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aller et retour (there and back again)

Cpt. Bazut Morelle…
Ex-Legionär, Ex-GIGN….
erwachter Magie-Adept, Königsmörder…
Combat-Mage, AIM-Offizier…
Ex-Killer, Ex-Sniper…
Witwer…
Vater…
Bei den vielen Rollen, die Régicide ausfüllen musste oder muss, ist die Letzte eine der Rollen, die für ihn am schwersten zu tragen ist, vor der er sich aber niemals versteckt hat oder versucht, sich aus ihr zurück zu ziehen.
Nach der Rettung von der Shigeruu ist es die Rolle, die für diesen Moment sein ganzen Wesen bestimmt. In Finistère angekommen wird er sich nicht aufhalten lassen, es gibt etwas, was er tun muss und man wird ihn nicht aufhalten. Es ist ihm anzusehen, dass er hoch angespannt, fast schon manisch ist und nur eine Akt extremster Willensanstrengung dafür sorgt, dass er seine Fassung bewahrt.
Bei der ersten Gelegenheit, noch auf dem Flug, hat er zwei kurze, digitale Nachrichten über die Matrix versendet, in Finestère angekommen sucht er ein Schließfach auf und aktiviert das bis dahin ungenutzte Burner-Telefon. Das folgende Telefongespräch wird alles entscheiden. Wenn die Vorkehrungen, die er mit seiner Tochter eingeübt hat, erfolgreich waren, wird sich das nun zeigen. Wer wählt und legt das Handy ans Ohr, diverse Codewörter gehen ihm durch den Kopf, was wird er hören…wird er überhaupt etwas hören?
„Mon petit ange, m’entends-tu?“

Es dauert eine Weile, bis sich tatsächlich jemand am anderen Ende des Telefons meldet. Die Stimme wirkt entfernt und immer wieder rauscht und hakt es, als sei die Verbindung sehr brüchig:
„Bale?“ – „Ja?“
Eine hohe Stimme, aber eher von einem Mann, nimmt den Anruf entgegen. Sie spricht Farsi. Das war möglicherweise unerwartet. Ein langer Moment der Stille. Was tun? Was jetzt? Grade als Régicide seine Gedanken gesammelt hat, spricht die Stimme weiter auf Farsi:
„Sie ist in Sicherheit, in einem Versteck. Es geht ihr gut, sie ist unverletzt. Wir sind in Ankara. Wo soll ich sie hinbringen?“
Die Stimme wirkt ruhig, fast unbeteiligt. Als erinnere sie sich an etwas, fügt sie noch an: „Sie möchte Eis essen gehen.“
Das ist ein Code, wie Régicide weiß. Es geht ihr gut, aber sie möchte Papa schnell sehen. Hätte sie Pizza gewollt, wäre das schlecht gewesen. Hénora hasst Pizza, wegen dem Käse.
Régicide überlegt nicht lange, sein Farsi ist ein wenig eingerostet, aber es genügt für eine einfache Antwort: „Marseille ist schön um diese Jahreszeit, macht euch direkt auf den Weg! Sie kann mich wie abgesprochen erreichen, sobald ihr da seid“

„Und sag ihr, dass es hier das beste Eis gibt (Ich komme und hole dich)“
Er informiert den Rest des Team, zumindest den Teil, der ansprechbar ist. Vieleiche würde einer der Freunde ihn begleiten.
Er miete sich ein Auto, Finestère-Marseille, das ist eine Strecke von wenigen Stunden.
Am Flughafen von Marseille kommt es dann zu einer denkwürdigen Begegnung. Régicide trifft auf einen großgewachsenen Ork mit dunkler Haut und Glatze, gekleidet in einem feinen, grauen Nadelstreifen. Seine Stimme aber ist kindlich hell und klingend. Régicide hat sofort das seltsame Gefühl, das erste Mal in seinem Leben einem echten Eunuchen gegenüber zu stehen.
Aus einem Metallkoffer überreicht er Régicide eine handgroße Messingflasche, die von bunten Glaseinlagen schimmert, durch die das Licht hindurch seinen Weg findet. Chinesisches Kunsthandwerk, wie es scheint. Verschlossen ist die Flasche mit einem verschmolzenem Propf aus Plastik. Überhaupt sind einige Gebrauchsspuren zu erkennen, auch Flecken von Feuer. Respektvoll überreicht er die Flasche mitten im belebten Terminal an Régicide. Die ankommenden Gäste strömen noch aus der Gepäckkontrolle. Die Flasche ist leicht und offenkundig leer. Oder vielleicht auch nicht.

