Dies ist ein Exklusivbeitrag aus der Corporate Court Embassy Teheran. Heute, am späten Nachmittag des 09. Oktober 2073, gab die Corporate Court Matrix Authority (CCMA) bekannt, dass man Sanktionen gegen das westafrikanische Dahomey anstrengen werde. Erwartet werden Blockaden ausgewählter Bereiche der Matrix sowie empfindliche Strafzahlungen für eine Verletzung der Zensurregularien des CCMA. Darüber hinaus hat sich aus dem Kreis der Afrikanische Union (AU) eine Allianz von Staaten zusammengefunden, die Dahomey eine Seeblockade angekündigt hat. Wir sprechen nun mit Jacqueline Walters, CEO der Association Internationale des Mercenaires (AIM). Ihr Unternehmen betreibt seit 2069 die maritimen Streitkräfte für Dahomey.
Alana Mourad: Miss Walters, sie haben heute Abend den Außenminister von Dahomey zu einer Anhörung hier in den CC Matrix Towers Teheran begleitet. Was können Sie uns sagen?
Jacqueline Walters: Die CCMA hat deutlich gemacht, dass sie die Einschränkungen des Seehandels an den afrikanischen Küsten nicht unterstützt und Seeblockaden als keine adäquate Reaktion auf Fristversäumnisse in Dahomey einschätzt.
AM: Dieses „Fristversäumnis“, wie sie es nennen, bezieht sich auf einen Verstoß gegen die internationalen Vereinbarungen gegen Matrixzensur. Demnach hat Dahomey nachweislich seit spätestens dem 27. September dieses Jahres in der Region um den Tawani-See, und später auch im ganzen Land, einen sogenannten Matrix Cencorship Host aktiviert. Ein unerhörtes Vorgehen, das streng geahndet wird und die Welt in Empörung versetzt. Immer mehr Hinweise verdichten sich, dass damit staatliche Gewaltakte gegen die Bevölkerung verschleiert werden sollen.
JW: Der Vorwurf der Verletzung von Völkerrecht ist von Seiten Nigerias und unbestätigten Quellen erhoben worden. Eindeutige Beweise liegen nicht vor. Insofern können die „Hinweise“ nicht adäquat eingeordnet werden. AIM steht zu seinen Kunden und geht hier ganz klar von der Unschuldsvermutung aus. Nichtsdestotrotz drängen wir unseren Partner Dahomey zu einer umfangreichen und schnellen Aufklärung der Sachlage um den Tawani-See.
AM: Die Unschuldsvermutung mag zwar ein edler Grundsatz sein, aber warum verweigert sich Dahomey entgegen jeder ersichtlichen Vernunft einer Kooperation und lässt internationale Inspektoren nicht ins Land? Und das in Zeiten kommunaler Wahlen!? Warum wird ohne Sachbgeründung an der Matrixzensur festgehalten? Haben sie dem Außenminister diese Fragen nicht gestellt?
JW: Wir sehen hier als Sicherheitsdienstleister mit klar umgrenzten Ressort davon ab, uns in die Angelegenheiten des Landes einzumischen, bei denen wir keine Verantwortung übertragen bekommen haben. Die innere Sicherheit und der Grenzschutz sind nicht das Aufgabengebiet von AIM in Dahomey. Wir haben derzeit keinerlei Personal auf dem Festland im Einsatz und sind in keinster Weise in die Vorgänge am Tawani-See eingebunden.
AM: Denken sie nicht, dass…
JW: Wofür wir jedoch die volle Verantwortung übernehmen, ist die Sicherheit der Handelsströme entlang der Küstenlinien und in den Häfen Dahomeys. Die maritime Sicherheit betrifft Import- und Exportströme von globalen Ausmaßen und die wirtschaftlichen Interessen weltweit wären betroffen, wollte man eine militärische Isolierung der Seewege von und nach Dahomey ernstlich erwägen. Die Forderung eines Teils der Afrikanischen Union kann daher nur als eine opportunistische Provokation verstanden werden. Insbesondere, wenn man sich die Liste der Mitgliedsstaaten anschaut, die sich dieser Initiative angeschlossen haben. Wir sehen hier einen unverholenen Versuch, die Aktienstärke und die Attraktivität Dahomeys am Weltmarkt mit relativ plumper Methode zu schwächen – zum eigenen, vermeintlichen Wirtschaftsvorteil.
