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Fake Identity

Eine Nachricht an Copper, als dieser sich im HQ ans Terminal setzt. Wageslave klopft an und öffnet einen Trideokanal:

„Yo, Copper! Habe eben die OP Bauernlümmel abgeschlossen. Die fake Namen sind jetzt in der Personendatenbank der DAD-NE eingetragen, auch der Helikopter läuft auf Nakatombe. Zoés alter ego ist als Pilotin eingetragen. Das war ganz schön knapp, sag ich mal. Das ist echt kein Spaß, sich in Dahomeys RTG rumzudrücken. Der Censorship Host setzt einen Red-8 über die ganze Region, mit Subsystem Ratings um die 10. Bei so einer heftigen regionalen Instanz gehen wahrscheinlich viele Hosts und Service Provider leistungsmäßig total in die Kniehe. Das ist wie ein Knebel für die Simsense-Performance. Viele Dienste sind dadurch offline oder nur eingeschränkt verfügbar. Ich hab‘ am Ende gar nicht mehr über die Schulter geschaut, nur schnell raus da. Ich denke es gab einen Passiven Alarm durch einen PIC-4 und einen PIC-7, aber das sollte kein Problem sein. Die SI habe ich nicht angegriffen.“

Temps de jeu

Régicide hat den Worten Coppers aufmerksam zugehört. Als dieser geendet hat, nickt er nur. Noch einige Zeit nach dessen Abgang komtempliert er die Aussagen des Zwerges, dann schüttelt er mit einem reumütigen Lächeln den Kopf: „Aucune raison de me remercier, mon ami.“
„Wer ist überfordert?“ Zoe schaut zur Tür herein.
„Nichts, alles Gut“ Er greift sein Tablet und folgt dem pinken Haarschopf zur Besprechung.

Er setzt sich mit Clark, Fink und Skorgen zusammen. Nachdem die drei die Lage geschildert und ihre überraschend ausführlichen Observationsergebnisse mitgeteilt haben beginnt der Lt. ein erstes Briefing um alle mit der Gesamtlage vertraut zu machen. Noch ohne große Details, aber vollständig, erzählt er die Odyssee der SGF77, unterstütz durch das Team. Dann kommt er wieder auf die große Versammlung zu sprechen. Dabei wendet er sich direkt an Clark:
„Die große Versammlung ist der richtige Punkt um politisch tätig zu werden. Dort gibt es die größte Chance auf den Auftraggeber den das Policie Board haben will.
Ich werde dem CCOM Vorschläge für drei Operationen unterbreiten, in einer davon spielt die politische Lage und das Ziel von AIM MATTER die Hauptrollen. Und, wenn sie einverstanden sind, sie Madam Clark. Bisher war es für uns nicht möglich in Verhandlungen mit potenziellen Partner zu treten. Keine genauen Befehle, keine Kompetenz und keine Genehmigung die Geheimhaltung zu beenden. Sie sind die Antwort auf diese Problematik. Wenn sie dazu bereit sind, werden sie die zentrale Rolle einer der möglichen OPs einnehmen. Sgt. Breslin wird mit ihnen ein detailliertes Briefing über alle Personen und Hintergründe der großen Versammlung durchführen. Ich hoffe auf ihrer Unterstützung meiner OP. Konzepte, ich möchte das wir als Team uns dieser Herausforderung stellen. Das aller Wichtigste ist, das dem CCOM klar wird, das es sich bei der Lage in Dahomey nicht um einen unkontrollierten Bürgerkrieg sondern um eine gezielt eingeleitet Krise handelt. Das sich eine Gruppe von Person extremer Mittel bedient um ihre Ziele durch zu setzten und das diese Gruppe der klare Gegner aller ist, welche eine freiheitliche, demokratische Grundordnung in Dahomey erhalten will. Das alte System von Dahomey war nicht perfekt, es hat zu viele inhärentes ignoriert, technischer Vorschritt zu Gunsten arkaner Evolution und Verantwortung bevorzugt. Aber die Vision war die richtige, die der Agoji ist es nicht!“