Der Eunuch neigt den Kopf:
„Kinder müssen beschützt werden.“
Mehr weiß er nicht zu sagen. Vielleicht wird Régicide unmittelbar im Terminal die Flasche öffnen. Vielleicht wird er sie arkan betrachten und sehen, dass die Flasche sich dem arkanen Blick entziehen will. Sie erscheint profan, wenn man nicht bereits eine Ahnung hätte… Vielleicht wird Régicide den Eunuchen mitnehmen auf die Toilette oder in einen der Ruheräume am Flughafen, um sie gemeinsam zu öffnen.

Früher oder später öffnet sich der Korken mit einem lauten „plopp“ und hervor springt ein Nebel aus bunten Farben, als würden eine handvoll Kinder in Indien zum Holi-Fest mit dem bunten Pulver mächtigen Schabernack treiben. Der Nebel legt sich auf Oberflächen ringsum, lebendig formt er Gestalten. Einem Kinderzimmer gleich tauchen große Stofftiere auf, eine Eisenbahn, ein Raumschiff, Fabelwesen, Manga-Figuren (ironischerweise auch eine kleine Miru), Tiere und Puppen. Was auch immer Hénora ins Herz geschlossen hatte und mitnehmen wollte – und noch einiges mehr! Rasch zerfällt das wundersame Kinderzimmer wieder zu Staub und zurück bleibt Régicides Tochter, die ihm sofort um Hüfte und Hals fällt:

„Papa, papa! Tu ne vas pas le croire! Der Tempel wurde überfallen und Mama hat mich in eine echte Dschinn-Flasche verzaubert! Ämm… Atra, meine ich! Und in der Flasche waren Geschichtenerzähler! Papa, ich habe Dich vermisst!“

Gekleidet ist Hénora in einem chinesischen, traditionellem Cheongsam, schön bunt, für Kinder gemacht. Sie hat wenig Habe dabei. Ein Stofftier, einen Kinderrucksack, aber nicht viel mehr. Hunger musste sie wohl nicht leiden und langweilig war ihr auch nicht gewesen. Sie wirkt lebendig. Höchstwahrscheinlich wurde sie in der Flasche vor allzu verstörenden Erlebnissen verschont.
Der Eunuch, der scheinbar eine Schuld zu begleichen hatte, geht alsdann unbeeindruckt seiner Wege. Mehr hatte er nicht zu überbringen.

Mit seiner Tochter auf den Arm verlässt Bazut den Flughafen. In seinem Kopf hat sich, für ihn überraschend, einiges sortiert.
Es gibt keine Zufälle….
Schicksal bedeutet nichts anderes als die Entscheidungen zu akzeptieren, die man getroffen hat…
Niemand wird für ihn entscheiden, was das Richtige ist…

Hénora erklärt ihn die vielen, interessanten Dinge, die sie in ihrer Flasche erlebt hat, während er sie in ihren Kindersitz schnallt. Dann meldet sein Telefon, eine Nachricht von Copper.
1700?…ist das Machbar…?
Er tippt eine Antwort: „Vielleicht verspäte ich mich ein wenig“
Dann blickt er zur Seite: „Schaffen wir das?“

Gespräch noch im Rettungsboot

Bazut und Zoe kauern wie die anderen auf der Rettungsinsel, mit Blick auf der Stelle, an der vorher noch ein Stahlkoloss das Meer beherrschte. Sie sind alleine und ungestört. Er spricht sie an:

„Ich würde gerne versuchen, dir meine Problem zu erklären, vielleicht kannst du mir dabei helfen, meine Entscheidung abzuwägen.

