitution eingebüßt hat. Beim Überschreiten der Belastungsgrenze droht ein rasanter Schneeballeffekt. – Nach einer Dekontaminationsdusche und einer Viertelstunde Ruhe hat sich Brick regeneriert und die Strahlung scheint verschwunden. Alsbald bemerkt er jedoch eine Versteifung seines Genicks und fehlende Artikulationsfähigkeit der Finger. Es sollte vier Tage dauern, bis sich diese Versteifungen wieder lösen. Alsbald ist auch die verstörte Ärztin verschwunden und lässt Brick mit seinem Problem allein. Er bekommt jedoch die Messergebnisse auf einem Optostick.

Der fingierte Ausflug nach London führt Brick, gedeckt von Zoé und Norge, zuerst in das King’s Hospital in einer guten A-Gegend von London. Alles passiert genau so, wie es die Einladung des World Health Refund glauben lassen wollte: der vereinbarte Termin findet in einem unspektakulären Teil der Klinik statt. Man nimmt Blut und etwas Speichel von Brick, dazu ein paar schrecklich unerortische Nacktbilder und Hautscans. Dann heisst es warten. Alsbald erlebt Brick dann etwas ähnliches wie damals im California Free State. Der verantwortliche Laborassistent ist kreidebleich und kommt mit schlechter Kunde. Scheinbar war er nicht darauf vorbereitet Brick darüber zu informieren, dass er an einer Degeneration seiner Erbanlagen leidet. Eine Art genetischer Zerfallsprozess, der begonnen hat manche Stellen seines Gewebes nicht mehr so zu erneuern, wie sie sollten. Ob es an Erbanlagen liegt, kann der Assistent nicht sagen. Etwas ratlos wischt er über das Datentableau mit den Ergebnissen und stammelt so dahin. Da die Daten streng vertraulich sind, empfiehlt er Brick unbedingt klinische Hilfe aufzusuchen. Man könne nicht sagen, ob dieser genetische Defekt rasant oder sprunghaft verlaufen wird. Insgesamt wirkt der Mann überfordert. Er kopiert jedoch bereitwillig die Ergebnisse der Genuntersuchung auf Bricks Optostick. Als Brick, von Norge gedeckt, das Hospital verlässt, bleibt Zoé noch etwas zurück und kann herausfinden, dass die Laborabteilung durch einen Datenfehler scheinbar Bricks Ergebnisse verloren hat. Man rennt noch Brick hinterher und sucht ihn, doch zu spät. Scheinbar hat jemand vergessen die Akte vor dem Schließen zu speichern…oder so.

Die letzte Station führt zum King’s Ward Medical Service, eine offene Krankenstation in Londons abgewrackter D-Gegend. Interessanterweise wird Bricks Mobiltelefon von selbst aktiv, als Zoé sich am Steuer ihres Mietwagens der Krankenstation nähert. Der Favorit auf der Navigationskarte ergänzt, dass ein Trevor Endrews gleich einen Termin hat. Und tatsächlich, als Brick durch die Tür der Krankenstation tritt, erwartet man ihn fast schon. Ein digitales Krankenblatt mit Bricks Portrait ist auf Trevor Endrews vorbereitet. Hier und da eine falsche Unterschrift, dann offenbart sich der Grund von Bricks – Trevors – Besuch. Der Trollarbeiter Trevor Endrews wurde einer schweren Strahlendosis ausgesetzt, als es bei seinem Arbeitgeber mal wieder zu einem Zwischenfall kam. Ein scheinbar bekanntes Problem im Viertel. Zahlreiche Arbeiter der Unterschicht leiden an arbeitsbedingten Gesundheitsschäden. Die Krankenstation dokumentiert derzeit hunderte von Fällen, die einmal zu einer Klage gegen die Konzerne führen sollen. So führt der Arzt an Brick eine Strahlendiagnose und einen Test auf Belastung mit Umweltstoffen und Chemikalien durch. Die Ergebnisse erhält Brick auf Wunsch, aber es kommt zu keinen unmittelbaren Ergebnissen. Im Fazit legt die Untersuchung jedoch nahe, dass Brick als „leicht geschädigt“ gilt und „Anzeichen körperlicher Einschränkungen durch Kontakt mit schädlichen Stoffen“ zeigt. Der Bericht ist ingesamt aber ziemlich umfangreich. Beim Verlassen der Anstalt passiert ein seltsames Detail. Die Verwaltungsangestellte, die Bricks Ergebnisse zusammenstellte und die Akte bearbeitete, schaut mit einem leeren Blick über den Tresen hinweg. Aus ihrem halb geöffneten Mund zieht sich ein Speichelfaden. Als Brick näherkommt händigt sie einfach das ganze Datentableau wortlos an ihn aus. Im Hintergrund sieht Brick, wie auf einem Monitor in rascher Folge Fenster geschlossen und Dateien gelöscht werden. Ein Glasfaserkabel pulsiert. Es endet im Hinterkopf der Angestellten…

Abgesehen von den erwähnten Seltsamheiten in London kommt es zu keinen Zwischenfällen. Norges und Zoés aufmerksame Begleitung lassen alle drei ziemlich sicher sein, dass sie keine  großen Wellen geschlagen haben und nicht verfolgt wurden. Im Ergebnis besitzt Brick nun eine ganz stattliche Sammlung von medizinischen Daten und Protokollen zu seiner Person. Dutzende Male sieht er sich die Inhalte an, versucht Querverbindungen und Schlussfolgerungen zu ziehen. Brick ist sich zumindest in einem sicher: das ist eine hervorragende Grundlage für eine weiterführende Behandlung. Solange bleibt ihm nur das Medikament des Kölner Konzils, auf das er seine Hoffnung vorerst setzen muss.