[Bazut hat keine Geheimnisse vor dem Team. Alle folgenden Informationen sind für jeden zu bekommen, je nach dem wie intensive er nachfragt, nichts davon muss im aus der Nase gezogen werden. Wer interessiert ist, kriegt erzählt]

Bazut verabschiedet sich am Flughafen Trondheim von Uzun, versichert das er in wenigen Tagen nach Tokyo nachkommen wird.

Er fliegt nach Hause, besucht seine Tochter und spricht mit seinem Schwager. Der Bruder seiner Frau hat selber vier Kinder unter dehnen Hénora aufwächst. Er wir mit ihnen ein langes Gespräch führen. Über seine Tochter, über den Feuerglauben, er wird zum ersten Mal Fragen stellen deren Antworten er nicht schon zu kennen glaubt, zum ersten Mal bereit wirklich zu zuhören. Er fragt auch wie sie es sehen, was ihre Meinung ist.

Ungefähr ein Jahr nachdem die Tochter dort abgegeben wurde, eröffnete eine zoroastrische Gemeinde quasi im gleichen Gebäudekomplex. Wie in Beijing, ist der Tempel sehr dezent und ohne großen Prunk. Auch kleiner als in Beijing ist er. Er hat sich aber für die lokalen Anwohner eingesetzt, etwa durch Lobbyarbeit bei Konzernen und Quartierverwaltungen. Zu mehreren Gelegenheiten hatten Tochter und Leiheltern Einblicke in die Gemeinde und fanden zunehmend Interesse daran. Der Vater war skeptischer, weil es doch schon etwas sektenhaft daherkommt. Die Mutter beschäftigte sich mehr damit. Auch mit der zoroastrischen Diaspora etc. Die Tochter und auch die eigenen Kinder begann dann irgendwann ernsthaft über die Erwachte Welt nachzudenken und stellten immer mehr Fragen. Das doch sehr technokratische Umfeld lieferte nicht sonderlich viele Antworten für die Familie. Die Mutter entschied sich dann, zu konvertieren und damit dem eigenen Haushalt einen Berührungspunkt zum Spirituellen zu geben. Sie schätzt am Zoroastrismus, dass er zwar nur einen Gott kennt, aber eine Vielzahl dienstbarer und auch hinderlicher Kräfte anerkennt. Das passt für sie intuitiv einfach sehr gut in die moderne erwachte Welt. Der Vater schätzt derweil eher die pragmatische Seite. Der Tempel unterstützt die Familien und macht ein wenig Lokalpolitik.
Er wird auf jeden Fall ansprechen das er mit Hénora einen langen Urlaub machen wird.

Dann bucht er einen Flug nach Beijing Hierfür nutzt er die von Yutani erstellet SIN, ihm wird klar das er für sich und Hénora ebenfalls eine neue Identität braucht.
Atra aufzusuchen gestaltet sich diesmal viele einfacher. Die natürliche Vertrautheit zwischen den beiden überrascht zumindest Bazut immer noch, aber er kann mit eine freies und offenes Gespräch führen, scheinbar geht ihr da auch so.
Er hat seit dem letzten erfolglosen Versuchen sie zu Askenen (Das war als wir sie in Beijing wiedergetroffen haben)es kein zweites Mal versucht, hat es gezielt vermieden und sich fest vorgenommen es erst zu tun wenn sie ihn auffordert. Es kommt diesmal aber nicht dazu.
Drei Tage sind die beiden zusammen. Drei Tage voll intensiven Gesprächen, ruhiger Introspektive, Meditation, aber auch mal nur einen Plausch, einen kurzen Spaziergang durch die Stadt oder einem Tee. Es werden tiefe Fragen behandelt…und beantwortet!

Eine Frage die er Stellt ist, ob sie sich an ihrer Geburt und ihrem Schöpfer erinnert? Ob sie bereit ist darüber zu sprechen?

Sie ist! Es war ein Gefühl der eifrigen Ankunft. Eine Stunde Null, voll Energie und Feuer. Der Ort war im Iran, so kann man schließen. Wahrscheinlich um die Zeit der Ifrit-Krise. Sie weist darauf hin, dass sie nicht frei ist, darüber im Detail zu berichten. Ins Leben gerufen, wusste sie zuerst nichts über die Welt, was ihr aber keine Angst machte. Sie schöpft aus einem Fundus unerklärlicher Resterinnerung. So, als hätte sie mal Wikipedia gelesen, aber alles vergessen. Sie kennt also viele Antworten, aber sie kennt die Fragen nicht. Wenn sie eine neue Sprache hört, „erinnert“ sie sich rasch. Nimmt sie ein Buch in die Hand, hat sie eine vage Erinnerung, was darin geschrieben steht. Manche Dinge interessieren sie mehr, manche weniger. Man könnte auch sagen: diese „Wiederentdeckung“ der Welt funktioniert nicht bei allem und bei jedem. Sie weicht dann da ein bisschen aus. – Über den König spricht sie nur sehr indirekt. Sie formuliert Parabeln und schwenkt zu Vergleichen aus der Tagespresse. Régicide wird wohl vermuten, dass sie hier den ein oder anderen okkulten Maulkorb verpasst bekommen hat. Interessanterweise ist herauszuhören, dass sie Le Roi als Kreatur des Feuers zwar sehr achtet, sie ist ihrem Schöpfer aber wohl nicht hoffnungslose verfallen. Da ist kein Schmachten, kein unbedingter Hurra-Patriotismus. Vielmehr scheint sie ein etwas zwiespältiges Verhältnis zu haben. Régicide hat den Eindruck, dass Atra sehr stolz darauf ist, aus rauchlosem Feuer geschaffen zu sein. Vielleicht hört man zwischen den bildhaften Parabeln heraus, dass sie Le Roi nicht für würdig oder berechtigt hält, so über das Feuer zu gebieten?

