Brick scheint die nächsten Tage nur wenig zu schlafen. Er verbringt Stunde um Stunde stur versunken vor ’seinem‘ Bild, dem ‚Struggle of Live‘. Er scheint darüber Zeit und Raum weitestgehend zu vergessen. Nur für wenige Stunden am Tag geht er hinaus ins nächtliche Bejing, sich die Beine vertreten, wie er sagt.
Nach einigen Tagen wendet er sich an den Rest des Teams:
Ich möchte mich nochmal ganz herzlich bei euch allen bedanken, für die Mühen, die wir hier auf uns nehmen mussten und mich entschuldigen, wegen der Gewaltorgien und der Toten, die die Sache mit sich brachte… er pausiert einen Moment, scheint dann aber über sich selbst wütend… Ach herrje, Atra sagte, wir sollen miteinander reden, wenn wir uns in den Bildern gefunden haben. Habe ich! das Bild war für mich eindeutig, alle anderen sagten mir wenig bis gar nichts, aber in den vergangenen Tagen änderte sich meine Perspektive auf das Bild mehrfach. Ich sah mich beim ersten Betrachten in der Person erstickt und tödlich bedroht von der Schlange, dem Leben und dem Etusan III, sich verzweifelt, aber sinnlos wehrend mit dem Dolch, verloren und fest steckend im schwarzen Wasser. Ich hatte Angst und war mutlos beim Anblick des Gemäldes. Aber dann drehten sich meine Gedanken und Gefühle um das Bild begannen ein zu tauchen statt weg zu rennen. Ich blieb die Person im Bild, aber war die Schlange nun erwürgend, eine Gefahr, der Dolch die Waffe sich zu wehren? Oder war der Dolch die Gefahr von mir selbst geführt gegen mich, die Schlange umhüllend und behütend? Das Schwarze Wasser in dem ich stand, war es Bedrohung sich zu verlieren und zu versacken? Oder war es die schweigende Loslösung vom weltlichen, das schwerelose Emporheben zur stillen Marter mit sich und dem Ungeheuren?… Brick scheint sich der Anwesenheit der anderen plötzlich wieder bewusst zu werden und wird rot, er scheint sich zu schämen für sein Gerede und kurz wirkt es so als wollten 300 Kilo peinlich berührter Troll aus dem Raum stürmen, dann atmet er tief ein, als wolle er ein Vakuum im Raum erzeugen… Jedenfalls ist mir jetzt klar, dass das Bild kein Klares ist, es wahrscheinlich gar nicht werden soll. Klar ist nur, ich werde mich nicht ins Wasser stürzen, in die ruhige Dunkelheit, das tiefe Schwarz, das mir vorgaukelt, es könne mich vor der Schlange verbergen, die es selbst hervor gebracht hat. NIEMALS! Ich bin die Person, ständig bedroht von Dolch und Schlange, und doch liegt es an mir zu akzeptieren, dass sie Schlange auch behütet, wenn man sie lässt. Das der Dolch nicht nur Waffe ist, sondern auch begeisterte Opferung, das ich dann doch Wesen bin und Schlange, Herr über Körper, Tier und Waffe, und gleichsam Opfer wie Beschützer, so wie es die Schlange auch ist. Die Schlange ist das Etusan, sie zieht sich an mir aus dem tiefen Wasser, sie braucht mich, sie zu erheben, und ich sie, mich zu behüten. Zur gleichen Zeit bietet der Dolch uns Schutz vor dem was noch kommt, und Bedrohung zugleich, für sie, mich und uns Gemeinsam. Würde ich tauchen, versänke sie, stöße ich zu, träfe ich mich ebenfalls, erwürgte sie mich, verlöre sie Halt und Schutz, streifte ich sie ab, wäre ich auf dem Wasser ohne Halt und Umhüllung… Er scheint erneut zu sich zu kommen und schaut etwas verlegen in die Runde… Ich muss klingen wie ein Idiot, und doch hat sich noch nie etwas so richtig angefühlt, so richtungsweisend, seit ich mich erinnern kann. Ich will damit nur sagen, ich erkenne das Etusan an, als Teil von mir, als Gefahr und Behüter, als Freund und Feind, als Symbiose Zweier, die sich hassen und brauchen. Das ist meine Erkenntnis, meine Wahrheit in diesem Bild. Damit gehe ich von nun an hinaus, und suche mich zu verschmelzen mit der Schlange, und suche den Dolch für uns und mit uns Beiden zu führen, um tiefer eins zu werden über dem Wasser.
Bricks Blick kehrt zurück, er klatscht in die Hände, richtet sich auf und grinst breit in die Gesichter der Anwesenden.
Und jetzt ihr faulen Säcke, wo ist eure Erkenntnis, welches ist euer Bild, entscheidet euch. Ich will sie als Galerie aufgehängt sehen, mit einem Foto und der Erkenntnis eines jeden von euch daneben. Bei dem was noch kommen kann in dem trüben Nebel, sollte jeder von uns mehr erkennen als nur die Nase des anderen. Nicht das meine Schlange noch jemanden beißt, oder ich im Trüben einen von euch mit dem Dolch erwische.