Harvester Bay im Ausnahmezustand

Auf dem Aqua Agra Complex Harvester Bay, einem Verbund von Hochseeplattformen im Pazifik, ist ein Aufstand ausgebrochen. Unbestätigten Berichten zufolge befindet sich ein Teil der ansässigen Bevölkerung in offener Revolution. Die Zustände sind chaotisch, genaue Informationen spärlich. Es scheint keine klare Agenda des Aufruhrs zu geben, keine Begründung und auch keine Gruppierung der er zugeordnet werden kann. Zu diesem Zeitpunkt gibt es keine offizielle Verlautbarung, außer das man dabei ist die Lage zu kontrollieren. Seit den ersten Notrufen in den frühen Morgenstunden ist dies jedoch noch nicht gelungen.
Harvester Bay ist eine exterritoriales Gebiet unter Konzernhoheit. Es enthält vier P.A.S.S und acht schwimmende Plattformen und ist nach den Arcologies die größte Hochseeeinrichtung des Pazifiks. Über 19.000 dauerhafte Einwohnern sind dort nach Angaben der Verantwortlichen gemeldet.
Ozanic Techonolgies (OT) ist der Erbauer und Verwalter der Einrichtung und gilt als der führende Experte für Hochseebauwerke. OT ist jedoch nur zu zehn Prozent Anteilseigner. Ansonsten verteilt sich das Eigentum zu vierzig Prozent auf Atztechnologie Inc. und zu je zwanzig Prozent auf ChengCheng Oil (CCO) und California Deep Mining (CDM). Atztechnologie betreibt in den Anlagen ihre produktivste Mikroprotein-Fabirk. CCO, ein in Singapur ansässiger chinesischer Treibstoff-Erzeuger, raffiniert auf der Harvester Bay ein hochenergetisches Multifuel. Die Produktionen beider Firmen basieren auf in riesigen Unterwassergärten kultivierten Meeresalgen. CDM baut verschiedene seltene Erden und Methan-Hydrat ab.
Die Arbeiterschaft kommt aus dem gesamten südasiatischen Raum, so wie aus Mittelamerika. Chinesen und Atzlani bilden jedoch die Mehrzahl. Die Crew der Anlage besteht zu 90% aus nordamerikanischen, meist kalifornischen, Staatsbürgern.
Den spärlichen Berichten panischer Augenzeugen vor Ort zufolge, sind unter den Aufständischen Mitglieder aller Firmen, Nationen und anderen Gruppen, sowie allen Gesellschaftsschichten. Verglichen mit dem ersten Angriff auf die Kappa YC der Yutani Corporation vor einigen Monaten und den Terror- und Piratenangriffen auf Plattformen in den letzten Wochen, besitzt der Angriff auf die Harvester Bay also eine neue Qualität.
Pazifikkonflikt eskaliert: Attentat auf japanischen Premier

Vor wenigen Stunden wurde ein Attentat auf den Premierminister von Japan, Kenturo Goto, verübt. Ein schwer bewaffneter und körpermodifizierter Attentäter attackierte die Prozession anlässlich der Hochzeit von Gotos Neffen. Der Attentäter feuerte aus mehren Waffen in die Gruppe um Goto und kämpfte sich durch Sicherheitspersonal und Leibwächter bis zum Premier vor. Goto selber wurde durch die Schädelimplantat-Waffen des Attentäters getroffen, doch seinem Bodyguard gelang es, ihn von dem Täter abzuschirmen. Das Feuergefecht entwickelte sich zu einem blutigen Nahkampf, in dem zwei Adepten der Tennogarde den Cyborg förmlich in seine Einzelteile zertrümmern mussten, bevor dieser den Kampf aufgab. Die Selbstzerstörungsbombe richtete nur geringen Schaden an, da sie durch einen der taoistischen Geistlichen eingedämmt werden könnte.
Der Premierminister und sieben andere Verletzte wurden in eine Notfallklinik eingeliefert und sofort operiert; alle schweben im Moment noch in Lebensgefahr. Auf dem Tempelplatz blieben vierundzwanzig leicht verletzten und zwölf Tote zurück.
Hintergründe und Identität des Attentäters sind noch unbekannt. Die ersten Anschuldigungen und Dementis machen aber bereits die Runde durch die Matrix
Piraterie auf Sealab

