Die Wanderung zu den Scrappern am Leyland Transporter zeigte einmal mehr, dass sich die Mühlen langsam drehen. Weg und Situation bei der Sackgasse waren unverändert. Das mitgebrachte Wasser wurde mit Interesse begutachtet und dann so behandelt, wie es die Scrapper mit Dingen taten, die man nicht einschätzen konnte: es wurde ins Inventar aufgenommen – zumal es eben sauberes und mutmaßlich unbehandeltes Wasser war!
Die Frage nach Schutzausrüstung erläuterten Wasotu und Lomo wie folgt:
„Kampfeinheiten der Konzerne in der inneren Sahara benutzen aktive Lösungen, die sowohl panzern als auch vor der Witterung schützen. Sowas haben wir nicht und können wir auch nicht improvisieren. Andererseits ist das Sandorakel nicht in der inneren Sahara. Man kann also mit kluger Reiseführung, zum Beispiel durch Wasotu, und einfachen, traditionellen Kleidungen durchaus bis zum Sandorakel vordringen, notfalls zu Fuß und mit Lasthilfen. – Konventionelle Panzerung kann Lomo bauen. Er ist der Rüstungsschneider bei uns. Aber das Material und Werkzeug ist in Nakatombe. Hier vor Ort lässt sich nichts improvisieren was Mühe und Gewicht wert wäre. Was unsere Schutzkleidung an geht, die ist aus Material der Tuareg gefertig, die man nur in der inneren Sahara handeln kann. Außerdem entfaltet sie nur mit passenden Cybermodifikationen ihren vollen Wert. Wahrscheinlich nicht das, was ihr wollt? Wir können euch also nur mit traditionellen Hitzeschutzkleidungen dienen, die können wir hier handeln, und euch kräfteschonend durch die Wüste führen. Panzerwesten oder Helme können wir ohne Werkzeug und adäquatem Material nicht improvisieren.“
Was das Sandorakel anging, konnte Régicide einen ganz guten Überblick durch Zeugenberichte und das ein oder andere, schlechte Digitalfoto erlangen. Nach zahlreichen Gesprächen konnte er einige Erkenntnisse zu den taktischen Datenbanken hinzufügen.
Alles weitere gelang Régicide soweit. Die Überarbeitung der „Campingausrüstung“ war eine gute Idee und beugte so manchen Materialschäden und bösen Überraschungen vor. Die Feldbetten mit den Klimanetzen durften wohl als Geschenk des Prinzenpaars gelten, jedenfalls wischte Abé eine Nachfrage diesbezüglich zur Seite. Auch das Material für ein gemeinsames Klettern am Steinbaum sollte hinreichen, um gravierende Stürze zu vermeiden.
Letztlich blieb nur die Suche nach dem rauchlosen Feuer. Eine Metapher, die bisher so nicht aufgetaucht war. Nur Afkarasar hatte sich als das tödliche, das erstickende, giftige Feuer zu erkennen gegeben. Visionen aus brennendem Teer, Bitumen, Autoreifen und Schweröl. Copper war ja ein engagierter Berichterstatter dieser und ähnlicher Impressionen gewesen. Régicide konnte diesen Antagonismus spüren. War Silah das reine Feuer? Zumindest lag der Name „Silah“ nahe an dem Gattungsnamen der „Sila“, das hatte Régicide aufmerksam beobachtet. Tatsächlich fand sich auch in Gesprächen mit Personen bei den Steinsetzungszeremonien ein Hinweis. Einer der Steine außerhalb des Lagers, im Norden, war vor gut zwei Wochen durch eine Gruppe errichtet worden, deren Sippenmutter angeblich eine Inkarnation der Silah sein soll. Die Gruppe hatte den Stein in grellem Rostrot bemalt und lediglich eine kleine, rechteckige Fläche plan geschliffen. Dort hatte man eine bedruckte Folie auf den Stein aufgebracht, die das Portrait einer geschmückten Frau mittleren Alters zeigt. Augenscheinlich eine Fotografie. Darunter stand in den Lettern des ostafrikanischen Tigrinia „Silah Batu“. Vieles sprach dafür, dass der Stein nicht von einer der vor Ort stark präsenten Gruppierungen aufgestellt worden war. Régicide durfte annehmen, dass es sich um Menschen aus Äthiopien, Eritrea oder einer nahegelegenen Region gehandelt haben musste. Auf der Erde um den Stein fanden sich Hinweise darauf, dass ein solides Feuer gebrannt haben muss, bevor man die Farbe aufgetragen hatte.

Ehe sich Régicide versieht, erwischt er sich dabei, wie er seine Hand flach gegen den roten Stein legt. Wenn Régicides Vermutungen weiter in diese Richtung schweifen und es wirklich eine alte, vielleicht von niemanden wirklich entdeckte Verbindung zwischen dem Feuer dort und dem Feuer hier gibt, dann wäre er Atra ja eigentlich seit Beijing nicht mehr so nahe gewesen wie jetzt gerade… Welche Fragen würde das aufwerfen?