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Shigeruu – das letzte Mal !?!

// 9. Mai 2073 //

Durch die leichten Nebelschleier kam sie schließlich in Sicht. Noch immer unbeweglich, noch immer allein mitten im Ozean; und doch zum Leben erwacht. Die Shigeruu. Ein Schmunzeln glit über das Gesicht des Elfs, als sich die Luftraumüberwachung formal korrekt und pünktlich beim Piloten des AIM-Helikopters meldete und die üblichen Phrasen ausgetauscht wurden. Scheinbar war die Arbeit nicht ganz umsonst gewesen.

Der selbe Eindruck auch auf dem Flugdeck, dass Negative wenige Minuten später unter den Füßen hat. Obwohl hier mehr Flugbewegung zu herrschen scheint, mehr Material und Personen bewegt werden, das Deck sieht sowohl strukturiert aus als auch auf angemessen hohem Überwachungsstand.

Kaum hat ihn der Bauch des Schiffs verschlungen, öffnet sich das Schott zur Air Traffic Control. Kane Pike lässt sich die Möglichkeit zur persönliche Begrüßung nicht nehmen. „Na also! Der Ghost ist zurück! Herzliches Willkommen!!! Ich bin froh, Dich nochmal lebend vor mir zu haben, nach allem, was man so hört!“ Ein kräftiger, langer Händedruck ersetzt den militärischen Gruß. „Norge übertreibt gern, wie wir wissen“, winkt Negative ab. „Aber für eine objektivere Sicht haben wir ja noch 62 Tage Zeit, lieber Kane.“ „Morgen hab ich Tag frei, komm hoch, wenns Dir passt!“ Mit diesen Worten verabschiedet der Offizier Negative Richtung Brücke.

 

Als nach zwei Stunden endlich der offizielle Teil überstanden ist, sitzen die beiden metamenschlichen SFG77-Mitglieder im Hangar nebeneinander. Norge genießt die Antonio Gimenez Double Corona, deren Einkauf und Direktimport aus Manila zusammen mit mehreren Flaschen Tanduay 65 Fine Dark Rum weniger Mühe bereitet hat als das Auffinden von Thermounterwäsche im Dschungel. Man scherzt über die selben Themen wie in der Zeit Monate zuvor und betrachtet das Treiben an den Docks. Die eigentliche Frage, die es zu klären gilt, bleibt lange unausgesprochen. Schließlich hebt Norge an: „Ich habe Corre Bescheid gegeben. Wir sind also beide noch zwei Monate hier. Und wie solls danach weitergehen?“ Negative hebt die Brauen: „Du bist also sicher, nicht hier weitermachen zu wollen? Ich hätte erwartet, dass dir diese Entscheidung schwerer fällt. Corre sprach vorher vom immer noch vakanten Posten des Chief of Security! Den haben sie doch sicher dir angeboten, oder? Ich hätte das gemacht, bevor ich ihn  mir anbiete!“ Der Ork zieht an der Zigarre. Die Qualmwolken verschlucken viel von der Antwort. Das Wort „Freiheit“ wird aber noch öfter fallen in dem Gespräch…

 

 

 

Manila 2 – Uzun

// 6. Mai 2073 //

Das durchgevögelte Hotelzimmer war nicht der richtige Ort für das Gespräch. Also saß der Elf an einem öffentlichen Trideo irgendwo in mitten in Manila. Der Bildschirm flammt auf. Uzun erscheint, wie immer makellos gekleidet vor nichtssagender Bürowand. Der Austausch von Höflichkeiten fällt kurz aus:

„Ich möchte sie persönlich in Kenntnis setzen, dass bzgl. der SFG77 insgesamt von unserer Seite noch keine entgültige Entscheidung getroffen wurde. Ich spreche also nur für mich selbst, wenn ich ihnen jetzt mitteile, dass von meiner Seite eine Rückkehr auf die Shigeruu nur für die verbleibende Vertragslaufzeit geplant ist. Heute ist der 6. Mai 2073. Meine Rückflüge gehen in 3 Tage, ab dem 9. Mai werde ich also die restliche Dienstzeit dafür nutzen, alles für meine Nachfolger vorzubereiten. Mein Vertrag läuft, wie sie wissen, bis Ende Juli.

