Verstrickungen

Wie hatte es so weit kommen können?

Dass sich Schicksal entfaltet, an den unwahrscheinlichsten Orten – in die unwahrscheinlichsten Orte hinein – ist eine Lehre des Anbeginns der Zeit. Warum wundere ich mich so sehr?

Eis um mich. Schnee um mich. Wasser um mich. Ich möchte eine Kerze sein, im Nichts. Eine zerbrechliche Kerze, auf der Anrichte eines Königs, der so gut im Herz aber so schlecht im Handeln war. Ein verratener König.

Nur eine Kerze, mehr braucht es nicht.

Du bist meine Kerze. Du bist schon erloschen. Aber dennoch bist Du schön. Endlich wirst Du, was Du schon immer warst, Du Riesin. Die Vergangenheit ruft nach Dir. Erlösung ist nah. Wir haben uns schon immer gekannt.


Und wer wurde noch, wer er immer war? Mein Soldat. Meine Liebe. Was kümmert mich Liebe, der Sterblichen Tand? Nichts. Und doch alles. Tollkühn bist Du, wie ein entfesselter Narr. Nein, wie ein entfesselter Sterblicher, ein entfesselter Liebender, ein Lebender. In vollen Zügen schlürfst Du die Neige der Zeit. Das Schicksal rauscht durch unser aller Adern und Du reitest auf Flüssen aus Eis wie ein Sturm. Ich hasse Dich, ich bewundere Dich. Du willst kein Soldat mehr sein. Dann muss ich es Dir eben lassen. Geh endlich, bring uns beiden den Frieden. Aber erwarte keine Abschiedsworte von mir. Für einen Moment werden wir nah genug sein, dass keine Worte mehr nötig sind.

Dein Kind ist aus der Gleichung. Sie wird es einst alles verstehen. Wir nicht.


Hass – wo bist Du? Wer hasst mich? Hinter Deinen Augen, habe ich Mordgedanken gelesen. Als wenn Du eine Waffe gegen mich wenden könntest, die mich zur Strecke bringt! Ich habe Dich durchschaut, weil Du, ohne es zu wissen, die Klaviatur des Schicksals spielst. Ich lache trocken und wenig amüsiert. Denn auch wenn Du keine Waffe gegen mich hast, sind es Deine Mordgedanken, von denen die wahre Gefahr ausgeht. Verflucht seien all die Sterblichen, die zur Bedeutungslosigkeit bestimmt sind – bis die Bestimmung ihnen Bedeutung verleiht. Dann sind sie die Pest.


Und dann der befreite Sklave vom alten Kontinent. Ich habe Dir nichts zu sagen, weil Du die Sprache des Nichts verstehst. Du bist vom Schicksal getrieben, genau wie ich. Du weißt, was es bedeutet, ein Erbe des ersten Feuers zu sein. Dass Du den Weg zurück gefunden hast, zu Deinen Wurzeln, durch das Dickicht der Sklaverei, ist ohne Maß und ohne Wertung. Du hast Großes berührt und das hat Dich für immer gezeichnet. Glücklicher Verfluchter.


Aber unter all den genannten bist Du, Riesin, meine Kerze. Du bist schon erloschen. Aber dennoch bist Du schön. Endlich wirst Du, was Du schon immer warst, Du Riesin. Das freiwillige Opfer stürzt Königreiche und Welten. Wer alles gibt, wird alles erhalten. Die Macht der Gabe ist unendlich und als Eidgöttin bin ich Sklavin einer Sterblichen Gabe. Das ist der Pakt der ersten Stunde.