So, nun wissen wir von zweien, Brick und Regicide, was für Möglichkeiten wir haben und sie wohl für alles zu haben sind. Einer, ich, würde eine Möglichkeit lieber nicht in Angriff nehmen.

Schaut Zoe und Negative dann mal länger an.

Dann schluckt mal runter ihr beiden und äußert euch. Schließlich müssen wir noch planen und unter Umständen unsere Ausrüstung über den halben Globus irgendwohin schicken. Die liegt ja in Denver das bischen was wir haben.

In gemeinsamer Runde spricht Bazut Zoe an. Das ist also kein Gespräch unter vier Augen sondern ein „Ich glaube das dich das am meisten Interessiert, jeder andere darf sich aber gerne auch informieren:

„Ich habe, während ihr im Eismeer gedümplet seit, einige Nachforschungen angestellt…bezüglich Adra. Ich habe über sie persönlich nichts herausgefunden, aber einiges über Geister ihrer Art. Ist alles sehr technisch und erschien vor der Bejing-Sache nicht ganz so wichtig. Nun ja, hier sind meine Aufzeichnungen, wenn jemand eine Blick riskieren will“

Atra, Sila und das rauchlose Feuer

Bazut ist in seiner Interpretation viel weniger Gradlinig. Scheinbar findet er keinen richtigen Anfang, nicht die Grundlage auf der er versuchen soll, das Bild wirken zu lassen. Er und Atra führen ein längers Gespräch, was damit endet das sie wütend und empört den Raum mit den Bildern verlässt. Bazut bleibt zurück, er wirkt aber weder betroffen, noch ist er selber wütend, vielmehr scheint ihm nun das ein oder andere klar geworden zu sein. Er geht Atra am nächsten Tag aus dem Weg, scheinbar aus Rücksichtname. Seine erste unvollständige Introspektive teilt er aber mit jedem der fragt:
„Irgend wie scheint das Bild es ein Symbol zu sein für das was mit mir passiert. Wenn ich akzeptiere das der junge Soldat gestorben ist, als ich diesen, EINEN Schuss abgegeben habe, wenn das rauchlose Feuer mich berührt hat, in meine Nähen gekommen ist….
Atra sagt, das etwas in mir ist was ihr vertraut ist. Meine „Signatur“ ist ihr und wohl auch vielen Anderen bekannt. Ihrer Meinungen nach war es »Der Wimpernschlag des Zorns und der Vergeltungssucht, als der eine Schuss fiel. Der Scharfschütze von damals konnte diese Last des schicksalhaften Moments nicht ertragen. Er zerbrach und verbrannte daran. Er machte Platz für ein neues Wesen, das aus dem rauchlosen Feuer in ihn fuhr.«
Wenn ich aber auch akzeptieren soll das die Person die ich in den letzten zehn Jahren war, nicht die Person ist, die ich sein soll….der Mann der erwacht ist, studiert hat, eine Karriere begann. Der geheiratet hat, eine Kind bekam, seine Frau verlor.…
Atra vertritt hier die Ansicht, dass dies nur die Versuche einer gestorbenen Seele waren, an einem Lebenssinn festzuhalten, der nicht mehr angemessen ist. Deshalb scheiterten die Versuche. Die Frau ist tot. Das Kind? Versteckt, aber vor wem genau?
Wenn ich nicht diese Person bin, wer bin ich dann?
Die Erklärung fällte auf Adra zurück….unsere Begegnung….die kein Zufall war….Sie ist eine Manifestation des rauchlosen Feuers, sie wurde vom dem gleichen Wesen erschaffen, das für meine „Erschaffung“ verantwortlich ist….vielleicht ist dieser Umstand ausreichend, diese Proximite!
Sie macht mir den Vorwurf, mich hier in etwas hineinzusteigern, das nicht echt ist. Sie scheint der Ansicht zu sein, dass meine Wahl voreilig und nicht ehrlich war.“