Uzun nimmt die Auskünfte schweigend entgegen. Seine Stirn ist in Falten gelegt, die Finger seiner rechten Hand fixieren Notizen auf dem Touchboard vor sich. Der Elf fährt fort: „Danach werde ich mich sehr persönlichen Dingen widmen – mit Hilfe von Frau Johannsdottir.“

Uzun nickt Negative knapp zu. „Natürlich sind das nicht die Nachrichten, die ich erhoffte; aber erwartet habe ich sie. Stehen sie in Kontakt mit ihren übrigen Kameraden?“

„Nein. Dem werde ich nachgehen, wenn ich wieder im Eismeer bade…“ der Elf blinkt zu den Palmen im Park gegenüber. „Dann werde ich mich darum kümmern, dass wir wieder ein einheitliches Bild abgeben. Aber für Jeden und Jede war ein Schnitt nötig!“

Eine Pause entsteht. Uzuns Hände sind erstarrt, ebenso der Blick  von Negative. Straßenlärm der Großstadt drängt sich in den Vordergrund.

„Mehr habe ich im Moment nicht zu sagen,“ unterbricht der Elf die Gedanken. „Sobald ich die Stimmen der anderen eingefangen habe, komme ich wieder auf sie zurück!“

Das Gespräch endet so knapp, wie es begonnen hat. Der dunkelhäutige Elf erhob sich vom Trideo und blickte sich suchend um. „Winterklamotten in Manila? Muß es irgendwo geben…“

Manila 1 – Owens & Skogen

//13. April 2073//

Der Dschungelregen prasselte aufs Dacht. Die Hütte war leer. Irgendwann in den letzten zwei Tagen war die Tochter von Owns hier mit ihrer Delegation untergekommen, aber alles, was übrig war, waren ein paar aufgerissene Soykaf-Becher, Müll und einige verkohlte Holzstücke. Was immer hier auch verbrannte, mehr als feuchte kalte Asche ist nicht übrig. Draußen hatte der Dschungel die Spuren längst zugedeckt. „Nichts mehr zu holen. Alles umsonst!“ zischte die Elfe und wandte sich zum gehen. Negative blickte zu ihr, das Plastikbesteck vom Boden in DNAse freien Beuteln flog achtlos zur Seite; und sprang auf.

„Warte!“ Er blickt ihr tief in die Augen. Minuten verstrichen. Schließlich fragte er „Es wird Zeit. Wer bist Du? Warum die Shigeruu? Was ist passiert?“. Als sie sich abwendet, die Gesichtszüge angespannt und die Haltung gestrafft, springt er zwischen die morschen Türrahmen.

„Hör zu! Die Dinge haben sich geändert! Nichts kann ungeschehen werden, aber ich…“ er stockt und ein kurzes Lächeln blitzt auf“ … aber wir können was daraus machen. Was steht zwischen uns?“ Er geht auf sie zu, und sie lässt die Hand wieder vom Holster sinken.

“ Brick kann nicht mehr zwischen uns stehen. Und Johannsdottir brauche ich. Sie hat mir den verdammten Verstand gerettet!“

„Den scheinst Du aber prompt wieder verloren zu haben!“ Skogen funkelt ihn an. „Was genau machst Du hier?

 

 

 

TRF – MNL

Der ausführliche Besuch bei Zoe war beendet. Den halben Tag hatten sie über alles geredet, was die letzten Wochen passiert war, und ihr unwillkürliches Verkrampfen bei den Gedanken an manche Szenen zeigte, wie lange das wohl noch dauern würde. „Zoe, auch Du solltest bald runter von dieser Kiste hier! Ich glaube, ein Platz mit entspannten Menschen und mehr Grün wird dir guttun. Einen anderen Rat kann ich dir nicht geben, denke ich. Genau das werde ich jetzt auch machen: weg von hier. Das ist aber keine Flucht, auch wenn es den Anschein hat. Das versprech ich Dir… ich kümmer mich um mich, wie Du es jetzt um Dich tun solltest. Und versprich mir, dass wir in Kontakt bleiben. Ich schreib Dir ne Karte aus Manila…“. Mit einem Kuss auf die Stirn verabschiedete er sich.

