Pazifikkonflikt beendet

Wir berichten life aus Hong Kong. Vor nicht ganz zwei Stunden traten Vertreter aller Parteien im Pazifikkonflikt gemeinsam vor laufende Kameras und haben überraschend einen Durchbruch in den Friedensverhandlungen verkündet. Ab Mitternacht werden alle kriegerischen Handlungen sowie Reisebeschränkungen, Sanktionen und Strafzölle zwischen dem Japanischen Consortium und der Cantonesischen Allianz aufgehoben. Dieser verblüffende Schritt macht seitdem die Runde um die Welt. Die Blockade der Schiffahrtswege am Chinesischen Meer, die großzügigen Flugverbotszonen über den Arcologies der Yutani Corporation und die Ausreisesperre für japanische Konzernangehörige in Beijing wurden bereits aufgehoben. Wir sprachen eben mit Jacqueline Walters, CEO der Association Internationale des Mercenaires, die eine der Konfliktparteien in der Verkündung vertrat.

Perry Anderson (PA): Miss Walters, vielen Dank für die Gelegenheit zu einem exklusiven Gespräch.

Jacqueline Walters (JW): Sehr gerne.

PA: Es ist unglaublich. Vor etwa 18 Monaten hatten wir Gelegenheit anlässlich der Konferenz für Rohstoffhandel im Pazifikraum zu sprechen. Damals haben sie von der Piorität der Friedenssicherung bei Ressourcenkonflikten gesprochen und ihr Unternehmen in den Dienst der Ansprüche Japans gestellt. Haben sie damals geahnt, dass es zu einem militärischen Schlagabtausch diesen Ausmaßes kommen würde?

JW: Die militärische Führung von AIM, der wir viele vorausschauende Manöver und einen kühlen Kopf in diesem Konflikt verdanken, hat mit diesem Szenario kalkuliert. Ich persönlich habe damals nicht an eine solche Eskalation glauben wollen, nein.

PA: War es die Sache wert?

JW: Ich glaube, es wäre viel Leid vermeidbar gewesen, aber die politische und historische Situation hat uns die militärische Eskalation leider nicht erspart.

PA: Hat AIM also in ihrem Anspruch auf Friedenssicherung versagt?

JW: Nein. Wir haben stets die Minimierung von Verlusten verfolgt und unablässlich auf einen raschen Friedensschluss gedrängt. Die Tatsache, dass die Welt heute vom Ende des Pazifikkonflikts überrascht worden ist zeigt ja, dass wir entgegen pessimistischen Prophezeihungen hart und sehr diskret verhandelt haben.

PA: Welche Rolle spielt AIM bei diesem Friedensschluss also?

JW: Wir haben der chinesischen Aggression militärischen Ausgleich entgegengehalten und eine faire Verhandlungsführung ersteinmal sinnvoll und möglich gemacht. Unsere Partner haben uns außerdem in politischen Belangen allzeit konsultiert und wir haben durch unsere spezielle Expertise Schlüsselerfolge gesichert.

PA: Sie sprechen von der Befreiung von Frederic Denton aus chinesischer Gefangenschaft in Kapstadt?

JW: Das war sicherlich ein wichtiger Beitrag, ja. Letztlich war es aber die Beharrlichkeit der Verhandlungen, die uns zum Erfolg brachten.

PA: Können sie etwas mehr dazu sagen, worin der politische Sinneswandel der COC begründet liegt? Ein militärischer Sieg war es ja nicht!