Dann spricht er Skorgen an:
„Wenn sie ihrer Rolle in Kleinbuchstaben haben wollen, so kann ich ihnen da entgegen kommen. Allerdings ist klar, das kleine Schrift für mich weniger nützlich ist. Für mich gibt es drei Szenario für ihre Rolle: Entweder lasse ich sie hier zurück, um weiterhin die Aufgabe war zu nehmen die sie schon die letzten Wochen so gut erfüllt haben. Oder sie folgen uns ins Feld, sollte eine Mission an der großen Versammlung statt finden, bei der sie die Rolle einer Leibwache für Madam Clark einnehmen. Wenn diese Sache so läuft wie ich sie mir vorstelle, werden wir in Mbandé aktive während Madam Clark unsere zukünftige Einsatzgrundlage errichtet.
Oder sie begleiten uns in eine Krisengebiet, einen überfluteten Sprawl und setzten sich dem vollen Horror eines Landes im Bürgerkrieg aus. Da ich mit ihren Fähigkeiten nicht vertraut bin, muss ich hier meinem Instinkt vertrauen, das in ihnen mehr steckt als vermuten lässt. Keine dieser Aufgaben fällt in das Portfolio eines Marine-Brückenoffiziers.
Abschließend an alle: „Zoe, Norge, Rundgang, wie besprochen. Ich möchte auch ein Gefühl für die Lage in der Stadt bekommen. Copper, Briefing für Madam Clark, jeder andere kann bewohne.“

Er macht eine kurze Pause, dann wird der Tonfall ernst, Temps de jeu, Gametime:
„Wir beginnen Operation Steinmetz, das deutsche Wort für Mason, für die unter uns die nicht Multilingual sind.
Diese Operation hat ein sehr enges Zeitfenster, ebenso ist sie für die Gesamtlage in Dahomey oder AIM Matters von geringere Priorität. Deshalb ist teilnahem an der Operation freiwillig. Wer nicht Teilnhemen will, belibt im HQ zurück und arbeitet an der primären Situation.
Nächster Schritt ist eine letzte Observation des Ziels, dann greifen wir zu. Die geringe Zeit lässt wenig Spielraum für Finesse. Sollte Recon nicht noch wichtige, neue Erkenntnisse bringen, tendiere ich dazu mit aller Härte gegen den Dealer vor zu gehen und ihm keine Option außer totale Kooperation zu lassen. Sollte sich diese nicht einstelle wir er eliminiert, schon allein um Spuren zu verwischen. Ideen und Vorschläge um dieses krude Konzept zu verfeinern sind willkommen.“
Ganz offensichtlich ist Régicide nicht zum Scherzen aufgelegt, die Entführung seines Teammitglieds scheint er als eine persönliche Beleidigung auf zu fassen, etwas was er nicht unbeantwortet stehen lassen wird.

Clark und Finnjas Stellung

Der Lieutenant hatte, direkt nachdem er von Captain Uzun in seiner Position als Einsatzleiter vor Ort bestätigt worden war, eine Klärung der anwesenden Personen im HQ verlangt, genaugenommen von Pria Lakshmi Clark und Finnja Skorgen. Beide waren nunmehr seit Mitte Oktober im Land und seitdem damit befasst gewesen, das verlegte HQ zu betreiben, zu sichern und die Rettungsmission notdürftig aufrecht zu erhalten.