Auf dem Weg zum Flugdeck führte sein Weg an der Kabine von Johannsdottir vorbei. Sein Gang wurde langsamer… „Keine Flucht“ murmelte er und betrat ohne zu klopfen und ganz in Gedanken ihre Kajüte. Die Trollin blickte mehr erstaunt als überrascht oder erschrocken von dem Buch auf, dass sie vor sich auf dem Trollsize-Bett liegen hatte. „Entschuldigung! Ich wollte nur kurz… Damit kein falscher Eindruck entsteht. Also ich werde eine Zeit das Schiff verlassen. Aber eine Flucht soll das nicht sein! Nur das Ende eines Kapitels, und der Beginn von gleich zwei neuen. Das eine hat mit einem tiefen Bedürfnis zu tun, und das andere mit ihnen! Ich weiß nicht, was sie gemacht haben, und warum, habe Angst davor zu erfahren, wie, aber ich bin sicher, dass ich ohne sie nicht hier wäre. Deshalb kann ich nur nochmal Danke sagen. Ich bin einige Wochen weg. Ich melde mich regelmäßig. Passen sie in der Zeit auf ihr Notizbuch auf!“ Ohne ihre Antwort anzuwarten wandte er sich um und verließ die Unterdecks. Neben dem Flugboot stehend drückte der einige Tasten an seinem PDA und verließ das Schiff.

Nachricht an Norge, Goodfellow und Regicide:

Ich werd ein paar Tage Urlaub machen. Ihr erreicht mich, aber ich werde meine Zeit in Manila auch nutzen, um persönliche Dinge zu klären. Wenn ihr euch dann langweilt: Owen läuft da irgendwo noch frei rum und wartet auf einen Besuch. Oder auch nicht. Jedenfalls lass ich euch wissen, wenn sich Näheres ergibt. Bis bald!

 

Roasted Plantain

…Nein, er ist nicht noch einmal zu sprechen, sondern trifft sich um seine Kollegen der SFG. Sie sehen, ihre Befürchtung von verstärkter Soziopathie ist völlig unbegründet!…
… Keinerlei Anzeichen davon.Seid 12 Stunden! Hören sie, ich versichere ihnen, dass er keine Flashbacks hat. Er könnte sie auch gar nicht vor mir verheimlichen, selbst wenn er nicht im Raum ist…
…Sie haben alle Daten, Mr. DeVries! Ich kann nur noch einmal betonen, dass von meiner Seite aus nicht dagegen spricht, dass Negative wieder in den aktiven Dienst zurückkehren kann!“…
…Selbstverständlich werde ich weiterhin mit ihm zusammenarbeiten und sie dann umfassend informieren!…

Ein Satz aus seiner Studentenzeit zuckte durch sein Gedächtnis: „Aufgebrachte Trolle sind geschlechterunabhängig keine leichten Gesprächspartner!“ Wie recht der alte Professor hatte, zeigte sich wieder einmal. Martin DeVries gab sich einen Ruck:
„Frau Johannsdottir, ich muß nun mal die übliche Routine einhalten. Gerade nach solch einem Vorfall! Alles, was ich tun kann, ist, vorab eine entsprechende Freigabe zu formulieren, die in 48 Stunden in Kraft tritt, sodass der nächsten Mission nichts im Wege steht. Auch wenn ich das nicht für sinnvoll halte. Und das Angebot zur Gesprächstherapie legen sie ihm bitte auch noch einmal nahe! Idealerweise zusammen mit Mrs. Miller. Die regelmäßigen Kontrolltermine sind außerdem obligatorisch! Auf Wiederhören!…

Währenddessen…

Das Gespräch zwischen Zoe und Negative war noch nicht über eine lange Umarmung, zwei Minuten Schweigen und einem kurzen Abriss der Vorfälle während der Mission hinausgekommen, da klopfte es an der Kabinentüre und der Elf kam sichtlich verstört mit einem Paket voller graubrauner Bananen zurück. Er hielt mit einem Kopfschütteln Zoe die Karte von Brick hin. „Dann gibt es wohl heute abend Roasted Plantain. Hoffentlich ist noch irgendwo ne Makrele, Chilischoten und Zwiebeln aufzutreiben…
…Zoe, was immer Du denkst, hier sind Dinge passiert, die mir neu sind, obwohl das schon sieben Jahre her sind. Du hast für mich Türen aufgemacht – auch wenn der Preis hoch ist, wenn ich Dich so sehe. Die Johannsdottir hat alles dokumentiert, und ich werde mir das zusammen mit ihr beizeiten durchdenken…
… Ich hätte mir auch nicht träumen lassen, dass ich so optimistisch aus der Sache rausgehe. Technologischer Irrsinn, psychologischer dazu, für alle Beteiligten, gesellschaftlich obendrein…
…natürlich will ich weitermachen. Was du sagst, klingt doch, als würde die Sache so langsam auf ihren Höhepunkt zusteuern. Ich werde sehen, dass ich mich zügig mit diesem Psychologen unterhalte. Ich muß ja meine Diensttauglichkeit wieder erlangen…

