Archiv der Kategorie: Interner Chat

Wir müssen uns auch überlegen mit welchen SIN die Operation stattfinden soll. Da es die Verhandlungen offiziell nicht gibt, sollten wir möglichst unter dem Radar bleiben. Oder sind unsere Alternativ-SIN zu wertvoll um sie für diesen Zweck zu verwenden? Verbinden uns die Unterhändler bereits mit unseren echten Namen?

Eine Klärung der wichtigsten Rahmendaten zeigt, dass Zoé recht na dran war, am aktuellen Stand der Dinge. Als sich Zoé positiv zurückmeldet und weitere Details fordert, wird Customer Agent Daisuke Hiku dem Team zugeteilt. Das Ganze bekommt sofort einen viel offizielleren Charakter. Man kann förmlich merken, wie die SFG 77 aus den Schatten wieder ans Licht gleitet – sofern man Licht als schäbiges Grau definiert. Jedenfalls scheint sich niemand daran zu erinnern, dass bei Operation Kimono so ca. eine Woche Zeit verschwunden ist. Details werden über Trideo-Chat mit Daisuke Hiku persönlich besprochen. Kein Wort über die Kappa YC, ein Suborbital oder Beijing.

Dem SFG 77 ist es an den groben Eckpfeilern gelegen, das merkt der gealterte aber geistesscharfe Customer Agent recht schnell. Entsprechend liefert er Antworten auf die dringendsten Fragen. Er wirkt dabei souverän und entscheidungsbefugt. Ein beruhigendes Gefühl, nach den ganzen Alleingängen?.

Schon vor dem Auftakt von Operation Kimono hatte CPT Uzun mitgeteilt, dass es Berichte über Unterhändler anderer Staaten gebe, die man ähnlich nebulös kontaktiert hatte wie AIM. Das scheint sich zu bewahrheiten. Drei Unterhändler für Japan Imperial State (JIS), Indonesien (IDS) und die Yutani Corporation (YC) stehen in Hong Kong seit einigen Tagen bereit.

Frederic Denton gelang nach Operation Whiplash die Flucht aus Kinto. Man versuchte ihn in Manila festzunehmen, doch das gelang nicht, weil die Behörden nicht kooperierten. Nach kurzem Transit floh er nach Abu Dhabi, wo man ihm jedoch die Einreise nicht gewährte. Das Reich Azania war weniger wählerisch und so endete er in Kapstadt. Daisuke Hiku betont, dass Mr. Denton Kapstadt scheinbar als Notlösung gesehen hat und Fluchtorte im Einfluss der Cantonese Confederation (COC) gar nicht erst in Erwägung zog.

Im Moment gilt Frederic Denton für JIS, IDS und ein paar andere Staaten als dringend Tatverdächtiger. Ein internationaler Haftbefehl liegt aber nicht vor. Der Mann ist also im Großen und Ganzen juristisch nicht verfolgt, wird aber von einer kleinen Gruppe von Staaten gesucht. Außer durch milden politischen Druck auf Kapstadt, ist bisher weiter nichts versucht worden. Es gab einen kurzen Trideo-Chat, in dem Denton erklärt wurde, was man ihm vorwirft und er bestritten hat, die Tatbestände zu erfüllen. Das war letztlich eine Formalität für beide Seiten. Ein Verlesen von Statements mit einem Anwalt daneben. Eine Kontaktaufnahme ist jederzeit möglich. Es ist bekannt, wo er sich aufhält und wie man ihn erreichen kann. Bisher wusste man jedoch noch nichts mit Frederic Denton weiter anzufangen. Die Aufarbeitung von Kinto (Operation Whiplash) wird absehbar noch Monate dauern.

Daisuke Hiku berichtet, dass man Frederic Denton auf den Vorschlag von Zoé Miller beziehungsweise Bazut Morellè hin bereits kontaktiert hat und sich eine geeignete Option abzeichnet. Die Unterhändler suchen Frederic Denton in Kapstadt auf. Der Customer Agent bemerkt hier scharfsinnig, dass Denton sich mutmaßlich bereits am für ihn bestmöglichen Ort aufhält, was das Thema eines neutralen Ortes gar nicht wirklich aufkommen ließ. Da es hier um Vorverhandlungen geht und niemand einen Koffer voll Gold bei sich trägt, haben die Unterhändler auch keine Bedenken dem Wunschort Kapstadt nachzukommen.

