CASS Shigeruu gesunken

Channel 9 World News. – 2074-09-03

In der vergangenen Nacht ist der seit 2040 im Nordmeer verankerte Flugzeugträger CASS Shigeruu gesunken. Das Kriegsschiff war durch eine unbekannte magische Anomalie an einem festen Punkt unbeweglich gehalten worden.

Der sterbende Gigant, der seit über dreißig Jahren dem Verfall größtenteils anheim gegeben wurde, liegt nun in 5000 Metern Tiefe.

Corre Sverdrup, Projektleiter der Shigeruu Operation für NTNU und AIM in Trondheim:

„Die Gründe für das plötzliche und unvorhersehbare Sinken der Shigeruu sind noch nicht abschließend verstanden. Das hervorragend geschulte, wissenschaftliche und militärische Personal an Bord konnte jedoch die Lage beherrschen und geordnet evakuieren, bevor es zu größeren Velrusten kam. Insgesamt waren wir auf solch eine Situation vorbereitet, denn die Shigeruu war von Anfang an ein großes, undurchschautes Mysterium. Eine große Gelegenheit! Und auch eine riskante Sache. Das war immer klar.“

Ursprünglich zeigte die CASS Shigeruu als ein Kriegsschiff der Confederation of American States Präsenz in den Euro Wars und unterstützte indirekt die russische Position, die auf eine Beendigung der Kriegshandlungen hinstrebte. Auf dem Weg in die Karasee fixierte eine magische Kraft das Schiff auf offener See und raubte den CAS somit einen zentralen geostrategischen Spielstein.

In den Folgejahren nutzten sowohl die Russische Föderation als auch die Skandinavische Union die Shigeruu als Basislager. Dem folgten multinationale Forschungsstationen nach, die dem arkanen Phänomen auf die Spur kommen wollten.

Die Norwegian University of Science and Technology (NTNU) übernahm nach anfänglicher Euphorie über die möglichen, magischen Erkenntnisse, die Langzeitstudien auf der Shigeruu. Gesichert und betrieben wurde die Anlage zuletzt durch die Association Internationale des Mercenaires (AIM).

Anonyme Augenzeugen berichten von einem Feuer an Bord, das höchstwahrscheinlich auf einen magischen Ursprung zurückzuführen sei und zum Untergang der Shigeruu führte. Hierzu Prof. Dr. Sigrid Johansdottir, wissenschaftliche Leiterin:

„Vierunddreißig Jahre war die arkane Situation auf der Shigeruu stabil und gefahrenfrei. Die technischen Anlagen vor Ort waren nach Versuchen mit einer Erneuerung der Maschinenanlage und der Energiegewinnung extrem klein dimensioniert, um jegliche ungeplante Interaktion mit der arkanen Anomalie zu vermeiden. Insofern schließe ich aus, dass ihr Untergang auf technische Ursachen zurückzuführen ist. Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass die Shigeruu eine arkane Anomalie war. Der Grund für die Stabilisierung des Kriegsschiffes konnte in vierunddreißig Jahren nicht klar entschlüsselt werden. Dennoch waren die Studien ertragreich. Nun hat uns die sechste Welt einmal mehr gezeigt, dass wir nicht alle Vorgänge, die uns umgeben, mit rationalen und technologischen Perspektiven begreifen und durchdringen können. Ich möchte mein tiefes Mitgefühl für die Opfer an Bord zum Ausdruck bringen, und meinen großen Respekt für die mutige und ausdauernde Forschungsarbeit, die auf der CASS Shigeruu geleistet wurde.“

Die Forschungen auf der CASS Shigeruu hatten insbesondere zu Erkenntnissen der Metamagie elementarer Ebenen beigetragen. Bis zuletzt war die hermetische oder spirituelle Natur der Anomalie aber umstritten geblieben. Versuche zur Interaktion von beiden großen arkanen Traditionen an Bord der Shigeruu hatten weltweit für Anerkennung gesorgt.

Laut der Seefahrtbehörde der Skandinavischen Union und AIM wird eine Bergung der CASS Shigeruu derzeit als nicht wirtschaftlich erachtet. Von privaten Initiativen zur Bergung wird aus Sicherheitsgründen stark abgeraten. Kleinere, spezialisierte Unternehmen haben jedoch ein Interesse an einer kommerziellen Bergung von Schrottwerten und der Vermarktung des denkwürdigen Ereignisses angekündigt. Der Erwerb von Filmrechten wird unbestätigten Meldungen zu Folge bereits verhandelt.

Technologieskeptische Gruppierungen sehen den Untergang der Shigeruu als eine positive Wendung und sprechen von einem Sieg des Unverstandenen über den Beherrschungsfetisch der Konzernwelt.

Die Internationale Schifffahrtsorganisation (IMO) hat eine Untersuchungskommission zu den Ereignissen eingefordert, um eventuelles Fehlverhalten der Betreiber sowie umweltschädliche Folgen zu untersuchen. Dies wurde seitens der NTNU und AIM abgelehnt. Weiterhin wird kritisiert, dass unabhängigen Medien kein Zugang zu Überlebenden der Havarie gewährt wird und deren Verbleib sowie gesundheitlicher Zustand unklar ist.