Ich haben das Gefühl, in einen Zustand zurück zu rutschen, aus dem ich mich herausgehoben hatte. Ich habe dir mal erklärt, dass ich vor nichts Angst habe. Ich war mir sicher, dass ich auf eine Konfrontation mit einer Wesenheit zusteure, die ein Teil der 4. Welt war und sich nun gewaltsam in die 6. Welt geschoben hat, zumindest so lange, bis ich ihm ein Auge ausgeschossen habe. Ich wollte nur dafür sorgen, dass meiner Tochter nichts geschieht, wenn ich diese Konfrontation eingehe. Deshalb habe ich es vermieden, dass sie dort ist oder lebt, wo ich bin. Ich war ein Soldat auf einer Mission und nichts würde mich aufhalten.

Adra war andere Meinung. Durch sie habe ich verstanden, dass es zwar keine Zufälle gibt und auch kein Schicksal, dem man sich fügen muss. Es sind Entscheidungen, die man trifft und deren Konsequenzen, die man trägt; Pakte, Schwüre und Verpflichtungen, die man eingeht und die bestimmen, wer man ist.

Ich sehe mich nicht länger als Soldat, aber zweifelsohne bin ich ein Kämpfer, ein Krieger – und wenn man die Konflikte ansieht, zu denen ich mich verpflichtet habe, kann man zu dem Schluss kommen ,dass ich mich als ein Helfershelfer solcher Kräfte verstehe, die mehr nach Einklang und Harmonie streben. Und immer wieder hat Adra angedeutet, dass es etwas gibt, was ich tun, oder besser, was ich werden soll.

Aber in ihren Erklärungen hat sie es immer vermieden, mit mir echtes Wissen oder Verständnis zu teilen und das bringt mich nun wieder an einen Entscheidungspunkt. Wenn ich akzeptiere, dass ihre Vernichtung bereits unabwendbar oder vollzogen ist, dann sehe ich mich zurückkehren zu alten Mustern. Komme was wolle, ich muss mich nach Bejing schleichen und Henora holen. Ich muss eine Platz finden, an dem sie sicher und gut behütet ist und dann muss ich die Dinge zu Ende bringen, die noch offen sind. Lena befreien ist der erste Schritt, doch dann folgt Lung aufhalten und Miru vernichten. Diese beiden stehen im direkten Gegensatz zu den Dingen, die wir versucht haben in Dahome in Ordnung zu bringen. Beiden geht es um Kontrolle und eine Welt, die so ist, wie sie sie sich vorstellen.

Oder ich versuche Adra zu befreien und zur gleichen Zeit Brick zu finden, ich denke nämlich, dass die beiden am gleichen Platz gefangen gehalten werden. Möglich, dass ihnen das gleiche Schicksal bevorsteht. Keine dieser Optionen scheint auch nur annähernd durchführbar, schon gar nicht für mich alleine, andererseits habe ich Skrupel, mehr Leute damit hinein zu ziehen. Und damit komme ich jetzt zu dir, wie denkst du über die ganze Sache….was wirst du tun?“

—

Zoe nickt und denkt einen Moment nach. 

„Ich bin froh, dass du das Gespräch suchst, Regicite. Du musst nichts mehr alleine durchziehen, die Gruppe ist so zusammengewachsen, dass es nicht mehr die Probleme eines Einzelnen gibt.“ 

Sie macht einen Pause und zündet sich eine Zigarette an. Komisch, seit wann raucht Zoe eigentlich, denkt sich Regicite. Zoes Handbewegung kommt ihm bekannt vor und das Feuerzeug muss sie sehr unauffällig wieder verschwinden lassen haben. Es beruhigt ihn, dass das Ding ganz normal vor sich hin qualmt, er ist sicher nur zu sehr in Gedanken…

„Atra ist noch nicht verloren. Ich kann sie spüren.“ 

Sie blickt Regicite direkt an. „Ich spüre mehr als sie. Das rauchlose Feuer ist noch nicht erloschen und ich weiß, dass wir noch hoffen können. Ob es etwas wie Schicksal gibt? Es fühlt sich zumindest gerade so an. Ob uns jemals jemand unsere Fragen beantworten wird? Ich weiß es nicht. Vielleicht sieht Atra echtes Wissen nur als solches an, das du selbst erlangt hast.