Er wird ihr kurze sein Nachforschungen erläutern, was er über Sila herausgefunden hat, amüsiert darüber das er das gemacht hat nach dem er sie aus dem Bunker gerettet hat. Will sie dazu etwas sagen?

Régicides Recherchen waren profund und wohl durchaus korrekt. Sie „erinnert“ sich im Gespräch an die Alte Welt. War es die erste, oder die zweite? Ihr Wissen wirkt mehr intuitiv, vage. Aber „Sila“ ist eben auch nur ein menschengemachtes Wort. Ihre Haltung zu dem Ganzen ist im Wesentlichen, dass die Sila einen ganz wichtigen Beitrag geleistet haben. Sie haben Frieden und Wachstum ermöglicht. Haben Bündnisse zementiert und die Strafen der Eidgötter vollstreckt, wenn man so will. Wenn Régicide das Thema antiker Dämonen vertieft kommt ein interessanter Zug zutage. Atra ist sich bewusst, dass ihre Art, ihr Wesen, eigentlich mal verdammt wurde. Mit dem Niedergang Assurs galten die Sila als Dämonen. Es war viele Jahre später der erleuchtete Mazda, der sie als Wesen des göttlichen Feuers der Zoroastrier rehabilitierte. Das scheint eine sehr wichtige Sache für sie zu sein. Es bedient ihren Stolz und erklärt, warum sie sich dem Tempel in Beijing so verbunden fühlt. Von all den verachteten Götzen, Dämonen und Geistern dieser Zeit, wurden die Sila als Diener des rauchlosen Feuers anerkannt. Die Blicke, die Stimme, die Gesten von Atra lassen aber auch vermuten, dass sie sich bewusst ist, dass es eine Zeit davor gab, ohne Schonbezug. Eine Zeit, in der Kreaturen wie sie verbrannt und geherrscht und terrorisiert haben. Gefürchtet, verehrt. Dieser vorsintflutliche Instinkt scheint da irgendwo noch zu sein.

Warum aber gerade Beijing? Was hält sie an diesem Ort?

Es liegt in der Natur der Sache, dass sie nichts dazu enthüllen kann, was nicht bereits offenkundig ist. Sie hat sich eine seltsame Stellung zwischen den drei Triaden erarbeitet. Eine Stellung, die Régicide zunehmend als kaum durchschaubar und höchst komplex erscheint. Sie ist zweier Gruppen Geisel, Unterpfand, Verbündete und Geheimwaffe. Régicide glaubt nicht, dass er – oder vielleicht auch die betroiffenen Triadenbosse – das wirklich durchdringen können. Was ihre Agenda in Beijing ist, könnte sie Régicide nur enthüllen, wenn er sich dieser Agenda vorher verschreibt. Das käme dem berühmten Sprung vom Kopf des Löwen gleich.

Danach kommt die Frage warum er seine Tochter hierher bringen soll. Diese Frage klingt nicht als ob er unwillig ist, sondern verstehen will.

Der Versuch sie zu verstecken, ist ohnehin gescheitert. Das Schicksal hat es vielmehr nun gefügt, dass sich die Chance bietet, die Tochter aus der Gleichung herauszunehmen. Sie könnte gar Schutz und Unterstützung durch den Tempel erfahren. Atra führt aus, dass der Hass des Le Roi auf seinen sterblichen Peiniger eine Hetzjagd ausgelöst hat. Atra glaubt, dass es nicht der richtige Weg ist, den verstorbenen Soldaten und seine Familie auzszumerzen, sondern dem in ihm gefangenen Wesen zur Befreiung zu verhelfen. Insofern sieht sich Atra als die einzige im Gefolge des Le Roi, die diesen versöhnlichen Weg ernsthaft erwägt. – Weiter wird sie deutlich: Régicide wird zur Werdung dessen, was er ist, nicht umhin kommen, von der Tochter loszulassen. Sie hatte ja bereits geschildert, dass die Verwickung zwischen dem Soldaten Morellè und der erwachten Kreatur, die er wurde, das Problem ist. Seine Frau ist verstorben. Seine Tochter könnte umkommen. Das wäre auch eine Lösung. Aber es gibt auch eine sanfte Lösung. Die Tochter behütet aufwachsen zu wissen, beschützt. Das Wissen, dass sie ihr eigenes Leben leben wird und versteht, dass der Vater ein schweres Schicksal trägt. Für diesen Weg rät sie die Tochter nach Beijing zu holen. – Darüberhinaus könnte die Tochter im Falle eines weiterführenden Handels (siehe unten) mit Atra auch ganz klar als Pofiteurin berücksichtigt werden. Etwa durch die Zusicherung von Unversehrtheit.