Es ist augenscheinlich das Bazut sich selber von dieser, eher grundlegenden Erklärung zu überzeugen versucht. Das es diverse Dinge ausspart, wie die Idee das es keine Zufälle gibt oder was man eigentliche auf dem Bild sieht, die Symbole die darin auftauchen.
„War es nur Zufall das es Adra war die ich getroffen habe? Hätte es auch jedes andere Wesen des rauchlosen Feuers sein können? Oder nur ein Wesen das das ER erschaffen hat? Aber wenn das Stimmt, warum war es dann für mich so selbstverständlich den ersten Pakt mit ihr zu schließen!“
Hier beginnt der für Bazut schwierige Teil, zwischen ihm und Adra besteht eine andere, engere Verbindung. Zu dem Eklat zwischen den Beiden äußert er sich nicht, bedauerlich da es an dieser Stelle wohl richtig Interessant zu werden schien.

Tags darauf sieht man die Beiden aber erneut ins Gespräch vertieft, scheinbar haben sich die Gemüter beruhigt. Auch kurz vor der Abreiße sprechen die zwei noch einmal im Tempel unter vier Augen, ihr Abschied ist abrupt, Bazut macht nicht den Eindruck als ob er darüber reden will…zumindest nicht sofort
Auf der Reise zum neuen Ziel nimmt er Francois zur Seite:
„Ok, die Sache mit dem Bild gestaltet sich ein wenig schwieriger als vorausgesehen“
Er hält kurz inne, dann muss er grinsen:
„Aber da erzähl ich dir wohl etwas was du schon weißt!
Es ist nicht einfach das so auszusprechen, aber es kann sein das es für dich wichtig wird….
Ok, hier kommts:
Auf dem Bild sehen wir zwei Personen. Beide sind hart, fest, kalt…doch dort wo sie sich nähern ist Wärme, Hitze, Kraft….Würden wir von zwei Menschen sprechen….Das Bild zweigt eine Frau und einen Mann, nur als Silhouette, aber unverkennbar….die Kraft und Hitze die einsteht, wenn sie sich nahe kommen….das kann man auf die simpelsten, menschlichen Gefühle herunterbrechen. Es geht aber nicht um einen Mann und eine Frau….sondern um einen Geist des rauchlosen Feuers und um einen Person die nicht der ist die er sein soll….Die zwei Gestalten in dem Bild, sie Bewegen sich aufeinander zu, im innersten fühlen sie sich zueinander hingezogen. Aber eine Berührung würde ein verzehrendes Feuer auslösen…..
Ich sehe mich in dem Bild…und Adra sieht sich! Mit der Wahl von La Proximité habe ich das Schicksal zementiert. Wenn das Bild für die Nähe zwischen ihr und mir steht, dann ist das so. Das Bild nimmt Sie in die Pflicht. Es ist eine Art materieller Beweis dafür, dass zwischen uns beiden kein Zufall, sondern eine Bestimmung getreten ist.
Die Frage des Zufalls, und dass es ihn nicht gibt, ist eine feste Überzeugung von Atra. Doch was ich hier angesprochen habe, richtet sich plötzlich gegen sie selbst. Das scheint die Erklärung, warum sie La Proximité anfangs so anzüglich und empörend fand, den jetzt ist sie tiefer in die Sache verstrickt, als sie jemals wollte.
Sie hat mir noch immer nicht alles Erzählt was sie weiß…und ich habe noch nicht entschieden wie meine Geschichte nun weiter geht….
Eine Sache ist klar, wenn das Feuer über dich kommt werde ich zu dir stehen, wir brennen zusammen…oder steigen gemeinsam aus der Asche, rauchlose Feuer, Drachen, Geister, Etusan und KIs zum Trotz!“