In diesem Sinne aktualisiert Daisuke Hiku die Missionsparameter für Operation Kimono: die drei Unterhändler in Hong Kong einsammeln und dann nach Kapstadt fliegen, um Frederic Denton zu treffen.

Eine Zusammenführung etwaiger „versprengter Ausrüstung“ sowie der weitere Transport wird natürlich übernommen. Da es sich bei Kapstadt um eine zivilisierte, moderne Metropole handelt, wird ein Treffpunkt wahrscheinlich in einem Hotel oder in einem öffentlichen Gebäude stattfinden können (wenn Azania hier eine offizielle Rolle spielen möchte).

Nachtrag: von den damaligen vier Zielpersonen aus Operation Whiplash befinden sich Mesuko Tari und Helen Brightwater in einer Haftanstalt in Tokyo. Claudine Montbruillards Aufenthalt ist seit Abu Dhabi unbekannt. Frederic Denton ist – natürlich – in Kapstadt.

Chillen sie ihr Gesicht. Brick packt den Zettel aus einem Glückskeks wieder weg, von dem er das abgelesen hat.

Selbstverständlich brauchen wir erstmal tiefergehende Informationen zum Treffen. Wenn wir da von je einem Abgesandten reden, von 4 Parteien, hat sich ja für uns nichts geändert. Sehen wir mal wo das hin führt. Reden wir aber von 20 Typen, die tagelang verhandeln wollen, gebe ich dir Recht. Warten wir einfach auf die nötigen Informationen.

 

Norge ruckt im Sessel auf bei Zoes Worten.

Immer langsam Zoe. Die Aufgabe war für die Sicherheit der Verhandlungsführer von Yutani zu sorgen. Wenn wir für die Sicherheit aller Teilnehmer sorgen müssen, brauchen wir mehr Zeit, 50 zuverlässige Leute und vor allem eine vorbereitete Umgebung. Und bevor das nun abgestimmt wird, wenn die Parameter der Operation dahingehend abgeändert werden, steige ich aus.

Nun Vorgaben und Wünsche sind in der Tat im Moment spärlich, aber die Rückmeldung vom Yutani Customer Support auf unsere Initiative fand ich dennoch klar genug. Der Vorschlag, Frederic Denton als Unterhandlungspartner zu akquirieren stieß bei der Yutani offenbar auf Resonanz. Die digitale Kundenauskunft hatte uns Dentons Aufenthaltsort mitgeteilt. Das Missionsziel ist für mich daher klar; Frederic Denton mit einer Gruppe von Unterhändlern aus Japan und anderen Staaten zusammenzubringen, die sich bereits verfügbar hält. So war die Aussage von Yutani. Unser Primäres Ziel wäre dabei die Sicherheit des Treffens sowie die Unversehrtheit aller Beteiligten zu garantieren.

Ich sehe unsere Aufgabe also zunächst darin Denton ausfindig zu machen und ein erstes Gespräch mit ihm zu führen, das wenn er bereit ist, dann in ein weiteres mit den Unterhändlern führen soll.

Die Yutani Corporation muss uns dabei sagen wie sie uns bei dem Vorhaben finanziell beziehungsweise mit Material unterstützen kann.

Noch bevor die Chance ist in aktion zu verfallen, hält Régicit die anderen zurück:
„Mes Amies. Meine Einschätzung der Situation ist ein wenig anders als die eure!
Es gibt keine Vorgaben, keine Wünsch von einer oder der anderen Seite, da es noch nicht mal Seiten gibt. Denton hält sich zu Zeit wohl in Kapstadt auf. Dort müssten wir ihn erst einmal finden, dann mit ihm sprechen und in dann noch überzeugen das er an einem eventuellen Gespräch teil nimmt. Wenn wir das nicht schaffen, endet Op. Kimono!
Um das zu bewerkstelligen brauchen wir Geld. Entweder YC stellt uns einen Creditrahmen zur Verfügung…250.000NY scheinen angemessen, oder Kimono endet sofort. 250K ist für YC ein Handgeld, sollte aber für uns ausreichen um Transport, Ausrüstung, Unterkunft und Kontrakte zu bezahlen.
Also Ersten muss YC Farbe bekennen und für die Kosten aufkommen. Zweitens müssen sie ein Unterhändlerteam zusammenstellen und nach Kapstadt senden. Wenn keine Kontakt zu standen kommt, fliegen die halt unverrichteter Dinge wieder heim. Drittens müssen wir nach Kapstadt und Denton ausfindig machen. Solle diese gelingen und Er einwilligen, können wir dann Viertens einen geeigneten Unterhandlungsort ausfindig machen und die nötigen Vorkehrungen für Geheimhaltung & Sicherheit treffen.
Ich persönlich bin nicht bereit auf Wünsche, Befindlichkeiten und Vorlieben von Außen einzugehen. Entweder das läuft nun so wie wir wollen oder wir machen unsere eigenen Dinge, fliegen nach Jakarta, kassieren Owens Kopfgeld und dann ab nach Hause.“