 

 

Back in Black

Drei Tage nach dem SimSense-Vorfall. Sigrid Johannsdottir hatte vor 40 Stunden entscheiden, davon abzusehen, ihren Kollegen einzufliegen; und hatte die Angelegenheit selbst in Händen behalten. Zwischenzeitlich war sie sich ihrer Sache nicht immer sicher, mehrfach griff sie ein in die Gedankenwelten des Elfen, und es gelang ihr, die Gedankenwelt so zu manipulieren, dass die wirren Erinnerungen an drogengeschwängerte Szenen, Elend, roter Sand und Gewalt nicht die Oberhand gewinnen konnten. Mehrfach konnte sie erahnen, was wohl vor sieben Jahren in Namibia vorgefallen war, einen rechten Reim konnte sie sich aber darauf nicht machen. Besonders die offenbar sporadisch auftretenden Aggressionsschübe und die oft vorher und nachher auftretende Verzweiflung machten die Gefühlswelt kaum einzuordnen. Ganz offenbar aber war Negative in einer Spirale von Gewalt gefangen, viele wie übersteuert wirkende Kampfszenen belegten. Die Trollin lies es sich nicht nehmen, alle Eindrücke zu dokumentieren, zum einen aus Sorge, Negative blieb in seinem Gedankengebäude gefangen, zum anderen aus rein wissenschaftlichem Interesse; diese Situation war nun einmal einzigartig. 

Doch jetzt schlug Negative mit einem Mal die Augen auf und unterbrach damit die Gedanken von Johannsdottir. Desorientiert blickt er sich um. „Wie spät ist es? Wie lange war ich weg?“. „41 Stunden und 14 Minuten“ antwortete sie ruhig und setzte sich neben die Krankenliege. „Freut mich, dass Du wieder hier bist! Bleib ruhig liegen, Du bist hier sicher.“ Sie hält ihm einen Becher Wasser hin und beobachtet ihn scharf. „Was ist das letzte, an das Du Dich erinnerst?“. Der Elf hält inne und überlegt: „Es fühlt sich an wie zweigeteilt. Zum einen die Erinnerung an die Situation im Vorschiff mit den anderen, wie Zoe die Maschinerie anwirft. Diese Erinnerung endet abrupt. Dann erinnere ich mich an die Manipulationen per SimSense. Es war, als würde man sich in einem Museum mit einem fremden Führer seine eigene Erinnerungen anschaut. Man öffnet zwar die Türen zu den Räumen, aber was zu erfahren ist, auf das hat man nicht mehr so direkten Zugriff mehr, wie man es gewohnt ist von seinen eigenen Erinnerungen. Im Nachhinein unschön, dieses Gefühl. Aber…“ Er lässt den Blick über die Utensilien in Johannsdottirs Büro schweifen. Seine Augen bleiben an einem offen daliegenden Notizbuch hängen…“ Aber warum bin ich hier? Was hast Du damit überhaupt zu tun? Du warst bei mir, nicht wahr? Was weißt du alles? Vermutlich mehr als ich! Schließlich ist bei mir von den drei Monaten in Gefangenschaft nur noch Fetzen übrig. Steht darin was?“ Er deutet auf das Notizbuch. „Ich möchte das lesen! Später! Jetzt möchte ich mit Zoe reden! Wie geht es ihr? Ist sie bei Bewußtsein? War sie bei der Mission dabei? Wie ging das Ganze aus? Ansonsten sollten wir weiter zusammenarbeiten, denke ich…“ und umarmt gerührt die Trollin.