Bazut kommt zurück an dem Tisch und bringt jedem der wollte Kaffee mit. Er trinkt seinen Espresso immer noch im 1-1 Verhältnis mit Zucker, seine Verwirrung der letzten Wochen ist aber verfolgen, so das er nicht mehr davon aus geht das das jeder so tut:
„Francois hat unsere drei Optionen schon recht gut zusammen gefasst. Ich bin hin und hergerissen.
Bazut möchte nach Hause. Ich muss mein Tochter umarmen, mit meiner Familie reden und beschließen wie es mit mir weiter geht.
Régicit sieht seine professionelle Verpflichtung gegenüber der AIM und dem Auftraggeber, selbst wenn der Hintergedanke des Auftrages ein ganz andere war. Fred Denton ist zur Zeit in Kapstadt, für Mhlongo und Bajol ist das ja ihr Revier.“
Er blick Fragend zu Philippe, ob das was er gesagt hat, wenigstens für eine Person zutrifft. Das nächste was kommt richtet sich besonders an Ihn und Zoe:
„Können wir Denton ausfindig machen und ihn zu diesem Gespräch einladen?
Dann wieder an alle:
„Wir reden ja nicht von einem echten, diplomatischen Gremium, sondern ein inoffizielles Gespräch zwischen Personen, die die Idee eine Waffenstillstands in den eigenen Reihen zur Sprache bringen können….mit der Aussicht auf Erfolg auf der Gegenseite. Können wir das leisten? Ich denke ja. Ebenso kann ich Hérault gut verstehen, der aus dieser Geschichte aussteigen will. Ich bin bereit das zu versuchen und bin niemandem böse wenn er dagegen ist.
Dann kommt ein Gedanke hinterher, als Nachgang:
„Es ist nicht der Fall das ich an der Jagt auf Owens das Interesse verloren habe, aber im Moment liegen meine Prioritäten einfach anders. Besonders da es nicht Owens selbst ist, von dem wir einen Aufenthaltsort kennen, sondern nur von einer Person die er vielleicht aufsuchen wird. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht schlecht….Also auch hier wäre ich bereit einen Abstecher hin zu machen, vielleicht auf dem Weg nach Kapstadt? Eine Stichprobe sozusagen, die Chance ausnutzen. Der Polizist in mir sagt, das das eine gute Idee ist…observieren, mehr Informationen sammeln und nur zuschlagen wenn sich das Ziel offenbart…aber auch hier folge ich der Mehrheit, mit dem klaren Signal: Zu allem bereit!“
Er steht auf um mehr Kaffee zu holen und deutet an ob noch jemand will.

Naja, ihr wißt ja was ich nicht unbedingt möchte, aber ich möchte auch sagen was ich bevorzugen würde. Auch wenn ich da wenig Chancen drauf sehe euch dazu zu bringen. An erster Stelle würde da die Rückkehr zur Shigeruu kommen. Auch das mit Owens Tochter können wir gerne machen. Mal schauen ob wir noch soviel Zeit bekommen. Aber da müssen wir natürlich auch dran denken das unsere Ausrüstung dorthin gebracht wird. Soviel nun von mir, ihr seid dran.

Naja, was haben wir denn für Optionen offen?

Wir können der Owens-Tochter hinterher, dann eilt es aber.

Wir könnten zurück zur Shigeruu, uns sammeln.

Wir können der Sache mit den Verhandlungen weiter folgen.

Was denkt ihr? Brick blickt wie Norge auch in die Runde.

Als alle beim Essen zusammen sitzen, schaut Norge sie nacheinander an. Von der kleinen Gnomin über den Menschen, den Elfen zum Troll. Er schiebt dann seinen Teller von sich und räuspert sich lautstark.

Also dann, sagt mal an was Sache ist. Irgendwann müssen wir hier ja raus. Ich hoffe Brick hat mittlerweile alle Bilder von euch. Ich bin weiterhin kein Fan davon die Sache weiter zu verfolgen. Aber wenn ihr das machen wollt, dann bin ich dabei. Nur für sehr klug halte ich es nicht wirklich. Also rückt mal raus mit der Sprache wo es als nächstes hingehen soll.