Pria Clark war gesundheitlich nicht sonderlich gut gestellt, was am ehesten von einer andauernden Stressbelastung herrührte. Sie war zwar fokussiert und entschlossen im Auftreten, zeigte aber Anzeichen von Nervosität, Schlafmangel und weiteren, kleinen Leiden. Ihre Reizbarkeit hielt sie aber gut im Zaum. Von dem damaligen Zusammenstoß und der abwertenden Haltung gegenüber der SFG 77 war nichts zu hören. Sie erläuterte ihre aktuelle Position bei zwei, drei Zigaretten so:

„Also der sechzehnte Oktober war der Tag gewesen, an dem ich meine Nerven über Bord geworfen und mir Klaviersaiten zugelegt habe. Können sie sich das vorstellen? Die SFG 77 war zwei Tage bereits MIA gemeldet und am sechzehnten kam es richtig hart rein: Putschversuch in Dahomey, Policy Board erstmal wie gelähmt. Telefone der Abteilungsleiter waren entweder tot oder dauerbesetzt. Kaum war Mittag, wurde Captain Uzun abberufen und zur Task Force Guinea versetzt, um die Special Forces für die Seeblockade zu koordinieren. Die Recovery Mission für die SFG 77 sollte ein unerfahrener Lieutenant übernehmen. Und noch während ich mit Uzun per Trideo bespreche wie es jetzt weitergehen soll, kommt die Nachricht aus Moskuwa rein, dass Lena Mason vermisst ist, wahrscheinlich sogar entführt wurde.

„Ich habe dann versucht in den Folgetagen mit dem Lieutenant die Recovery zu klären und mit Fink durchzugehen, was wir machen können. Dann kam vom Policy Board ein Stopp. Ich sollte erstmal gar nichts unternehmen. Neubewertung der Lage, wegen dem Putschversuch. Unser Auftraggeber – Dahomey – wer war das genau nochmal? Naja, und dann habe ich informell erfahren, dass es den Plan gab AIM MATTERS einzustellen und mich abzuberufen. Die ganze Kampagne für’n Arsch, entschuldigen sie! Es sollte nur noch auf die militärische Auftragserfüllung im Golf geschaut werden. Der Geschäftsleitung wurde wahrscheinlich ausgemalt wie das hier enden würde, sollten Evakuierungsmissionen auch noch schiefgehen. Kein Mensch dachte mehr an eine koordinierte, politische Kampagne für die Firma!“

Ein langer Zug an der Kippe.

„Dann hab‘ ich mir selbst eine Dienstreise angeordnet und bin mit dem letzten offiziellen Flug von Casablanca nach Lome geflogen. Das war am fünfundzwanzigsten Oktober. Plötzlich war mit mir die einzig taugliche, politische Projektleitung vor Ort und damit in einem Krisengebiet. Tja. Da gelten andere Regeln. Jetzt konnten sie die Kampagne nicht einstellen, ohne eine Special Deputy Secretary abzuschreiben und sich eine Evakuierung mehr aufzuhalsen. Und den Papierkram wollen sie nicht sehen, den man braucht um eine Policy Campaign in einem Krisenzustand aufzulösen. Da fragen sie mal Sergeant Copper. Der kann ihnen was aus Kairo erzählen. Allein die Publicity kostet sie Selbstmorde in der Marketingabteilung. Also hat man mich vor Ort als Agentenführerin für AIM MATTERS bestätigt. Klar, mein Personal in Casablanca ist auf ein Drittel geschrumpft. Aber was ich mache ist eben jetzt Feldarbeit. Ich beobachte die Lage der Medien, schreibe Analysen, suche Demos auf, rede mit Kontakten hier in Moskuwa. Auch Kontakte von Evan Choi. Der Mann ist übrigens immer noch verschwunden. Aber sein Server, aus seinem Appartment, der war eine große Hilfe. Und nebenbei habe ich die Schichten am Funk und den Kameras übernommen, um auf sie zu warten. Offiziell bin ich also die politische Ein-Frauen-Aktion von AIM MATTERS vor Ort. Immerhin offiziell bestätigt. Wie der Captain gesagt hat, bin ich nach wie vor an einem politischen Partner und an Kunden interessiert, damit wir ENDLICH was liefern können. Auch wenn die Lage hier über alle Maßen eskaliert ist, haben wir und die Geschäftsleitung noch immer das gleiche Problem: keine Partner, die uns reinholen, und keine Ahnung, was wirklich hier los ist. Hier in Moskuwa haben wir aber keine Chance, die Stadt ist in fester Hand von Merc Inc. So sieht es aus. Also wenn sie Kontakte haben, dann her damit.“