Aber alles ist irgendwie verbunden. Atra, Brick, wir, das ganze Team… Ich glaube, wir müssen sie und ihn finden, Regicite! Es ist unser beider Weg und auch der Weg der Gruppe. Wir haben das gemeinsam begonnen, wir können es nur gemeinsam beenden, die Entscheidung ist schon vor langer Zeit gefallen. 

Es liegen viele Wege vor uns und wir müssen uns für einen entscheiden. Aber jeder davon führt uns nach Yakut. Ich kann dir nicht sagen, ob deine Tochter sicher ist und ich kann mir vorstellen, wie sehr dich das belastet. Aber wir haben keine Zeit zu verlieren. 

Was deine Gedanken zu Miru und Lung angeht, ich weiß nicht, was ich dazu denken soll. Lung gehört nicht mehr in diese Welt. Miru ist die Zukunft. Können wir es uns anmaßen, ihre Ordnung zu zerstören. Was folgt dann? Oder wer folgt? Welche Verantwortung übernehmen wir dabei? Das ist etwas, das ich gar nicht entscheiden möchte.“

Zoe wendet ihren Blick ab und starrt in die Ferne.

—

Bazut folgt ihrem Blick….und nickt:

„Du hast recht, dass das keine Entscheidung ist, die man treffen sollte…ich denke nicht mal, dass es jemandem zusteht zu entscheiden, wer wo hingehört!
Aber es sollte auch niemanden geben, der für alle Anderen entscheidet!“

Er sieht wieder zu Zoe herüber und wartet, bis sie mit ihren Gedanken wieder im Hier und Jetzt ist:
„Ich fliege nach Bejing und zwar gleich! Das heißt, sobald wir irgendwo angekommen sind, mache ich mich auf den Weg, egal was die AIM oder wer auch immer will. Im besten Fall bin ich in zwei Tagen zurück. Ich habe in den letzten 18 Monaten mehr Zeit mit meiner Tochter verbracht als die Jahre zuvor und auch wenn sie noch sehr jung ist, ist ein ziemlich kluges Kind, kommt wohl nach ihrer Mutter, gleichzeitig ist sie vorsichtig und misstrauisch gegenüber unerwarteten Situationen, kommt halt auch nach ihrem Vater. Ich habe mit ihr viel von Bejing erkundet und oft darüber gesprochen, was sie tun kann oder soll, wenn Dinge passieren, die ihr nicht gefallen. Wie gesagt, wenn alles gut läuft, finden ich sie an einem der ausgemachten Plätze oder Personen und komme mit ihr zurück.
Da ich denke, dass der Angriff nicht mir oder ihr gegolten hat, hoffe ich dass das der Fall ist. Ich weiß immer noch nicht genau, wie Atras Schöpfer und mein, ja was ist der – einäugige Drache – eigentlich für mich… Gegenspieler, Nemesis, unfreiwilliger Schöpfer? Wie auch immer, ich glaube nicht, dass er mit dieser Sache etwas zu tun hat. Für mich ist es unmöglich, nicht zu gehen…

Er hält einen Augenblick inne…:

„Wenn ich sie finde, brauche ich aber eine Platz, an dem sie für einen Moment sicher ist… könnte ich sie vielleicht bei deinen Leuten unterbringen. Als wir euch im letzten Jahr besucht haben, hat sie sich sehr wohl gefüllt, sie ist sowieso dein größter Fan!“

Dann fällt sein Blick auf Norge und dann auch die anderen:
„Ich möchte keinen im Unklaren darüber lassen, was passiert ist, auch Norge nicht. Alle sollen alles erfahren und dann die Chance haben, sich ihre eigenen Gedanken zu machen. Ich werde auch nicht für andere entscheiden, was sie zu denken haben. Entweder du macht das, während ich weg bin, oder wir machen es alle zusammen, sobald ich wieder zurück bin… Ich denke, dass wir mit Positive und Copper gleich jetzt anfangen sollten!