Norge wartet eine ganze Weile bis er sich mit den Bildern erneut beschäftigt. Ihn hatte es offensichtlich beunruhigt das ihn überhaupt so ein Bild anspricht. Auch wenn es ja erstmal zwei Bilder waren. So ist das halt mit Magie, aber das geht weit über das Thema hinaus als das was er sich angelesen hat. Soweit ging sein Interesse dann ja auch nie. NAchdem er zwei Tage gar ncihts mit den Bildern geamcht hat und dann die Eröffnung von Brick mitbekommen hat, hat er sich dann aber doch mal mit einem Kistchen Ziarren in einen Raum verzogen und sich die Bilder eingehend zu Gemüte geführt. Nach einiger Zeit stellte er dann das eine Weg. Übrig blieb der Teppich Teheran. Er bemühte sich redlich dort etwas zu sehen, was ähnlich wie Bricks Sicht auf sein Bild war. Aber da kam er nicht hin mit. Es berührte ihn einfach so wie es ist, ohne das er sich selbst in dem Bild direkt wiederfand. Außer vielleicht einer tiefsitzenden Sehnsucht nach Harmonie.

Nach weiteren 2 Tagen dann kam er aus dem Zimmer heraus und ging zu dem Raum der als Galerie dienen sollte. Dort hing er das Bild auf und klebte mit einem Streifen Tesa sein Kommentar dazu. Natürlich auf die Wand und nicht aufs Bild direkt oder den Rahmen.

Danach fühlte er sich ein wenig freier und ging wieder seiner täglichen Routine nach.

(Wie gewünscht findet sich alles weitere im Profil von Norge)

Stille Tage in Beijing

Nach dem erfolgreichen Paukenschlag in Beijing schiehn es mehr als angeraten, den Kopf tief zu halten. Sieben Tage Auszeit und abtauchen unter das Radar waren mehr als eine gute Idee. In den Tagen nach dem Anschlag waren ganze Straßenzüge wie verlassen. Geisterhafte Ruinen. Nur wer wirklich einen Grund hatte oder Sicherheitsbeamter war, ging in die Straßen von Boyang hinaus.

Auch im Vergnügungsviertel Goldenes Xsunchan und in den ruhigeren Quartieren am Feuertempel der Zoroastrier machte sich das spürbar. Die Gewalt hatte hell, rot und schnell gebrannt. Jetzt wehte viel Asche und Rauch durch die Gassen.

Bricks Wunsch nach einer internen Bildergallerie wurde im Tempel der Zoroastrier nachgekommen. Zoé, Régicide, Norge, Negative und Brick hatten Zeit, sich mit diesen Bildern auseinanderzusetzen. Scheinbar war das Brick wichtiger als manch anderem der SFG 77 selbst. Atra Khalipour blieb stets am Rand in Reichweite, beobachtete im Türrahmen, ermutigte, ergründete und gab auf so manche Fragen auch Antworten. Nicht selten öffneten sie damit aber neue Fragen. Es sollte nach einigen Tagen kein Geheimnis sein, dass sie sich insbesondere zu Régicide hingezogen fühlte und sich schwer damit tat, Abstand zu halten. Sein Bild, La Proximité, hatte vielleicht mehr Anteil daran, als man glauben mochte.