Mit Finnja Skorgens Geschichte verhielt es sich ähnlich und doch grundlegend anders. Die reservierte Elfe hatte scheinbar die Zeit des Wartens wesentlich besser vertragen als Fink und Clark. Vielleicht lag es daran, dass sie eine Elfe war. Vor allem schien sie die Zeit auch genutzt zu haben, um mit der Situation ins Reine zu kommen. Sie zeigte kein Zögern und keine Verlegenheit, als der Lieutenant sie nach ihrer Geschichte befragte. Überhaupt war spürbar, dass sie in den vergangenen Wochen eine Führungsrolle vor Ort übernommen hatte. Egal wie sehr man sich anstrengte, man hatte immer das Gefühl, dass man es eben nur beinahe schaffen würde, mit der Elfe auf Augenhöhe zu kommen. Das konnte Nerven kosten. Aber abgesehen von Negative, begegnete sie jedem der SFG 77 respektvoll, distanziert, aber kooperationsbereit. Negative ignorierte sie meistens, wenn andere dabei waren.

„Lieutenant, Sergeants, Chief. Mein Name ist Finnja Skorgen. Die meisten kennen mich bereits… flüchtig. Bis Ende Juni dieses Jahres war ich Kapitänin zur See auf der CASS Shigeruu, einem havarierten Flugzeugträger der Belicose-Klasse im Nordmeer. In den 50er Jahren habe ich für die IMA die Seekriegsoffensive im Nord-, Ost- und Arktischen Meer gegen die Russische Föderation unterstützt. Zumeist als Kapitänin von Zerstörerklassen. Ich denke ich spare mir Details meiner Entlassung. Da können sie mir vielleicht noch mehr berichten als ich ihnen… Jedenfalls hat Sergeant Boucard mir inoffiziell unter die Arme gegriffen, als ich im Sommer in Manila staatenlos gestrandet bin. Wir hatten eine Abmachung. Er konnte sie nicht einhalten. Weil er im Einsatz für die SFG 77… verlustig gegangen war. Deshalb habe ich nachgeforscht. Als man mich über den Status als MIA vertraulich informiert hat, habe ich Captain Uzun angeboten vor Ort zu helfen. Ich kam am gleichen Tag hier an wie Miss Clark. Auch wenn ich von ihrer Person keine Kenntnis hatte. Private Fink hat mich hier begrüßt.“

Da waren doch noch ein paar weiße Flecken in der Geschichte. Wie genau war sie hierher gekommen?

„Illegal. Die Einreise wurde durch Private Fink, Sergeant Somborne und Specialist Lance lanciert. Ehrlich gesagt, habe ich mich für diese Frage auch nicht interessiert. Es war ein Flugzeug, dann ein Schnellzug. Mehr muss ich wohl nicht wissen.“

Nach freundlichem Nachdruck wird sie dann auch konkreter, was ihre Stellung angeht:

„Ich bin freie Kontraktnehmerin. Offiziell werde ich aus den Geldmitteln bezahlt, die Captain Uzun an Private Fink freigegeben hat. Das war kurz bevor er das Kommando an den Lieutenant Ortell abgeben musste. Mein Auftrag hier ist offiziell Personenschutz. Unnötig zu erwähnen, dass das aber nicht gerade mein Metier ist. Praktisch habe ich die Koordination des HQ übernommen. Mein Beschäftigungsvertrag ist etwas gebogen worden. Mein Name wurde so klein wie möglich auf den Formularen abgedruckt. Ich denke mal, dass es im Moment in diesem Chaos einfach noch keinen Interessiert hat, dass eine Unehrenhafte als Freiberuflerin beschäftigt wird. Aber streng genommen, Lieutenant, stehe ich ihnen und ihrem Team zur Verfügung. Ganz offiziell.“

Der letzte Satz wurde von einem direkten und durchdringenden Blick an alle vom Team begleitet. Nur Negative, den schaute sie nicht an.