Die P.A.S.S Sealab, eine Anlage der Celcius Corp Gruppe (u.a. Bayer, Greendale Pharma und Biomed), wurde gestern Abend Ziel eines Überfalls. Kriminelle Elemente, vorwiegend aus Indonesien, verschafften sich gewaltsam Zugang zur Station, wohl mit dem Ziel Beute zu machen und eine Bombe als Erpressungsmittel einzusetzen.
Sealab unterhält seit kurzen einen Vertrag mit der deutschen Sicherheitsfirma Preussen & Schutzmann (P&S), eine Anbieter ähnlich der AIM, jedoch spezialisiert auf Sicherheit & Verteidigungsmaßnahmen. Die vierzig „Schutzmänner“ hatten kein Problem die 300 Piraten in vorbereiteten Verteidigungspositionen und unterstützt durch Dronen zurückzutreiben. P&S hat Sealab so gut besetzt und ausgebaut, dass einhundert Angreifer in einen Sperrfeuerzone eingedrungen waren, ohne es zu merken. Achtzig Piraten kamen bei dem Angriff ums Leben, 130 weitere wurden gefangen genommen. Die verbliebenen Piraten flohen auf ihren Schiffen, von denen eines durch Beschuss von der Plattform und Dronenangriffe direkt versenkt wurde. Die verbleibenden Schiffe wurden wenige Stunden später von der AIMS Shadow, einem Jagd-U-Boot, torpediert und aufgebracht.
Die beiden Militärdienstleister scheinen eine enge Zusammenarbeit anzustreben. Sie verbinden eine starke Logitik der AIM mit der Expertise einer großen Zahl von Sicherheitsspezialisten im Personalbestand von P&S.
Kommentar: Wirtschaftliches Desaster und Arbeiterflucht im Pazifik

Als folge der andauernden Zwischenfälle auf den P.A.S.S im Pazifischen Ozean beginnt eine Flucht der Arbeitskräfte, besonders der spezialisierten Facharbeiter. Gute Bezahlung, Abenteuer und gute Weiterbildungsmöglichkeiten waren nur drei der guten Gründe, warum es bisher für die pazifischen Konzerne nie ein Problem gewesen war, ihre Plattformen mit qualifiziertem Personal zu besetzen. Doch nun verlassen die Angestellten ihrer Arbeitsplätze und kehren zum Festland zurück. Sogar Angestellte in Vertägen mit Befristungen und Vertragsstrafen nehmen Geldstrafen und Strafverfahren in Kauf, so groß ist die wahrgenommen Angst. Es gab schon vereinzelte Zwischenfälle, bei denen sich Personal gewaltsam Zugang zu Transportmitteln verschafft hat, als der Arbeitgeber sich weigerte den Transferwünschen nachzukommen. Der Corporate Court hat beteiligte Konzerne angemahnt, der Sicherheitsverantwortung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müsse nachgekommen werden.
Die Spannung in den drei Hochsee-Arcologies und den anderen extraterritorialen Anlagen, deren Bewohner Staatsbürger des jeweiligen Konzerns sind, steigt dauerhaft an. Eine stetige Verbesserung der Sicherheitsstandards wird – nach Aussagen der Verantwortlichen – vorangetrieben.
Die pazifischen P.A.S.S sind zuständig für 4,9% der weltweiten Nahrungsmiteilgewinnung sowie für 3,2% essentieller Rohstoffe. Ein Wegbruch dieses Wirtschaftsfaktors wird schwerwiegende Folgen haben.
Nur 18% der pazifischen Spitzenindustrie befindet sich unter der Hoheit der Cantonese Confederation (COC) und deren Verbündeten. Somit gibt es für die Vorwürfe, die COC würde einen wirtschaftlichen, mit terroristischen Mitteln geführten Krieg anstreben, zumindest reichlich Indizienbeweisen. Auch ein Teil des zu erwarteten Produktionsverlustes könnten die Konzerne unter chinesischem Einfluss auffangen. Auf der anderen Seite betreibt die COC die größte Containerschiffflotte der Welt, für dessen hohe ökologische Verträglichkeit, mit ihren Walzen, Solar und segelgestützten Brennstoffzellenantrieben, in der Vergangenheit viele Lorbeeren vergeben wurden. Ein Teil dieser Schiffe steht im Moment still, andere müssen große Umwege in Kauf nehmen, um ihrer Zielhäfen zu erreichen. Atzlan hat fünf Schiffe im Panamakanal unter Hausarrest gesetzt, nachdem die COC sich weigerte ihre Speerzone in japanischen Gewässern für Schiffe unter Atzlani Flagge zu öffnen. Mehrer Schiffe wurden von der AIM mit dem Verdacht aufgebracht, dass die zivielen Frachter Kriegsmaterial transportieren. In einigen Fällen traf dies scheinbar zu. Seit dieser Zeit sind alle Schiffe unter Flagge der Cantonesischen Allianz aus dem von dem Japanischen Consortium kontrollierten Breichen verbannt.
Wirtschaftlich kann es hier keine Gewinner geben, solange der Konflikt nicht beigelegt wird oder eine Eskalation eine einseitige Entscheidung erzwingt. Nach dem schrecklichen Kampf um Kinto scheinen die Parteien zögerlicher mit militärischen Gesten geworden zu sein. Die seit Wochen in Hong Kong andauernden Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien haben jedoch auch keine nennenswerten Fortschritte hervorgebracht. Es bleibt also zu befürchten, dass wie so oft andere Lösungen hinter den Kulissen angestrebt werden. Lösungen mit wenig Rücksicht auf internationales Recht oder internationale Diplomatie. Hoffen wir, dass es wenigstens Lösungen von ökonomischer Klugheit sein werden.