Letztlich wir er gestehen das er immer noch nicht weiß was sie meint, wenn sie sagt, er soll werden was zu was er bestimmt ist. Er braucht hierbei Hilfe?

Wenn Atra Régicide ansieht, so spricht sie in einer sehr ernsten Stunde, dann sieht sie eine Kreatur des Feuers, einen Vertrauten. Doch er ist in diesem Treibsand der Lebensreste des Soldaten Morellè gefangen. Das schmerzt sie. Sein arkanes Potential ist nur ein verstümmelter Arm, im wahrsten Sinne des Wortes und im übertragenden Sinn. Sie würde gerne sehen, dass Régicide sich aus diesem Sumpf befreit, seine Bestimmung findet, sich als Kind des rauchlosen Feuers wiederfindet, wieder die klare Flamme wird, die damals in den Soldaten eingefahren ist. Sie hat dafür kein Rezept. Der Boden zeigt sich, während man läuft. Sie sieht jedoch drei Dinge am Horizont: 1) Régicide sollte sich von seinen weltlichen Bezügen und der Geschichte des toten Soldaten zu lösen beginnen. 2) Er sollte die Augen nach seiner Berufung weit geöffnet halten. Atras Ansicht ist, dass Régicide erkennen wird, was seine Bestimmung ist. Diese Gelegenheit sollte nicht verpasst werden. 3) Atra schlägt weiters vor, einen strategischen Pakt zu schließen. Sie könnte die Schlagkraft von Régicide und seinem Team für ihre Agenda gebrauchen. Das sagt sie ganz offen. Wenn Régicide es möglich machen würde, Aufträge an das SFG 77 zu lancieren und Erkenntnisse zu teilen, dann würde das Régicide einen Einblick in die Agenda des rauchlosen Feuers gestatten. Interessanterweise spricht sie hier nicht von der Agenda Le Rois. Als Gegenleistung wäre Atra bereit, als Lehrerin für arkane Dinge des Feuers bereitzustehen. Zauber, okkultes Wissen, Geschichte.

Noch ein Wort zu Atras „Hellsichtfähigkeit“: Während des Besuchs in Beijing fällt es Régicide immer wieder auf, dass Atra nahezu hellseherische Fähigkeiten hat. Da kommt ein betrunkener mit einer Waffe die Tür rein, als sie gerade aus dem Café geht und sie hält dem Mann die Tür auf, ohne das Gespräch mit Régicide zu unterbrechen. Ein Autounfall lässt sie nichtmal zusammenzucken. Es dauert eine ganze Weile bis Régicide versteht, dass sie nicht wirklich in die Zukunft sieht, sondern sie kennt schlichtweg keinerlei Überraschung, keinen Zweifel und keine Ratlosigkeit. Wenn etwas überraschendes passiert, akzeptiert sie die Situation sofort. Das Zögern und Hadern von Menschen ist ihr absolut fremd. Man könnte sagen, neben Kants transzendentalen Erkenntniskategorien „Raum“, „Zeit“ und „Kausalität“ verfügt sie noch über „Akzeptanz“.

Als Régicide ins Flugzeug nach Tokyo steigt, ist er beinahe entspannt. Er lächelt als der Norges Nachricht sieht. Der einen braucht einen Strand, der andere eine Spectra des rauchlosen Feuers! Er ist besorgt um Zoe, den selben Kampf den sie grade mit sich austrägt, hat er vor vielen Jahren gekämpft…und verloren. Er hofft das sie es schafft, sie sich diesen besonderen Schimmer von Menschlichkeit erhalten kann. Vielleicht kann er ihr helfen, wenn sie ihn läßt.
„Schönen guten Abend Sir, kann ich ihnen etwas bringen“, die Stewardess schaut mit einem entzückenden Lächeln auf ihn herunter.
„Perno, mit Eiswasser bitte…und die Tokyo Times“ sein Lächeln ist eher müde, sie scheint verständig und ist kurz darauf mit dem Gewünschten zurück.
„Viele Dank…“ er blickt auf ihr Namensschild „…Nancy“
„Sehr gerne, Sir“
Nancy? Nancy…, wo hatte er den Namen schon mal gehört….