Finnja und Negative

Negative hatte den anderen den Vortritt gelassen, als das Gespräch mit Goodfellow und Uzun beendet war und alle anderen sich auf dem Weg zurück in die Wohnung machten, in der freudigen Erwartung, mal die Beine hochlegen zu können. Dem Lieutenant hatte er beim aus dem Raum schieben noch kurz zugenickt, man habe da noch etwas unter vier Augen zu besprechen; und dieser hatte mit Mühe kurz Schultern und Mundwinkel nach oben gezogen.

So standen sie nun da, und wo es vor Monaten noch Stunden hätte dauern können, bis die ersten Worte fielen, unterbrach Negative schnell die Stille:

„Staatenlos in abgeriegelte Bürgerkriegsländer einzureisen ist wohl nicht Teil der Grundausbildung, oder? Es freut mich aufrichtig, dich wiederzusehen!“

Er spürte allerdings, dass sich seine Muskeln leicht spannten und sich darauf vorberereiteten, zumindest den dritten und alle weiteren Schläge und Tritte abzufangen.

Die nordische Elfe im afrikanischen Gewand stand Negative eng gegenüber und es wirkte in etwa so, als würden beide hinter der Bühne eines Theaters zwischen den Aufführungen aufeinander treffen.

„Ich habe nur gemacht, was Du geraten hast. Ich habe alte Kontakte bei AIM bemüht. Und Mitte Oktober hieß es dann, Du wärst vermisst. Dann habe ich sofort eine Nachricht an Captain Uzun durchgedrückt und der Rest war die Arbeit der Logistiker. Bilde Dir bloß nichts ein. Ich nutze nur meine Chance, nicht völlig über den Tellerrand hinaus geschoben zu werden. Sowohl der Kämmerer Fink als auch die Übernervöse vom Policy Board wären hier längst untergegangen, wenn ich nicht auf Disziplin, Ausdauer und Geduld gepocht hätte. Jetzt bist Du da und der Plan ging auf. Sie zu, dass ich nicht der Arsch bin, der am Ende keinen Stuhl mehr bekommt, wenn die Musik aufhört.“

Im krassen Gegensatz zu ihren Worten und auch zu ihrer kalten Miene fasst sie Negative sachte am Oberarm und streicht mit der anderen Hand über sein Gesicht.

„Du hast Dich verändert,“ stellt sie fest. Dann umarmt sie ihn und atmet tief durch.

Als sie einige Momente später ihr Kleidung wieder in Ordnung brachten, antworte er:

„Das stimmt in so verdammt jeglicher Hinsicht! Ich weiß im Grunde jetzt, wo ich herkomme. Ich weiß, dass es hier noch was in Ordnung zu bringen gibt für mich. Man hat mich benutzt, und diese Schande werde ich tilgen…“

Sein Blick schweift einen Moment ab.

„Was nutzt Macht, wenn sie dem Chaos nutzt?“

Für einen kurzen Moment blitzt seine Schamanenmaske auf. Finnja schaut ihn erschrocken an und will sich abwenden, aber er hält sie zärtlich aber bestimmt fest.

„Jedenfalls bringen wir mit allem, was wir an Intel und Erfahrungen so gesammelt haben, die Firma weit nach vorne… das wird Einiges in Bewegung bringen. So wie ich Uzun kenne, dauert das keine 48 Stunden, und es ist wieder wie früher.“

Er schaut ihr lange ins Gesicht.