—

„Ich wollte meine Familie immer raushalten und nicht in Gefahr bringen. Aber du bist inzwischen eben auch Familie. Wie kann ich da nein sagen? Ich spreche mit meinen Leuten, die beschweren sich ohnehin dauernd, dass mein altes Zimmer leer ist. Was das Gespräch mit den anderen angeht …“ Zoe unterbricht sich und sieht in den Himmel. Eine Minute später hört auch Regicite den nahenden Helikopter.

Zoé und Mike im Gespräch

Mikes geflüsterte Worte wären fast im Lärm untergegangen, aber Zoes Ohren entgeht fast nichts. Sie lächelt Mike zuversichtlich an. „Dich hat doch bestimmt schon Nancys Hochzeitsplaner angesprochen?“ Sie macht eine kurze Pause um Mikes Reaktion abzuwarten. „Die ganze Organisation überfordert einen ja schnell mal, ich helfe dir gerne bei den Vorbereitungen! Lass uns das alles mal in Ruhe besprechen und heute Abend einfach feiern!“ Sie klopft ihm auf die Schulter (zum Glück sitzen beide gerade) und nickt einladend Richtung Tanzfläche. Mike wird direkt klar sein, dass Zoe keine Zeit verlieren will, die anderen in Kenntnis zu setzen.
„Captain? Schwing mal das Tanzbein!“ Es ergibt sich ein etwas absurdes Bild. Auf der Tanzfläche fallen Größenunterschiede irgendwie nochmal mehr auf… „Wir müssen uns noch um ganz schön viel kümmern vor der Hochzeit! Wir können Mike ja nichtmal alleine zum Anzug kaufen schicken!“

Norges Anfrage

Zwischen Operation Vodka und der Party! hatte Norge eine Anfrage an die Medical & Health Branch der Operations Section von AIM gestellt. Die Antwort kam rasch. Im Prinzip ein Auszug von Norges Patientenakte:

  • Bone Lacing (plastic): Saeder-Krupp; Typ mBL-P2
  • Reflex Booster R1: Shiawase Armaments; Typ REBR1-7766
  • Reflex Trigger: Shiawase Armaments; Typ RET-a11
  • Dermal Plating R2: Yamatetsu MetaErgonomics; Typ D-Power R2-XD
  • Smartlink: Asakaturo Research, YC; Typ ASA-SL2
  • Chipjack: Asakaturo Research, YC; Typ ASA-SSLink 2.3
  • Biodiagnostic Cell: Asakaturo Research; Typ ASA-BDCx
  • Cyperarm R2: Yamatetsu MetaErgonomics; Typ Forklift Y-R2

Für Schnittstellensoftware, Updates und Performance-Optimierung wird auf eine eigene Software zurückgegriffen, die für AIM im Rahmen des R&D Projekts „Integrated Cyber Combat Solutions 2080“ entwickelt wird.

Mike düpiert

Eine Feier! Jaa! Mike war enthusiastisch. Das hatte man sich verdient. Ablenkung und Zerstreuung waren eine gute Idee! Der Schlag vor dem Kopf war dann so hart, dass Mike es erst gar nicht merkte.

„Wir wünsche dir und Nancy alles Gute zur Verlobung, das war ja nun auch Zeit!“

Mike grölte mit, als die Musik losging, und hob den Becher mit einer schäbigen Rum-Soy-Strawberry-Mischung: „Yoohoo!“ Dann dämmerte es ihm.

Die Leichtigkeit, mit der Zoé den Mike dann herumbugsieren und steuern konnte, ließ ja ersteinmal das Schlimmste vermuten. Wenn jemals jemand Mike in eine missliche Lage bringen wollte, um diese Lage dann schamlos auszunutzen, dann wäre wohl alles verloren.

Zoé bietet also vertraulich Hilfe an, während die kleine Party für einige Minuten etwas überzogen ausgelassen eskaliert. Zum Glück muss man sich bei der Flughöhe der TS-One keine Gedanken um die Sensor-Signatur machen.