Die Zeit im Feuertempel ließ also Gelegenheit, sich mit den Bildern, mit den Kameraden, der Religion oder mit den Geschehnissen in Beijing in Ruhe zu beschäftigen. Privatsphäre gab es genug. Auch fand sich Raum, um über die nächsten Schritte zu beratschlagen. Eine Beratschlagung, die auch Atra scheinbar aufmerksam erwartete. Fast konnte man nach ein, zwei Tagen vergessen, dass es mal ein Leben auf der Shigeruu gab und irgendwo jemand von der AIM an eine Operation Kimono glaubte. Vielleicht spürte es der ein oder andere von der SFG 77: Beijing, der Feuertempel, war eine Türschwelle in die Welt der Schatten. Die SFG 77 könnte hier und jetzt für sich entscheiden, für immer von der Bildfläche zu verschwinden und das alte Leben zurückzulassen. Fast konnte man meinen, Atra beobachtete die Gruppe deshalb so fieberhaft und aufmerksam. Sie sprach es nicht aus, aber ihre Blicke verrieten, dass sie darauf hoffte, Brick, Régicide, Zoé, Negative und Norge würden sich hier vielleicht ein neues Leben geben.

Es gab jedoch auch Neuigkeiten aus dem „alten“ Leben in den sieben Tagen. Zum einen ging eine Nachricht von Collette Hiller ein, dass die zurückgelassene Ausrüstung in Denver sicher eingelagert worden war. Ein Weitertransport zur Shigeruu – oder einem anderen Ort der Welt – konnte arrangiert werden. Sollte der Zielort nicht die Shigeruu oder Territorium von AIM sein, müsste man Nuyen springen lassen um einen Schmuggel einzurichten.

Negative kontaktiert am 01. März 2073 seinen heimlich beauftragten Kontakt und erfährt, dass Mary-Beth Owen am Morgen des Tages in einen Charterflug nach Manila gestiegen ist. Dieser Charterflug hat jedoch in der Luft seinen Zielort kurz nach dem Start umgemeldet. Zielflughafen ist Jakarta (CGK), Java, über Taipei in Taiwan. Die erwartete Ankunft in Jakarta ist der 02. März 2073, 00:15 Uhr UTC+9.

Etwa zur gleichen Zeit erhält Zoé Rückmeldung vom Yutani Customer Support. Der Vorschlag, Frederic Denton als Unterhandlungspartner zu acquirieren stieß scheinbar bei der Yutani Corporation auf Resonanz. Die digitale Kundenauskunft teilt Zoé mit, dass Frederic Denton derzeit bei -34.027088 LAT, 18.462046 LON zu finden ist. Das ist der letzte bekannte Aufenthaltsort, festgestellt am Vortag. Weitere Details gibt es derzeit nicht. Sollte sich die SFG 77 einsatzbereit erklären, wäre das Missionsziel Frederic Denton mit einer Gruppe von Unterhändlern aus Japan und anderen Staaten zusammenzubringen, die sich bereits verfügbar hält. Primäres Ziel wäre die Sicherheit des Treffens sowie die Unversehrtheit aller Beteiligten zu garantieren.

Beijing Internal Affairs

Zahlreiche Meldungen, Trideos und Bilder umgehen derzeit die Nachrichtensperre über Beijing. Sie enthüllen eine beispiellose Eskalation von Gewalt.

Am 26. Februar 2073, 13:30 Uhr Ortszeit, erschütterte ein Sprengstoffanschlag den belebten Stadtteil Boyang. Unbekannte Attentäter brachten ein Parkdeck einer Tochterfirma von Novatech Inc. gezielt und professionell zum Einsturz. Der gesamte Verkehr auf der zentralen Verkehrsachse sowie den öffentlichen Bodenverkehrssystemen kam dadurch zum erliegen. Zeitgleich brach eine Orgie der Gewalt gegen Polizeikräfte entlang der gesamten Stadtteilgrenze zwischen Boyang und Xsunchan los.