AM: Das heißt also, sie stehen für Dahomey im Falle einer Seeblockade ein, trotz eventueller innenpolitischer Desaster – bis hin zu Greueltaten? Wie können sie das mit dem hohen Anspruch, den ihr Unternehmen vorgibt, vereinbaren?
JW: Es wurden keine Greueltaten nachgewiesen und die Begründung der innenpolitischen – wie ich natürlich gesetehen muss: drastischen – Maßnahmen, stehen noch aus. Ich werde also unsere Partner in Dahomey nicht verurteilen. Vielmehr habe ich dem Außenminister gesagt, dass wir unsere volle Unterstützung anbieten, wenn es eine innenpolitische Lage gibt, derer Dahomey nicht Herr wird…
AM: Das bedeutet letztendlich doch, Miss Walters, dass sie nicht eingebunden sind, in das, was wirklich vorgeht, oder nicht? Sie haben keine Ahnung?
JW: Wie ich sagte, schützen wir den weltweiten Handelsstrom auf dem Seeweg von und zu Dahomey. Dies ist unsere operative Priorität. Wir können nicht in staatliche Angelegenheiten eingreifen, für die wir kein Mandat besitzen…
AM: Vierzehnhundert Verletzte, Miss Walters. Bei einer friedlichen Protestkundgebung vor der Matrix Authority in Moskuwa, benötigten vierzehnhundert Metamenschen ärztliche Hilfe, nachdem sie unter sengender Hitze in einer „Stummen Wacht“ bis in die Bewusstlosigkeit ausgeharrt hatten. Sie forderten eine Stellungnahme ihrer Regierung, doch Parlament und Regierung in Lome schwiegen. Die politische Opposition prangert an und fordert Aufklärung, doch konnte keinerlei demokratische Rechtsmittel zur Anwendung gebracht werden. Wie können sie das mit der Unschuldsvermutung vereinbaren?
JW: Ich habe dem Außenminister unsere Betroffenheit bezüglich dieses Vorfalls zum Ausdruck gebracht. Persönlich hat mich diese „Stumme Wacht“ sehr betroffen gemacht und ich empfinde größtes Mitgefühl für die Betroffenen. Dass der Protest friedlich verlief, dass er in den öffentlichen Medien berichtet wurde und es solide und schnelle, ärztliche Hilfe für alle Betroffenen gab, spricht für mich dafür, dass Dahomey an einer Lösung seiner Probleme arbeitet.
AM: Sie fürchten also nicht einen Rufverlust? AIM als Schutzmacht eines Unrechtstaates? Sehen sie nicht die Gefahr, dass es sich so entwickeln könnte?
JW: Die jüngere Geschichte Dahomeys ist für mich ein sehr starker Beleg dafür, dass dieses Land, ihre Bevökerung und ihre Politik einen Vertrauensvorschuss verdienen. Wir sprechen über eines der fortschrittlichsten und demokratischsten Länder der Welt. Ich bin überzeugt, dass sich diese Krise überwinden lassen wird.
AM: Wo wäre für sie der Punkt, an dem sie sich von Dahomey abwenden würden? Würden sie die Sicherheitsdienstleistungen beenden, wenn es in Dahomey zu Gewaltakten gegen die eigene Bevölkerung gekommen ist?
JW: Auf diese hypothetische Frage werde ich nicht antworten. Wir haben unseren Partnern unsere Hilfe angeboten und stehen loyal in Sachen Handelsfreiheit zur Seite.
Alana Mourad für den Pan-Asian Observer, Corporate Court Embassy Teheran