Der etwas gelähmte Gesichtsausdruck mit offenem Mund zeigt Zoé sofort, dass Mike ganz genau weiß, worum es geht. Und plötzlich durchschaut er wohl auch die Party. Als Zoé dann die Frage präsentiert, ob Mike Hilfe braucht, schaut er ihr in die Augen – und nickt. Anschließend beugt er sich vor und flüstert Zoé ins Ohr: …

„Die, die… haben ihr Angst gemacht, zwölf Stunden lang. Und ihr Bilder gezeigt, von mir und der Iranerin. Die in Beijing, denke ich. Sie haben gesagt, das wäre eine Terroristin. Dann hat man sie vor die Wahl gestellt, entweder das Land zu verlassen und irgendwas zu unterschreiben oder sich einer Gerichtsverhandlung zu stellen. Jetzt sitzt sie in Neo-Tokyo, und sie hat Angst. Ich denke, sie wird verfolgt. Sie ist zur Polizei gegangen.“

Party! Und eine kleine Anfrage.

Als alles vom Captain festgelegt ist, schaut Norge zu Copper und nickt ihm zu.

Du besorgst die Drogen, ich den Alkohol und danach holen wir den restlichen Partybedarf. Du das Amizeugs, ich das aus den Kolonien.

Das mit den Drogen sagt Norge überdeutlich im Scherz und lacht dabei auch auf und boxt Copper mal sachte an die Schulter.
Nachdem der Alkohol besorgt ist und bevor er wieder mit Copper zusammentrifft, richtet Norge noch eine schriftliche Anfrage an den medizinisch technischen Dienst von AIM.


„Erbitte Auskunft über die Herkunft von Hardware und Software der bei mir, MSG Harald Svenson, eingesetzten Cyberware. Firma und Mutterkonzern reichen aus.“

Nachdem er die Nachricht rausgeschickt hat, wundert sich Norge doch ein bisschen, dass noch keiner der wirklich paranoiden aus der Gruppe mal auf so einen Gedanken kam. Die Drohne war ja schon vor Yui irgendwie immer mit in der Ausrüstungsliste dabei. Aber wahrscheinlich hat er sich da nur ein wenig von der allgemeinen Situation anstecken lassen.

Une fête

TS-One, 6Std. später

„So sieht das Duty Roster für die nächste 4 vollen Schichtrotationen aus!“
Cpt. Morell, CO:SFG-77 und Lt.Col. Alcolumbre, CO:TS-One sitzen gemeinsam im Briefingroom des Orbiters und erledigen Papierkram, eine Tätigkeit, die für beide zu aktueller Routine geworden ist. Die geteilte Einstellung, dem anderen nicht ins Geschäft zu reden sowie die Passion für Kaffee machten diese Zusammenarbeit von Beginn an recht reibungslos:
„Meine Leute haben nach dem Einsatz persönliche Zeit und wir haben im internen Kreise etwas zu feiern; aber auch ihrer Crew hat sich eine Pause verdient. Und wenn schon keine Landurlaub möglich ist, dann doch wenigstens ein wenig temps de loisir. Wir haben die Kombüse mit Material aufgestockt, sodass es sich die Crew in der Off-Shift gemütlich machen kann. Dafür kann auch der Main Briefing Room genutzt werden, ggf. als eine kleines Kino.
In den nächsten Tagen steht für uns Vormal-Arbeit und Intel-Auswertung an, das bedeutet, dass sie Zeit für notwendige Landungen zwecks Wartungsarbeiten oder zur Materialaufnahme haben. Ich überlasse die Details dazu einfach ihnen.
Wir werden für unsere Zwecke Cargobay 3 nutzen, der ist aktuell fast leer und aus dem Weg, da wir für diese Moment ungestört sein wollen.“

TS-One, Operations Host Main Terminal, 5Std. später

„Zoe hat was zu feiern, sie will aber noch nicht mit der Sprache rausrücken, soll wohl eine Überraschung sein… Du weißt aber auch nicht, um was es geht?“
Mike Goodfellow schüttelt den Kopf, als sein Cpt. ihm von der Party erzählt, die der Rest des Team in einem der Räume auf dem Unterdeck vorbereitet.
„Sie wird es uns schon erzählen, also macht den Host bereit, dass er mal ein paar Std. ohne dich auskommt. Wir treffen uns im 2000h in CB3“
Mike nickt… kleine Party? Worum es wohl geht….?