Glaubhafte Zeugenberichte belegen, dass sich Angreifer zum Teil schwerer Waffen bedienten, gut organisiert waren und im allgemeinen Chaos ziviler Unruhen, Panik und anarchistischer und staatsfeindlicher Gewalttaten scheinbar ungehindert agieren konnten. Die Polizeikräfte griffen hart durch und mussten Stellungen in vormals „befriedeten“ Straßenzügen aufgeben. Ein Oberst der Urbanen Brigade Beijing trat vor laufenden Kameras zurück. Dies hing auch damit zusammen, dass im Zuge der Straßenschlachten die bereits zuvor scharf kritisierte schwere Infanterie der Urbanen Brigade gegen Zivilisten eingesetzt wurde. Trideoaufnahmen belegen, dass sich kleine Einheiten mit militärischer Ausrüstung und kaltblütigem Vorgehen durch öffentliche Straßen und Gebäude bewegten.

Während die Schuldzuweisungen für das Desaster vielseitig und zahlreich sind, scheint der Auslöser für die Gewalt diesmal vordergründig nicht bei den Sicherheitskräften gelegen zu haben. Erst mit dem Sprengstoffanschlag auf das Parkhaus, in dem sich zu diesem Zeitpunkt ein Einsatzposten der Urbanen Brigade befand, erfolgten die zahlreichen Angriffe. Insbesondere auf der Grauen Achse waren die Sicherheitskräfte zuerst deutlich unterlegen. Über dreißig Geschäfte wurden geplündert und achtzig Bodenfahrzeuge durch Randalierer und deren Brandsätze zerstört. Die Urbane Brigade bündelte die Einsatzkräfte an strategischen Rückfallpositionen und befriedete dann weite Teile des in Bürgerkrieg verfallenen Stadtteils. Über zweitausend Metamenschen wurden festgenommen. Die Zahl der Verletzten und Toten wird auf mehrere Hundert geschätzt. Allein zwanzig Menschen verbrannten in Fahrzeugen auf der Grauen Achse. Die Explosion des Parkhauses forderte siebzehn Metamenschenleben.

Aufgrund der Ausrüstung, Präzision und dem hohen Anteil von verhafteten Straftätern aus dem Umfeld der organisierten Kriminalität wird eine maßgebliche Beteiligung der Triaden nicht ausgeschlossen. Während intime Kenner der hiesigen Kriminalität einen Territorialkampf nicht ausschließen, geht man derzeit nicht davon aus, dass es sich um klassische Rivalitäten zwischen Triaden und der Polizei handelte. Vielmehr scheint sich die Empörung und Wut über das Willkürhandeln der Polizeikräfte explosiv entladen zu haben.

Shadangshaihaishuang

Einer linksorientierten Künstler- und Transhumanismusbewegung aus dem Shadang-Zentrum, Xsunchang, gelang es als erstes, Bilder und Berichte aus der Matrixsperre Beijing hinaus zu schmuggeln. Demnach war es am Vorabend der Eskalation zu einem brutalen Polizistenmord gekommen, dem eine grundlose Hinrichtung eines jugendlichen Zivilisten durch die Beamten voraus gegangen sein soll. Beamte der Stadtpolizei sollen vier Mitglieder einer beliebten Jugendband, Shadangshaihaishuang, in eine Seitenstraße gepresst, geschlagen und einen von ihnen durch einen Kopfschuss hingerichtet haben. Eine Tonbandaufnahme wurde veröffentlicht, die den Hergang bis zum tötlichen Schuss darstellen soll. Wie es anschließend dazu kam, dass die Polizeibeamten selbst durch Schüsse, Schläge und Bisse überwältigt werden konnten, geht aus dem Tondokument nicht hervor. Die Polizei dementiert entschieden die Darstellung und liefert eine alternative Version, wonach die Jugendlichen die Beamten in eine Falle gelockt hätten. Wie dem auch wirklich sei, Tatsache ist, dass das Portrait des getöteten Jugendlichen von zahlreichen Demonstranten und Aufständischen als Banner getragen wurde. Öffentliche Gebäude in Boyang sind mit Graffitis des Jungen übersäht.

SUN² Suburban Uncomfortable News Network – cf, 2073/02/26

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