Die Observation des Matrix Providers

Als am 07. Oktober 2073 Negative und Régicide zu einem Roadtrip ins Umland aufbrachen, machten sich Copper und Norge daran zwei potentielle Missionsziele zu observieren. In der Mittagshitze des Tages begannen sie mit dem Matrix Provider in Moskuwa.

Am südwestlichen Ende von Moskuwa befand sich der Dahomey LTG Matrix Provider. Ein massives Gebäude in einer AA-Gegend, schon aus einigen Kilometern aufgrund der markanten, rot-weißen Antennen auf dem Dach erkennbar. Praktisch der gesamte Matrix-Verkehr von Dahomey wurde von dort aus überwacht oder lief ohnehin durch die trolldicken Glasfaserbündel. Einiges pulsierte auch über Mikrowellen- oder Laserbrücken weit ins Umland hinein. Die Masse der Erdkabel konnte man nur erahnen. Das Gebäude selbst war sicher 50 Jahre alt und entsprechend gewachsen und modernisiert worden.

Dahomey LTG Matrix Provider

Eine Observation aus dem Nahbereich war zu Fuß möglich. Für Fahrzeuge am Boden und in der Luft war die unmittelbare Umgebung des Matrix Providers gesperrt. Der Konkurrent Mercenary Inc. hatte die Verantwortung und patroullierte im, auf, an und neben dem Gebäude. Anlass dazu gab es auch durchaus. An zwei Seiten des Gebäudes hatte sich ein kompaktes und verschanztes Protestcamp gebildet. Angehörige aller Metatypen, Nationen und Hautfarben prangerten dort den unerhörten Fall von Matrixzensur an, der noch immer andauerte. Die Lage war angespannt, es gab öffentliche Reden. Presse war vor Ort und die Sicherheitsleute hielten sich zurück – im Moment. Copper dürfte aus seiner Zeit in Kairo einen Vergleich ziehen können. Danach war es beeindruckend, dass Dahomey dieses Protestcamp mit mindestens 800 bis 1000 Personen duldete. Bis in die Seitenstraßen wucherte die Zeltstadt hinein. Bei knapp über 50 °C über dem flimmernden Asphalt war es für die Metamenschen eine Tortur. Alle warteten auf die Nacht.

Hauptpforte Westeingang

Das Gebäude selber war nach dem klassischen Vorbild der Fortress Economy (ein Begriff der in Seattle erfunden worden war) ausgebaut. Ein paar Schlaglichter: Die Hauptforte an der Westseite glich einem Grenzübergang zwischen UCAS und COC, wenn man sich einen vorstellen wollte. Reiner Personaleinlass, Cyberware-Scanner, Metalldetektoren, Hunde, schwere Waffen, Walker-Dronen in Orkgröße (die neuen Modelle, mit der Wendigkeit eines elfischen Basketballspielers), Sicherheitsdrohnen im Außenbereich, vollautomatische Flugabwehgeschütze auf dem Dach (davon konnte man nur im Gespräch mit den Demonstranten erfahren; gestern waren vier unerlaubte Drohnen abgeschossen worden).

Alles war dazu da, die absolute Unangreifbarkeit zu suggerieren und Null-Toleranz zur Schau zu stellen. Soweit erwartbar. Wie sah es wirklich aus? Laut Mike Goodfellow wäre es notwendig, eine Glasfaserleitung, einen Host, Slave oder einen Datenserver direkt anzuzapfen, welche direkt mit dem Cencorship Host oder der Matrix Filter Authority verbunden sein müsste. Als mögliche Angriffspunkte sah er die Serverfarm, die Administratorenbereiche oder möglicherweise die Technikwarte auf dem Dach. Die einzige Schwachstelle, die Copper und Norge finden konnten, waren Hinweise auf ausgedehnte Kelleranlagen. Es war ja zu erwarten, dass die Matrix-Server tief verbaut worden waren. Um das Gebäude herum gab es interessante Lüftungsgitter und Gittertore in der Nordwand, die Rampen nach unten versperrten. Die unterirdische Ausdehnung war möglicherweise immens. Nicht auszuschließen, dass es hier potentielle Angriffswege gab. Vielleicht von Nachbargebäuden aus? Die Option über das Dach leuchtete im Moment nicht ein, hatte aber generell auch seinen Charme. Es war auf jeden Fall leichter zugänglich als die Eingeweide im Keller.

In der Gesamtbewertung für eine mögliche Operation Uplink kamen Copper und Norge zu dem Schluss, dass es eine brilliante und minutiöse Operation sein müsste. Eine Mission Impossible im engeren Sinn. Ohne Insiderwissen in der ein oder anderen Form war hier nichts zu gewinnen im Moment.  Andererseits, … da war dieses stetig wachsende Protestcamp vor der Tür. Würde sich hier vielleicht bald ein Fenster öffnen, das entschlossene Einsatzkräfte für sich zu nutzen wüssten?

Ergebnisse der Observation