Erklärung zur Diensttauglichkeit von Z. Miller und P. Boucard – SFG 77

Nach eingehender Untersuchung komme ich hier zu folgender Einschätzung: bedingt durch den Einsatz einer neuen SimSense-Technologie lösten sich bei P. Boucard durch BTL extrem verstärkte Eindrücke und führten zu einer schweren Synkope mit anschließenden schwere Halluzinationen. Diese beziehen sich auf offenbar traumatisch empfundene Geschehnisse vor etwa sieben Jahren.
…
Deshalb erkläre ich hiermit P. Boucard für vorläufig nicht diensttauglich. Eine Einschätzung zum Outcome kann zum derzeit nicht getroffen werden. Eine medikamentöse Behandlung ist möglich, wird aber nicht empfohlen, stattdessen könnte der Patient per Fernbehandlung am Dienstort betreut werden. Nächste Abschätzung erfolgt in 7 Tagen.

Für Z. Miller sind nach überstandener Synkope keine weiteren Einschränkungen zu erwarten.

MfG
Dr. med Dr. rer nat DeVries
Psychologe – AIM medical section

ZOE LÄSST NICHT LOCKER – TEIL 5

… Eine Garbe aus einer automatischen Waffe verwandelt die Frontscheibe in Millionen Splitter. Hinter einem der beigen Felsbrocken in dieser Wüste flackern unregelmäßig zwei Mündungsfeuer. Im Rückspiegel tauchen mehrere Jeeps auf. Aus den Seitenfenstern fallen Schüsse auf das hintere Begleitfahrzeug. Der Blick zuckt rüber zum Fahrer, aber sein Kopf besteht nur noch aus Unterkiefer, der Rest verteilt sich auf der blau-rot-grünen Flagge hinter dem Sitz. Negative reißt eine MP hoch und erwidert das Feuer, die vertraute Optik einer SmartGun-Verbindung wischt über mehrere uniformierte Gegner, die mit Motorrädern durch die Steinwüste fegen. Langsam neigt sich aber die Sicht in einem unnatürlichen Winkel, und der Straßengraben erscheint von oben ins Bild… Als die Schwärze weicht, fällt der Blick in 4 Mündungen. Ein Gewehrkolben beendet die Szene erneut.

Die Ansicht zerfällt plötzlich in ein Zucken aus brennender Autoreifen, blutigem Fleisch, Schreien… Zoe bricht der Schweiß aus, und sie versucht sich zu bewegen… aber die Darstellung fällt direkt in eine grellbunte Welt aus wirbelnden Farben, Klängen, Schreien. Eine Horde finstere, blutiger Gestallten wirft sich auf Negative, schwarze, verkohlte Leiber, gelb glühende Augen, so viele Augen…Dann schwingt er seinen Knobkierie und die Kreaturen fliegen auseinander wie ein haufen Laub, Blut spritz, fetzen von Haut und Knochen verglühen, die nächste Welle kommt, wieder schwingt er den Knüppel, mehr Blut, mehr… BLUT… BLUT…BLUT…

 

Zoe zuckt auf den roten Ausschalter, aber offenbar zu spät. Sowohl sie als auch Negative fallen bewußtlos von den Sesseln.

 

ZOE LÄSST NICHT LOCKER – TEIL 4

Der Raum im Vorschiff war mit allen nötigen Equipment ausgestattet, darunter auch einer Sitzecke (woher Negative die hatte auftreiben können, war einmal mehr unklar) um einen Trideo-Schirm inkl. Lautsprecher. Daneben die SimSense-Einrichtung mit bequemen Sesseln für Negative und Zoe.

Eine kurze Diskussion entbrennt um die Vorgehensweise, aber man einigt sich darauf, dass das Experiment den größten Sinn hat, wenn Zoe versucht, Erlebnisse von vor sieben Jahren zu erkennen. Negative an Zoe: „Ich hab Dir ja erzählt, wo ich vor der AIM war. Finde doch raus, wo und für wen ich gearbeitet habe. Das passt von der Zeit sehr gut. Einen Aufhänger habe ich nicht, aber jetzt, da ich weiß, was Du sehen willst, ist es sicher nicht zu tief vergraben“

Die Prozedur beginnt – und ist zunächst reichlich unspektakulär. Auf dem Bildschirm sind zuerst undeutlich, dann immer klarer zuerst einzelne unzusammenhängende, dann immer flüssigere Szenen zu sehen. Ganz offensichtlich spielt sich alles in Afrika ab.