„Nur du hast dich im Grunde nicht verändert. Innen wie außen. Zeit, das in Bewegung zu setzen. Und dieses Mal haben wir die Möglichkeiten…“

Coppers Worte

Ein paar Stunden nach dem Gespräch mit Cpt. Uzun per Trideochat wacht Lt. Morelle aus einem kurzen Schlaf auf, den er sich hatte gönnen wollen. Copper sitzt auf einer Kiste in der Ecke des Raumes und schaut ihn nachdenklich an…

‚Lassen Sie mich bitte ausreden Sir‘ sagt er völlig unvermittelt. Er steht auf, geht zur Zimmertür und schließt diese. Dann geht er zurück zu der Kiste, setzt sich und sieht den LT. einige Sekunden an.

‚Ich muss mich entschuldigen Sir, und ich muss mich bedanken.‘ Er kämpft sichtlich mit sich, seine Hände zittern.

‚Als ich zur SFG77 versetzt wurde kam das für mich sehr überraschend. Ich hatte nicht mit so etwas gerechnet. Manches haben sie sich sicher schon zusammen gereimt, anderes habe ich angedeutet… Ich bin Ermittler, vorwiegend war ich für die Interne tätig, minimale Felderfahrung, nicht der Typ für eine SFG, schon gar nicht die 77… *Er schaut beinahe flehentlich zu Morelle* Kaffee und Donuts, nicht Giftgas und Monster! Aber ich bekam eine Empfehlung, einen Stapel Personalakten und eine inoffizielle Anweisung einen internen Bericht zu verfassen… über die SFG, die Mitglieder, über… Uzun. *er schluckt* Da hatte ich noch nicht mal mit Uzun gesprochen, von der SFG nur Gerüchte gehört. Einen, das war unmissverständlich, einen dreckigen Bericht. Etwas zum Abservieren. *Copper knetet sich so hart die Hände, dass man meint seine Finger müssten gleich brechen* Ich habe vorhin dem Cpt. in der Matrix unter der Hand den Namen und den Auftrag genannt. Ich werde nicht der Dolch in seinem Rücken. War ja nichts Offizielles. Sollte karrierefördernd sein. *Er ringt nach Luft* Und mal im Ernst… wär die SFG eine normale Einheit, der Gestank der Leichen über dem Sprawl wäre Blumenduft gegen die Kacke, die ich nur in den ersten 48 Stunden von Ihnen gesehen und gehört habe… *er schwitzt und wischt sich mit der Hand über das Gesicht* und es wurde nicht besser… Dienstvorschriften, Landesrecht, Kriegsrecht, Völkerrecht… gegen alles wurde verstoßen. Von jedem! *jetzt wirkt Copper, als stände er kurz vor einem Nervenzusammenbruch* Sie als Offizier? Ich meine was soll das? Ich komme aus der Airforce! DER AIRFORCE! Da sind Offiziere… Offiziere! *er scheint sich zu besinnen, weshalb er da ist, und beruhigt sich etwas* Entschuldigung Sir! Ich muss mich bei ihnen entschuldigen! Uzun, Sie, die anderen. Das ist genau die Einheit, die eine Scheiße wie diese braucht. Denn gegen eins haben sie nicht verstoßen. Anstand, Moral, Ehre, wenn auch manchmal reichlich gedehnt wurde. Abstrakt… kein Handbuch… in einer Welt ohne Regeln… *er wirkt für eine Sekunde verstört, überfordert, nachdenklich, dann erhebt er sich abrupt und salutiert* Danke Sir, für die Erfahrung, die Ehre dabei sein zu dürfen, und für das Gewehr. *dann setzt er seine Melone auf, und verlässt den Raum*

Und wieder 48 Stunden

48 Stunden leichter Dienst. Pha, was hatte das schon zu bedeuten hier draußen. Leichter Dienst. Nachdem Norge alle durchgechekt hatte und danach alle Waffen des Teams soweit gereinigt und auf Vordermann gebracht hatte, dazu die Munitionsbestände erfasst und die erbeuteten Waffensysteme auf einen einigermaßen vernünftigen Stand gerbacht hatte hieß es nur noch die Medizinischen Vorräte der SFG aufzufrischen und es nicht so aussehen zu lassen als würde er die Sanistation von Nakatombe plündern.

