Lt. Bazut „Régicite“ Morell spürt die Erschöpfung in allen Teilen seines Körpers, seit langem beweisen ihm die Umstände mal wieder, dass er „nur“ ein Sapiens Sapiens ist. Kein Gnom mit unerwartet harter Ausdauer, kein Elf mit unerschöpflicher Lebenskraft, kein Zwerg, robust wie ein Edelstahlkugellager, kein…Norge!
Er sitzt im auf einer erhöhten Position in der Höhle des Orakels und überlässt es seinem Team, die nötigen Vorbereitungen zu treffen, in vollem Vertrauen, dass sie ihn dafür nicht brauchen. Andere Offiziere mögen das als Zeichen ihrer Unzulänglichkeit wahrnehmen, in ihm stellt es ein Gefühl der Sicherheit her. Seinen Wert als Offizier erfährt er nur aus zwei Kriterien, Missionsziel und Überlebensrate. Diese Balance abzuwägen ist das Einzige, was zählt. Missionsziele: Sehr Gut, Verluste:….Einer. Hillers erscheinen in der Höhle hat ihn mehr geschockt als er sich anmerken lassen will, was bedeutet, dass die, die ihn gut kennen, es bereits gemerkt haben. Deshalb war es so wichtig, seine Ansage an Andikan zu machen. Hillers Tot ist nicht seine Schuld, aber er war und ist verantwortlich, was die Lage für ihn schwere und nicht leichter macht. Doch seine Versprechen ihr gegenüber wird er einhalten, diese Pflicht ist die Einzige, die er noch für sie erfüllen kann.
Code d’honneur du légionnaire, Art. 7: Au combat, tu agis sans passion et sans haine, tu respectes les ennemis vaincus, tu n’abandonnes jamais ni tes morts, ni tes blessés, ni tes armes.
Jetzt gibt er sich für eine kurze Zeit seiner Erschöpfung hin und sammelt sich. Während auf seinem Kocher Wasser für Kaffee erhitzt wird, verzehrt er drei MRE aus dem MercInc Vorrat. Die Amerikaner sind immer noch die ungeschlagenen Meister darin, Pampe die ewig haltbar ist, so mit künstlichen Aromen, Zucker, Salz und Geschmacksverstärker voll zu pumpen….er liebt dieses Zeug, eins seiner peinlichen Geheimnisse.
Seine Gedanken kreisen um das Orakel, die Erlebnisse in den Höhlen… die Erkenntnis das von der wissenschaftliche Geschulten, hermetischen Lehre, welche lange Zeit Grundlage seines Wesen war nur noch ein zerrissenes Obergewand und eine innere, reiner Kern übrig ist. Mit dem Abstreifen von Poris Gewand hat er auch das überflüssige Denken zur Magie hinter sich gelassen. Das Innere, was nun frei liegt, hat an Kraft zugenommen, ebenso wie sein Verständnis der sechsten Welt.
Die Katzenspur im Sand hat die Entscheidung in den überschwemmten Sprawl vorzudringen, weiter verfestigt, harte Gründe wären nötig, ihn von diesem Pfad abzubringen.
Dann war da die “Aussprache“ mit Andikan, auch diese Sache scheint nun geklärt, man weiß nun, wo man steht.
Seine Involvierung in die Geschicke des rauchlosen Feuers ist ebenfalls offenbar und offensichtlich, es wird Zeit, dass er den anderen erklärt, wie tief seine Verbindung mit Atra mittlerweile ist.
Die eingebrannten Schriftzeichen auf seinem Unterarm sind der nächste Schritt eines Weges, dessen Ende er zwar noch nicht sehen kann, welchen er aber bis zum Ende gehen wird. Für den Moment sind sie desinfiziert und verbunden, Geheimnis noch verborgen, die rote Bandage ist jedoch wieder um den Unterarm gewickelt.
Und dann ist da die Sache mit seiner Schulter. Zufall? Aber es gibt keine Zufälle! Der Soldat war ein Scharfschütze: 2e régiment étranger, 2e compagnie, Tireur d’élite „guerrier fantôme“.
Aber der Soldat ist tot?
Dann ist der Scharfschütze auch tot?
Wird er jemals wieder mit einem Gewehr schießen? Wir er jemals wieder seine Fähigkeiten als ein „guerrier fantôme“ nutzen um seine Ziel zu erfüllen? Wir er seine Schulterrichten lassen? Die Antwort ist Ja.
Wird er Rolle des reinen Scharfschützen wieder einnehmen? Sieht et sich in seinem eigenen Geist noch als Einer? Die Antwort ist Nein.
In diesem Team ist er nun der Anführer, in seinem Geist ist er ein Jäger. Verwandt vielleicht, aber nicht das Gleiche. Zeit für einen symbolischen Tausch!
Im Laufe der nächsten Stunden kommt es zu folgender Situation:
Régicite hat sein Gewehr vor sich aufgestellt und prüft alle Einzelteile genau, reinigt und ölt sie mit übertriebenem Aufwand und Sorgfalt, gerade so als wollte er sicher stellen das der Zwerg seinem geliebten Gewehr nichts schlimmes angetan hat. Das Einzige, was fehlt, ist, dass er beruhigend mit der Waffe redet. Dann winkt er Copper zu sich herüber:
„Man verleiht seine Waffen nicht. Die taktische Situation hat es nötig gemacht, aber…“
Sein Blick wandert über die Einzelteile auf dem Tisch, weniger als es bei vielen anderen Gewehren üblich ist:
„Diese Gewehr habe ich von einem Büchsenmacher nach meinen spezifischen Vorgaben machen lassen. Der Verzicht auf Magazin, Gasdrucklader, so wie die Verwendung von 60% Titan, machen es zu einem der robustesten und leichtesten Point cinquante fusil sniper.“
Während dieser Erklärung hat er die Waffe wieder zusammengesetzt:
„Das Gewehr hat 21 bestätigte Abschüsse, mein bester Treffer war ein 800m Schuss, Rotorkopf eines Shykorki Skycranes, das Dinge viel wie ein Stein vom Himmel!“
Für einen kurzen Moment verliert er sich in der Erinnerung an den ersten Auftrag der SFG-77…wie lange war das jetzt her? 15 Jahre…? Oder nur drei? Dann kehrt er in den Moment zurück:
„Diese Team braucht einen Scharfschützen, eine Rolle die ich als der Offizier dieser Einheit nicht mehr erfüllen kann.
Man verleiht seine Waffen nicht. Es ist gegen die Vorschriften, es verstößt gegen die Etikette und gegen alte Traditionen. Ein Krieger muss mit seinen eigenen Waffen in den Kampf ziehen!“
Mit diesen Worten schiebt er die Gewehrtasche zu Copper hinüber:
„Ich hoffe es wird dir so gute Dienste leisten, wie es sie mir geleistet hat.“