Es ist klar, das er es ernst meint. Régicit hat keine Lust auf die Weiterführung von Kimono, es ist einzig und allein Pflichtbewusstsein das ihn dazu treibt. Wenn er die Situation nach Meinung der anderen falsch einschätzt, sollte man in schnell und glaubwürdig davon überzeugen.
„Wenn YC noch mehr Informationen zu Denton hat, also mehr als eine geographisches Datum, sollen sie damit ebenfalls herausrücken. Des weiteren würde ich noch einmal den Vorschlag machen das man die beiden Anderen, die wir während Wipelash hochgenommen haben, mitbringt und wieder auf freien Fuss setzt, als Geste des guten Willens. Perfekt wäre es wenn wir diese schon zu einem ersten Treffen mit Denton mitbringen könneten, das mag aber logistische herausfordernd sein“
Er blickt in die Runde, trink Espresso, blickt erneut:
„Meinungen, Gegenvorschläge, Ergänzungen?“

Brick schaut nachdenklich in die Runde…
Dann ist es also beschlossene Sache. Wir glänzen weiter in unserem ursprünglichen Auftrag. Personenschutz bei Geheimverhandlungen.
Owens Tochter wird observiert von einer externen Person, Negative kümmert sich drum. Daran können wir später anknüpfen.
Die Amtsgeschäfte auf der Shigeruu müssen noch etwas warten.
Zoe, frag beim Cust.Supp. an, ob die auf einem bestimmten Ort bestehen, das Gleiche bei Denton. Wenn beide Nein, bestimmen wir einen neutralen Ort. Ausrüstungsanfragen müssen warten, bis wir den Ort haben. das Grandhotel Mexico-City ist sicher was anderes als die Wüste Gobi.
Norge, Recicide. das heißt Arschbacken zusammen kneifen. Heimaturlaub gibt es vorerst nicht… erlegt die Stirn in Falten… komisch, ich denke bei heimat tatsächlich an die Shigeruu.
Als er sich bereits abgewandt hat, scheint ihm noch etwas ein zu fallen…
Achja, was die Sache mit meiner Therapie angeht, es scheint eine persönliche Erfahrungssache zu sein, die mich das Feuer erfahren lässt in der Hitze des Gefechts… ich habe ein unkonkretes Bild wie das aussehen wird, aber es könnte hässlich werden. Sollte ich also jemandem mit einer gewissen Begeisterung den Kopf zerdrücken oder sowas, das hätte dann rein medizinische Gründe. Und keine Angst, es wird jemanden treffen, falls es passsiert, der es verdient hat.

Tut mir leid Norge, ich weiß dass du davon am wenigsten begeistert bist, aber ich denke es macht im Moment am meisten Sinn.

Die Anfrage an Yutani kann ich gerne stellen, lasst uns vorher mal überlegen welchen Ort wir vorschlagen wollen und was wir an Ausrüstung brauchen. Hoffen wir einfach, dass Yutani uns dahingehend unterstützt.

Also gut. Dann also weiter mit der Operation Kimono. Wer nimmt Kontakt auf damit wir neue Ausrüstung bekommen? Ich mach es nicht. Bisher hat es kein gutes Ende genommen wenn ich mit Yutani Kontakt aufnehme. Und ja wenn wir das schon durchziehen, vielleicht an einem neutralerem Ort wie hier. Mauritius soll eine schöne Insel sein. Aber Spaß beiseite, wir sollten da wenn schon auf einen Ort drängen an dem wir uns freier bewegen können.

Lehnt sich leicht resigniert in den Sessel zurück und zündet sich eine seiner Zigarren an.

