Lomé direkt – 29.09.2073

Die verbliebenen beiden Mitglieder erreicht der SFG77 erreicht eine Privatnachricht von Negative:

Bazut, Harald, ich will euch das, was ich in Lomé gesehen habe, nicht vorenthalten. Uzun hat die wichtigen Informationen bekommen, aber ich denke, dass ihr die Geschehnisse nochmal aus erster Hand braucht.

Und ja, ich will gleich vorweg schicken, dass ich mich von meiner Heimat wie eingesaugt fühle. Ich habe mich in den letzten zweieinhalb Wochen vor allem um meine Wurzeln gekümmert, habe versucht, Kontakt zum Vudun-Priesterzirkel zu bekommen, war viel mit dem Motorrad unterwegs; und ich glaube, die Flashbacks besonders zu den Gesprächen mit Johannsdottir sind ein gutes Zeichen, dass sich was bewegt hat in meinem Kopf. Irgendwie erscheint mir Lomé wie ein Spiegel meines Inneren.

Aber zurück zum 29.9.73: das Eigenartigste war, dass die Ausschreitungen genau 5 Stunden und 56 Minuten dauerten. Und ich meine genau. Auf dem Rückweg vom Akodésséwa südlich des Flughafens sammelten sich plötzlich Menschen auf den Straßen. Aprupt. Als wäre das alle irgendwie geplant gewesen.

Ich hab mich dann ins Zentrum durchgeschlagen, was wegen der blockierten Straßen nicht immer einfach war. Keine Ahnung, woher die ganzen Demonstrationen von Bürgern in offenbar zahlreichen Vierteln der Stadt plötzlich kamen. In den Medien war währenddessen und danach nicht die Rede von einer organisierten Aktion.

Auf einer Fußgängermeile am Rande der schweren Demos hab ich dann mit eigenen Augen beobachtet, wie Vermummte mit brennenden Mülltonnen die Dinger einfach in ein Schaufenster schoben, dann ihre Maske abnahmen und einfach ein paar Häuser weiter in ihr eigenes Geschäft gingen, um dort das Chaos aufzuräumen, das ein anderer angerichtet hatte. Von Polizei oder Militär keine Spur! Typisch  Afrika: jeder kümmerte sich, Feuer wurden gelöscht, Verletzte versorgt. Aber irgendwie komme ich nicht von dem Gedanken los, dass das Ganze wie einstudiert wirkte. Für mich? Und wer zieht das die Fäden? Was sollte das?

Ich fürchte, das wird nicht das letzte Mal gewesen sein…