Veränderte Welten

Copper hatte sich nach dem Ende der Einsätze in Dahomey erstmal 4 Wochen in einem Lazarett in Finistère erholt. Die ersten 2 Wochen davon verbrachte er mit der Anfertigung eines zwar lückenlosen, gut dokumentierten, jedoch gelinde ausgedrückt ‚kreativen‘ Abschlussberichts für die SFG77. Der Einsatz und die SFG glänzten darin wie das Kronjuwel einer phantastischen Prinzessin.

Im Anschluss schlief er bis zu seiner Entlassung beinahe durch. In seinen wachen Phasen versuchte er, all die Ereignisse in Dahomey Revue passieren zu lassen, sich klar zu werden über die Welt, die seine persönlichen Ansichten so durchgewirbelt hatte – jedoch ohne Erfolg. Seine Gedanken fanden zu keiner Struktur mehr. Er war als gefestigter Charakter in Dahomey angekommen, und als ein völlig anderer hatte ihn das Land wieder ausgespuckt. Und jetzt, da er wieder in einer zivilisierten Umgebung war, rangen die 2 Charaktere um die Vorherrschaft. Er musste den Kopf frei bekommen, sich irgendwo entscheiden, wie es weitergehen sollte, wer er denn nun sein wollte, jetzt wo ihn die Zustände nicht mehr zwangen… oder hatten sie ihn vorher gezwungen?

Copper reichte Urlaub ein, hatte sich ja Einiges angesammelt, und sie waren ja aufgefordert worden, sich Zeit zu nehmen nach dem großen Einsatz. Also dahin, wo man sich selbst finden kann, ab in die Heimat, vielleicht war ja dort der Kopf frei zu bekommen. Einen neuen Nadelstreif, eine neue Melone, ein neues Schulterholster, so hart konnte Selbstfindung schließlich nicht werden. Er hatte 6 Wochen Urlaub eingereicht, das musste reichen. Ordnung musste her, Struktur, Klarheit!

12 Stunden später war er in Bossier City, Luisiana, CAS gelandet. 4 Stunden, und der neue Anzug saß, Dreiteiler, Western Style, integrierte Schutzausrüstung. 3 weitere Stunden, Melone, Holster, Revolver, alles perfekt. Nochmal 2 Stunden und er betrat eine alte Stammkneipe, das Custers! ‚Nigger müssen draußen bleiben‘ prangte am Eingang. Hatte er fast vergessen. Der gleiche alte Spruch, die gleiche Art Barkeeper, 2 weitere Gäste, die gleiche Sorte Typen wie früher, nur mit neuen Gesichtern. Er musste lächeln, sein altes Leben, so einfach konnte es sein. Er warf ein fröhliches ‚Hallo Männer!‘ in die Runde…

27 Minuten später, ein schwarzer Polizist starrt auf sein Trid-Tablet ‚Und warum genau sind sie in eine bekannte Rassistenabsteige gegangen, und haben die anwesenden Gangmitglieder in einem altafrikanischen Dialekt begrüßt, Mr. Harmon?‘ ‚Muss mir rausgerutscht sein, Officer.‘ ‚Rausgerutscht?‘ ‚Ja, Officer‘ ‚Und wie erklären sie, dass da drinnen 2 erschossene Idioten und einer mit einem KLAPPSPEER im Hals liegen?‘ ‚Selbstverteidigung, Officer.‘ ‚Selbstverteidigung?‘ ‚Ja, Officer.‘ ‚Und wieso tötet ein Mitarbeiter einer afrikanischen Farming-Gesellschaft 3 Typen in Amerika in Selbstverteidigung?‘ ‚Also das war so, Off…‘ ‚Halten sie bloß den Rand, Mann.‘ ‚Ja, Officer.‘ ‚Detective Sergeant Breslin, oder? Wir waren mal auf dem gleichen Revier.‘ ‚Scheiße.‘ ‚Also wieso das da drinnen, Breslin?‘ ‚Selbstfindung.‘ ‚Selbstfindung?‘ ‚Ich wollte wissen, ob ich noch der Alte bin.‘ ‚Der Alte war ein Wixer, und sind sie es noch?‘ ‚Bin nicht mehr der Alte.‘ … Der Officer wendet sich ab ‚Schade, das wir zu spät kamen, um die Täter noch zu ergreifen.‘ ‚Danke, Officer.‘

1 Stunde später erreicht Copper den Flughafen von Bossier City. 12 Sunden später Finistère. Der Offizier vom Dienst nimmt die Urlaubsrücknahme entgegen. ‚Hm, 33 Stunden und 27 Minuten, nicht gerade ein üppiger Urlaub, wie wars?‘ ‚Bin jetzt ein Niggerfreund.‘ Copper wirkt fröhlich.