Terminal Shrine

Ein verregneter Tag in Beijing. Die Zahnräder der Welt drehen sich weiter. Die Urbane Brigade patroulliert in manchen Straßen. Die Prostituierten patroullieren  wieder in anderen. Der Nudelverkäufer auf dem alten Elektromobil trägt bunte Sandalen, die wie ein Regenbogen auf den öligen Pfützen zu schwimmen scheinen. Die Gesichter sind nach unten gerichtet, die Krägen steil aufgestellt, wie die Häuserfronten ringsum. Auf der Grauen Achse liegen unzählige Kunstblumen von namenlosen Händen sorgsam auf dem Gehsteig aufgereiht. Ein Dutzend für jeden Verletzten, einhundert für jeden Toten. Wie ein Wunder, bleiben sie von Stiefeln und Rädern unversehrt.

Im warmen Keller eines der Wohnhäuser des Weißen Lotus gibt es einen langen Gang, von dem aus die Türen in Regallager, Schlafräume und Heizungsbunker führen. Am Ende des Ganges ist ein großer Tisch mit einem Terminal aus der Blüte der 2030er. Unzählige Hände haben hier Tasten geschunden, Kabel verdrahtet Platinen gelötet. So alt es ist, so anonym ist es auch. Zahlreiche Merkzettel verraten Passwörter zu illegalen Datenparadiesen, Simsense-Kanälen und dem Shadownet. Ein idealer Ort, um an diesem verregneten Tag die nächsten Schritte zu planen, zu recherchieren, ungefährdet die Mailbox zu sichten oder den ein oder anderen Kontakt herzustellen.

Als sich die SFG 77 nach einer ruppigen Diskussion mit Zuhältern, leichten Damen, Dealern und Anarchisten endlich eine volle Stunde am Terminal erobert hat, sitzt und steht man im Kreis beisammen und glotzt auf den Trideoschirm. Gerade als die kritischen Daten über den Bildschirm flattern, die offenen Fenster mit Tagesberichten, Informationen aus Kapstadt, Flugpläne nach Jakarta, der geheimen Mailbox, da tritt ein älterer Mann neben die SFG 77. Wie konnte der sich so leise anschleichen!?

Kurz bevor der sprungbereite Negative in den Monitor – oder den Mann – schießen kann, entspannt sich die Lage. Der Alte ignoriert die Gruppe völlig und knieht sich direkt neben Brick vor dem Terminal auf ein Kissen am Boden. Dort entzündet er mit einem Benzinfeuerzeug drei Räucherkegel und platziert sie in einen alten, verrosteten Aschenbecher, der vor einer goldenen Statue des Buddha Siddhartha steht. Eine schmucklose, kalte LED grellt auf und erhellt die kindsgroße Figur. Wo kommt die Statue plötzlich her? Stand die tatsächlich die ganze Zeit im Schatten des Terminals? Niemand hatte sie bis eben bemerkt.

Der alte Mann senkt dreimal den Kopf auf den Boden, dann platziert er ein eingeschweißtes Sandwich und eine Dose Soja-Kaffee zwischen unzähligen anderen Kleinigkeiten, die sich zu Füßen der Statue stapeln. Behutsam rückt er ein paar Sachen zurecht und berührt kurz die Füße des Buddha, bevor er wieder im dunklen Kellergang verschwindet. Zehn Augen schauen dem Mann hinterher.

Atra steht einige Meter hinten im Gang und beobachtet die Szene. Als der Mann vorrüber gegangen ist, spricht sie etwas amüsiert aber auch flapsig zu den fünf Gesichtern, die sie mit Fragezeichen über den Köpfen etwas irritiert ansehen:

Was? Beides gibt Hoffnung. Beides bestimmt das Schicksal. Der Unterschied ist nur, dass der User am rechten Terminal weiss, dass er einer höheren Macht gegenübertritt. Der User am linken Terminal schaut nur auf den Bildschirm, nicht dahinter. Er glaubt bloß, er wäre der große Manipulator. Am Ende des Tages, sind beide nur Spielbälle auf einem großen Meer.

Als sie realisiert, dass die Gruppe sie immer noch anglotzt und gerade eigentlich wichtige Dinge tun wollte, schnaufft sie kurz verächtlich, wirft ihre Zigarette auf den Boden und folgt dem alten Mann zurück ins Dunkel.