… die erste Szene spielt sich an einem Strand ab. Etwa 10 ausschließlich dunkelhäutige Menschen und Metamenschen auf ihren Surfbretten zeichnen sich gut gegen den Sonnenuntergang ab, während die Perspektive auf eine kleine Bar am Strand schwenkt, wo einige trainierte Männer und Frauen unterschiedlicher Herkunft gesellig beisammen sitzen. Zoe wird später von den deutlich erinnerten Gerüchen von Lagerfeuer, Rum und Marihuana berichten, aber auch von einer Grundanspannung, die Negative damals gefühlt hat…

… ein starkes Ruckeln und Beben bestimmt die nächste Szene. Draußen gleist die Sonne, Negative gegenüber sitzen vier Bewaffnete in beiger Kampfmontur ohne Abzeichen und kontrollieren ihre Ausrüstung. Man sitzt auf der Landefläche eines PickUps, die karge Landschaft rauscht vorbei. An einer Weggabelung ist ein Schild zu erkennen, aber erst, als sich Zoe sichtlich anstrengt, wird die Aufschrift sichtbar: „DeBeers Omnitech – Mining Range – 15 miles“. Der Staub brennt in den Augen…

… die Dunkelheit ist undurchdringlich, Negatives Gefühl aber ist absolute Langeweile. Offenbar auf Kontrollgang passiert er mehrere Baracken, dann Unterstände, wo im Scheinwerferlicht Maschinen und LKW gewartet werden. Im Hintergrund werden Gegenstände verladen. Auch hier strengt sich Zoe sichtlich an und kann ein Gespräch erlauschen. „Die Vorkommen sind offenbar bald erschöpft. Ich gebe das nach oben weiter.“ erklärt eine weibliche Stimme nüchtern. Eine männliche Stimme gibt zurück:“ die magische Analyse bestätigt das. Kein Orichalkum mehr hier. Es wird Zeit, aus dieser verdammten Wüste rauszukommen. Am besten mit dem Zeug“. Ein kurzer Gruß auf Afrikaans geht zu seiner Ablöse, der ihm neben einer Flasche auch einen kleinen Datenchip zusteckt…

… wieder in einem Fahrzeug, jetzt aber im Führerhaus eines schweren Lastwagens. Aus dem Radio tönt laut Reggae, der schwarze Fahrer wiegt sich im Rhythmus und ignoriert die Hinweise von Negative, er solle auf die verdammte Strasse achten…

 

tbc…

 

ZOE LÄSST NICHT LOCKER – TEIL 3

Nachdenklich sieht Negative die Türe ins Schloss fallen. Er wendet sich hinüber zu seinem kleinen Schrein, wo über dem sorgsam gepflegten Bonsai-Baobab der Anhänger von Kakuve liegt. „Das hätte Dir auch gefallen, was!? Aber wenn schon jemand in meinen Kopf steigt, dann doch besser jemand, der nicht im Sinn hat, mich zu belehren und zu bevormunden, oder?!“  murmelt er leise zu dem alten Schmuckstück.

 

Am nächsten Morgen in der Bordkantine sitzt die SFG 77 zusammen an einem der Hartplast-Tische. Der Soykaff dampft und es herrscht betriebsame Atmosphäre, sowohl im Schiff als auch in der Runde, wo verschieden Details des in Kürze anstehenden Einsatzes diskutiert werden.

Zoe blickt des Öfteren verstohlen in die Runde; aber erst, als sich Norge und Brick schon zum Aufbruch wenden, bricht Negative das Schweigen: „Ich habs mir überlegt! Ich stell mich zur Verfügung; Zoe kann mich als Versuchskaninchen haben. Auch wenn mich der Pathos anwidert, der so ne Aussage unweigerlich mitbringt: wenn schon, dann mit euch! Heute Abend 2200. Ich mach nen Raum im Vorschiff klar, da haben wir unsere Ruhe.“ Er blickt in teils ernste, teils erstaunte Augen; schließlich wußte keiner so recht, wie der undurchsichtige Elf zu bitten oder gar drängen sei. Regicide bricht das Schweigen: „Wenn Du das von Dir aus anbietest, ist das sicher interessant, oder Zoe? Sollen wir dabei sein?“