Hangar, irgendwo zwischen Bosporus und Hindukusch, 1 min später

„Bon, nochmal für alle zum Mitschreiben!“
Bazut Morell schaut in die Runde, bis er die volle Aufmerksamkeit aller hat und spricht dann langsam und deutlich…:
„Wenn es mit einem Bierchen und lockerem Gespräch getan ist, ist es auch keine Problem! Wenn nicht, riesiges Problem und dann ist es zu spät!“

Er denkt kurz nach, schüttet den letzten Schluck Kaffee auf den Boden und schraubt die Thermosflasche zu. Dann wechselt er in den Major Uzun Tonfall:
„Ich versetzte die SFG-77 ab sofort in Dienst. Wir beginnen einen neue Einsatz.
Operation False Flag
Es gibt Indizien, dass ein essenzielles Mitglied der Task Force Tradestop unter Druck eine unbekannten Gruppe geraten ist. Um das Teammitglied und dessen Angehörige zu schützen, bleibt die Einsatzkontrolle und alle erhobene Daten bei dem verantwortlichen Offizier: Moi!

Die SFG-77 wird unter dem Vorwand eine privaten Feierlichkeit eine Situation schaffen, in der es mit der geringst möglichen Chance auf Entdeckung durch Dritte eine verdeckte Kontaktaufnahme mit einem Hilfsangebot an die Zielperson erfolgen kann. Als Grundlage ist davon auszugehen, dass alles, was die Zielperson tut, hört oder sieht, überwacht wird.

Norge, Copper: Party Vorbereitungen, Essen, Trinken, Dekoration. Denkt auch auch an den Rest der Crew der TS-One, diese werden ermutigt, sich auch eine Auszeit zu gönnen, damit wir ungestört sind. Greift in die Vollen, wir brauchen ein möglichst unübersichtliche Situation angefüllt mit auditiven und visuellen Störungen.

Positive: In der Location wird eine so dichte Nullzone hergestellt, wie es nur geht. In dem Moment, wo ich meine Ansprache beende, wirst du alle möglichen Signale, elektromagnetisch und arkan, die nach außen dringen können, abstellen.

Zoe: Kontaktaufnahme. Die Zielperson wird nach meiner Ansprache sehr verwirrt sein, das ist der Zeitpunkt, an dem du das Hilfsangebot stellen wirst. So subtil wie möglich. Während du mit ihm über etwas anderes redest und im ein Bild von etwas Unwichtigem zeigst, steht die Nachricht auf deiner Hand geschrieben oder auf deinem Augenlied, sodass man es nur sehen kann. wenn du sie Augen zu machst… sei kreative, du bist der Spion. Erste Nachricht ist: Brauchst du Hilfe. Ab dann musst du improvisieren und darauf reagieren, was Mike dir vorgibt.

Die Operation hat zwei möglich Ausgänge.
Möglichkeit 1: Zoe gibt ein ALL CLEAR, was Operation False Flag beendet.
Möglichkeit 2: Die Kontaktaufnahme verläuft unklar oder das Hilfegesuch wird bestätigt. Dann wird die Geheimhaltung fortgesetzt, Zoe und Ich treffen uns zur Beratung und werden dann weitere Schritte einleiten
10 min für Vorschläge und weitere Idee, dann Ausführung.
ETA unsere Fluges 145 min,
ETA TS-One 235 min,
Beginn Op. False Flag, 8Std.

TS-One, Cargobay-3, 8Std 13min später

„…dachtest du das du das lange vor uns geheim halten kannst. Ich kann deine Zurückhaltung ja verstehen, aber so was muss man doch erzählen! Wie dem auch sei, wir wissen Bescheid und darum sagen wir“
Der Cpt. hebt sein Glas:
„Wir wünsche dir und Nancy alles Gute zur Verlobung, das war ja nun auch Zeit!“
Er nickt Richtung Positive, welcher die Musik startet…und diverse andere Dinge.
Zoe, die neben dem verwirrt nach Luft schnappendem Mike sitze, beugt sich zu ihm herüber….