Nachruf auf Katsuo Uzun

Es ist ein verregneter Septembertag an der Atlantikküste. Weiße Uniformen der Urnenträger und Salutschützen stehen im harten Kontrast zum Grau und Schwarz ringsum. Es ist der Hauptfriedhof der Association Internationale des Mercenaires in Finistère.

Nach japanischer Tradition wird die Urne des Katsuo Uzun in weiß gekleidet in die Steingrube hinabgesenkt. Während der Regen leise auf Schirme und Mützen prasselt hält vor gut zweihundert Anwesenden Jacqueline Walters, CEO der Association, den Nachruf:

„Major Katsuo Uzun hat in nur acht Jahren Dienstzeit an einer Sache niemals einen Zweifel gelassen: an seinem festen Glauben an die Ideale unserer Association. Er hat sie wie kaum ein anderer mit tiefem Ernst und mit Hingabe gelebt.“

Jacqueline Walters hebt den Blick kurz in die Ferne, als suche sie ein Lichtblick am wolkenverhangenen Himmel. Oder einen fernen Gedanken.

„Ich traf Katsuo Uzun das erste mal auf der Shigeruu, 2070. Es war eine zufällige Begegnung. Aber dennoch eine, die uns in Freundschaft rasch verband. Er hatte eine offenherzige Natur, die trotz des ernsten Geschäfts, der Hierarchie und der Professionalität unserer Arbeit doch auch immer die Menschen sah, mit denen er sich umgab.“

Eine Windbö reisst plötzlich am Regenschirm, der von einem General des Central Command über Jacqueline Walters gehalten wird. Der Schirm gibt nach, der General kämpft mit dem störrischen Stecken und winkt nach einem Ersatz. Jacqueline Walters spricht im Regen unbekümmert weiter:

„Es ist wie ein unlösbares Rätsel für uns, weshalb Katsuo Uzun heute zu Grabe getragen wird, wenige Tage, nachdem auch die CASS Shigeruu ihren Frieden fand. Ich sehe darin eine Erinnerung daran, das nichts für Dauer ist.“

„Nur wenige hundert Meter trennten den Ort des Anschlags von meinem eigenen Büro. Viele von euch waren viel näher, als Major Katsuo Uzun starb. Er starb durch einen Akt des Hinterhalts.“

Sie macht eine Pause und sieht über die formlosen Gesichter der Anwesenden sowie auch in die Kamera.

„In der jungen Geschichte von AIM, die Major Katsuo Uzun fast die gesamte Zeit begleitet hat, hat es nicht solch eine Tat auf unserem Staatsgrund oder in Einrichtungen in Übersee gegeben. Und ich werde das nicht hinnehmen.“

Jacqueline Walters Gesichtsausdruck nimmt ungewohnt harte Züge an, bei der Frau, die eigentlich immer ein Lächeln und freundliche Worte findet.

„Eine bedingungslose Aufklärung der Hintergründe, der Schuldfrage und der Konsequenzen wird bereits vorangetrieben während wir heute seiner gedenken und uns verabschieden. Das sind wir Major Katsuo Uzun schuldig. Und wer ihn kannte der weiß, dass die Gründe für seinen Tod nur in seinem Dienst und seiner Arbeit für AIM gefunden werden können.“

Der General bekommt endlich einen neuen Schirm gereicht, ist jedoch geistesgegenwärtig genug den Moment nicht weiter zu stören. Er tritt vom Rednerpodest zurück.

„Major Katsuo Uzun war unter den ersten zehn Abgängern der AIM Senior Offricer School in 2066. Er ist der erste Abgänger dieser Schule überhaupt, den wir zu Grabe tragen müssen. Er hat sich für eine offene Reform vieler Doktrinen eingesetzt. Er hatte eine Vision, die ich mit ihm teile. Sie wird weiterleben. Denn mit Vision, Loyalität und Befehlstreue begleitete er AIM durch drei große Kampagnen und hat hervorragende Soldatinnen und Soldaten ausgebildet.“

Eine erneute Pause.

„Katsuo Uzun verblieb kinderlos und ohne Angehörige und lässt uns heute als seine Familie fassungslos und trauernd zurück.“

Jacqueline Walters tritt vom Rednerpult zurück und reiht sich in die Trauernden in Zivil ein. Salutschüsse hallen über den Strand von Finistère hinaus auf die See, wo die Sonne das Meer in der Ferne endlich küsst.