„Der Tag hat wie geplant angefangen. Colletté hat einen 1A Wasserlandung hingelegt und wir sind an der Westseite des Tawani-Sees an Land gegangen und haben unseren Mietwagen entgegen genommen.“
Am späten Nachmittag hatte sich Hiller im HQ gemeldet. Endlich in Funkreichweite hatte sie mitgeteilt, es hätte leichte Probleme gegeben, aber sie wären in ca. 2 Std. wieder zurück. Nun saßen Negative und Régicide wieder im Aufenthaltsraum, beide dabei, große Mengen Flüssigkeit auf zu nehmen, Aftersun aufzutragen und gemeinsam zu berichten, was vorgefallen war. Nebenbei bandagiert Norge den Knöchel des Lt. und Lena reicht Negative einen Eisbeutel für seinen Hinterkopf. Beide sind Verpflastert und Verbunden, doch der Team Medic hat festgestellt, dass keiner der beiden ernsthaft verletzt ist.
„Zuerst haben wir uns Ihuma genähert. Die Straßensperren in die Stadt sind nach wie vor aktiv. Es werden Kontrollen durchgeführt. Die Bewohner kehren zurück, der Betrieb ist rege, aber das Risiko einer Kontrolle ist sehr groß. Wir wollten nicht das Risiko eingeht,
ohne Teamsupport in den Ort einzudringen.
Die Unbenannte Siedlung haben wir über Nebenwege erreicht. Es handelt sich um einfache, aber moderne Gebäude (ca. 30), die entlang einer dicht bewaldeten Straße eine lose Siedlung bilden. Oder besser: bildeten. Sämtliche Gebäude wurden nämlich fortgeschafft. Nur noch Fundamente und die Überreste, die Bagger und Schaufellader hinterließen, waren zu finden. Der Ort ist von der Karte getilgt. In wenigen Monaten wird hier nichts mehr daran erinnern, dass es eine Siedlung gab.
Arkane Anomalien gab es keine. Doch ein Chemie-Check durch Negative im Dorf war positiv. Wir konnten die selben Spuren entdecken wie bei dem Elefanten, „brennende Autoreifen und Elektroschrott“ beschreibt die Mischung am besten. Die Reste fanden sich in den Baumwipfeln und an den umliegenden Büschen. Straße und verbliebenes Erdreich direkt im Siedlungsgebiet wurde offenbar mit einer neutralisierenden Substanz besprüht.
Wir haben dann einen Platz zum Rasten aufgesucht und die Funkausrüstung aufgestellt.
Das Abhören von relevanten Funkverbindungen war anspruchsvoll, aber mit unserem Equipment möglich. Die abgehörten Informationen bestätigen die aktuelle Gesamtlage: Es wird nach Verbrechern und Gewalttätern gesucht, Mercenary Inc. operiert in der Grauen Zone und fokussiert dabei scheinbar auf Aufklärung und Gebietsüberwachung . Hilfswerke und Katastrophenschutz helfen bei Brandbekämpfung und der Rückführung und Versorgung geflüchteter Bevölkerung. Viele un-oder leicht verschlüsselte Frequenzen funken in einer unbekannten Sprache. Das hat uns aufmerken lassen.
Aber der Hammer kommt noch: Mercenary Inc. hat Reporter und lokale Berichterstatter kaserniert/interniert und nach Süden verbracht. Da wurde scheinbar Presse gefangengenommen und deportiert. Von den derben Funksprüchen her sollte jedem Menschenrechtler ein Auge nervös zucken. Diese Dinge passier(t)en wohl am Westufer des Sees. Leider gab es nicht genug Details für ein Operationsprofil, da hätten wir sonst sofort zugeschlagen. Merc Inc macht seinem Ruf als die Grauen alle Ehre, keine Bedenken, ihrem Auftraggeber willfährig zu sein, Internationales Recht zum Trotz.
Wir sind außerdem in der Siedlung, in der wir den Jungen gelassen haben, vorbeigefahren. Nakabe sagte uns aber, dass er sich im frühen Morgengrauen Leuten angeschlossen hat, die nach Norden vorbeizogen.
Eine kurzer Abstecher zum See war auch wenig erfolgversprechend. Der Panzer samt Dorf wird von Sicherheitsbehörden Dahomeys („Ordnungsbehörde“) gesichert. Der Panzer wurde geborgen. Scheinbar werden Untersuchungen vorgenommen. Wir wollten uns hier nicht herumdrücken. Kontrollen sind dicht. Fragliche Geister waren ebenfalls nicht zu sehen.
Dann haben wir uns aufgemacht nach Nakotombe, der Ort, den uns Sikunah Giwa als möglicher Treffpunkt genannt hat. Und hier wurde die Sache dann komplex. In der Grauen Zone arbeiteten wir uns einen schmale Straße entlang durch ein dichtes Stück Mangrovenwald, als 200m vor uns eine Radpanzer auf die Straße setzt, den Turm herumschwingt und die Straße mit 40mm Geschossen eindeckt. Zu unserem Glück wollte sie fahren, den Turm drehen und schießen und das alles auf einmal. Deshalb haben sie zum einen nicht getroffen, zum zweiten gab es keine Diskussion über Absichten und Motive. Rein in die Mangroven, wir sind vielleicht vierzig Meter weit gekommen, als wir in einem verholzen Sumpfloch hängen geblieben sind. Wir hatten gerade genug Zeit, die Rucksäcke zu schnappen und uns davon zumachen. Wir waren 100m vom Auto weg, als die Bofors ihr Ziel gefunden und unseren E-Jeep in Schrapnell verwandelt hat. Dann hieß es Schleichen, Ausweichen und Verschwinden. Schätzungsweise 30 Gegner, keine Uniformen, hauptsächlich Schwarze, die einen lokalen Dialektsprechen, der nicht zuzuordnen war. Möglicherweise eine Variante des Hausa. Der erste Kontakt ging so schnell und der Wagen wurde so gründlich und schnell zerlegt, dass die sicher keine Ahnung hatten, wen sie da überhaupt aufgebracht haben. Das Suchparameter war eher unkoordiniert, obwohl wir einen Drohne gehört haben. Aber es war in den Mangroven so heiß und zugewachsen, dass die ihnen nicht geholfen hat. Nach ca. 40min waren wir aus dem Gebiet heraus, ohne weiteren direkten Kontakt.
Wir haben uns zu Fuß nach Nakotombe durchgeschlagen. Hier haben wir wieder das Funk-Equipment in Betrieb genommen und Hiller erreicht.
Sikunah Giwa war leider nicht vor Ort, man hat uns jedoch freundlich aufgenommen und versichert, ihr eine Nachricht zu übermitteln, wenn sie zurück kehrt. Wir haben die Nummer eines Einmalhandys bei einem lokalen Familienoberhaupt hinterlassen und dessen Nummer im Gegenzug erhalten.
In der Provinz Nakotombe (westlich von Tembe) wird ebenfalls am 10. Oktober gewählt. Heute morgen sind wir dann an Bord eines einheimischen Pickups zum Tawani-See zurückgekehrt, Colletté hat uns eingesammelt und den Rest kennt ihr.
So, und was war hier so los?“