JW: Frederic Denton hat uns mit seinen Zeugenaussagen dabei geholfen, die Sorgen der kantonesischen Partner besser zu verstehen. Das indonesische Außenministerium hat daraufhin einen klugen und fairen 5-Jahresplan vorgelegt, der es allen Pazifikstaaten erlaubt, von den Entdeckungen und Forschungserträgen der Yutani Corporation zu profitieren. Der Corporate Court hat ja angemahnt, dass ein globaler Interessenausgleich in Bezug auf natürliche Ressourcen wichtig ist, man dabei das Vorrecht der Entdeckung, des Patents und der Urheberschaft nicht ignorieren darf. Und das liegt bei der Yutani Corporation. Daher hat auch deren Politikwandel und die damit einhergehende Öffnung des Zugangs zu Etusan III und dessen Forschungserträgen dazu beigetragen, dass die COC neues Vertrauen schöpfen konnte. Uns alle eint letztlich der Wunsch nach Wachstum, Frieden und eine gemeinsam gestaltete Zukunft. Schlussendlich sind wir daher auch zuversichtlich, dass der Corporate Court der regionalen Unternehmensvereinbarungen nach Vorlage Indonesiens zustimmen wird.

PA: Wie wird es für AIM nun weitergehen?

JW: Wir haben ausgeharrt, an die Diplomatie geglaubt, militärisch entschlossen reagiert und auch Verluste erlitten. Wir werden unsere Bewegungen im Pazifikraum nun mit den chinesischen Partnern abstimmen und die Mobilisierung zurückfahren. Das gilt insbesondere für Mikronesien und Avar, für die AIM maßgeblich die militärische Logistik verwaltet hat. Die Task Force Blue Shark wird voraussichtlich im Juli aufgelöst werden.

PA: Sie machen also ernst mit dem Frieden.

JW: Selbstverständlich. Im weiteren Verlauf haben wir mit der Yutani Corporation vereinbart, dass wir die Anlagensicherheit für Etusan III weltweit prüfen und in Zukunft nach unseren Kapazitäten übernehmen werden. Das betrifft alle klassischen Servicebereiche: Betriebssicherheit, Sabotage- und Spionageabwehr sowie Arbeitsschutz.

PA: Eine Art Belohnung für gute Dienste?

JW: Eher nüchterne Sachgründe und ganzheitliches Denken. Im Zuge des Pazifikkonflikts hat AIM sich intensiv mit Etusan III, dessen Risiken und den Herausforderungen eines angemessenen Risikomanagements beschäftigen müssen. Zentrale Anlagen wurden durch unser Personal besichtigt und auf Sicherheitsdefizite hin untersucht. Wir wollen das sehr gute Vertrauensverhältnis zwischen AIM und der Yutani Corporation auch in Zukunft ausbauen.

PA: Ich verstehe. Es ist wohl nachvollziehbar, dass die Pazifikkrise zusammengeschweißt hat. Man wird abwarten müssen, ob es bei der Yutani Corporation weiterhin bei einer stabilen und konsistenten Politik bleibt, immerhin steht mit der jungen Miss Yutani Veränderung ins Haus. – Viele internationale Unternehmen werden AIM nach dieser schlagkräftigen Zurschaustellung militärischer Gewalt in den nächsten Monaten sehr genau beobachten. Wo wendet sich AIM, wo wenden sie sich als nächstes hin? Wird dort dann der nächste Brand ausbrechen?

JW: (lacht) Meine Dienstreisen sind zu 99% Vorboten von Friedensbemühungen und Rechtsschutz. Ich denke nicht, dass man aus meinem Arbeitskalender auf globale Krisen schließen sollte, nein. Der Pazifikkonflikt war in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme. Das Regelgeschäft von AIM findet weltweit, jeden einzelnen Tag statt. Jenseits der schillernden Schiffe der AIM Flotte tragen tausende von Metamenschen den Schmetterling mit Stolz auf der Arbeit in Büros, Fabriken und öffentlichen Einrichtungen. Sie gehören ebenso zum Rückgrat unseres Unternehmens.

PA: Dann bedanke ich mich für das interessante Gespräch und ihre wertvolle Zeit. Ich wünsche ihnen viel Erfolg bei der Abwicklung des anbrechenden Friedens im Pazifik.

JW: Ich danke ihnen sehr herzlich. Danke.

Washington Post, 07. April 2073