48 Stunden leichter Dienst. Das hieß zumindest nicht das man durch die Mittagshitze marschieren mußte mit voller Ausrüstung. Es sei denn man wollte halt einen Raketenwerfer zu LT1 bringen und ihn verstauen. Der Gedanke dabei war einfach. Wenn bei der Hitze normal niemand unterwegs ist, so werden auch eventuelle Drohnen oder andere Beobachtungsversuche eher auf die Morgen und Abendstunden gelegt sein.

Aber irgendwann war auch Norge fertig mit allen Pflichten. Er steht im Raum vor dem Waschbecken und schaut in den Spiegel an der Wand. Verdammt! Er sah aus wie ein Waldschrat. Militärischer Kurzhaarschnitt? Längst vergangen. Seine Haare sind seit langer Zeit nicht mehr geschnitten worden. Und sein Gesicht? Geradezu zugewuchert. Klar kam die Veränderung schleichend. Jeden Tag vielleicht nur ein Milimeter, aber wenn man da nun so in den Spiegel schaut…. verdammt!

Norge geht also los und erkundigt sich bei den Flüchtlingen welche Nakatombe nun bewohnen und tatsächlich gibt es unter ihnen einen der sich auskennt. Einen echten Friseur. Er hat sogar ein wenig was dabei was er retten konnte. Schere, Kamm und sogar ein Rasiermesser und Seife. Handtücher und warmes Wasser sind hier ja zum Glück kein Problem. Und siehe da, nach ca. einer halben Stunde sieht Norge wieder so aus wie am Anfang der Mission. Dolph Lundgren Gedächtnis Haarschnitt und glatt rasiert. Nur seine Haut. Die hat sich doch tatsächlich verändert. Wochenlang mühte sich die Sonne Afrikas ab und hat es doch tatsächlich hinbekommen die ewig blasse Haut von Norge einen halben wenn nicht sogar einen dreiviertel Farbton zu bräunen.

So erfrischt macht er sich auf zu Copper und biete ihm eine Zigarre an und steckt sich selbst auch eine an.
Weißt du Copper, so eine Rasur, die tut schon gut. Solltest du auch mal ausprobieren.
Grinst ihn an und zwinkert ihm zu. Klar war das nur ein Scherz.

Coppers Gedanken

Copper sitzt ein paar hundert Meter abseits des Steinrings im noch viel zu warmen Sand der untergehenden Wüstensonne. Gedankenverloren bürstet er den Sand von seiner Melone, ein viel zu modernes Scharfschützengewehr vor sich auf einer Tasche liegend…
Das Einzige, das ihm eingefallen war, als der Lt. ihm die Waffe geschenkt hatte, war ein ‚Hm… Danke Sir!‘ Dann war er mit hochgezogener Augenbraue gegangen, an den Punkt in der Wüste wo er jetzt saß…
Was stimmte nur nicht mit diesen Spinnern von der SFG? Die hatten doch alle ein Rad ab. Keiner von denen hatte wahrscheinlich je die Dienstverschriften gelesen, oder auch nur ein Gesetzbuch in der Hand gehabt. Eine Bande von Kriminellen in einem Land voller Primitiver. Dieser Franzmann-Leutnant war ein Witz als Offizier, diese Gnomin ein Scheiß Straßenpunk, der schwarze Elf ein rückgratloser Psycho, und der Ork, naja, eben einer dieser primitiven Europäer. Ein Haufen Störfaktoren, die unbedingt aus der AIM getilgt werden müssten. Es gab nicht eine Vorschrift, gegen die sie nicht verstoßen hatten in den letzten Monaten. Nicht eine! Und dann musste er auch noch mit dieser Straßengang bei irgendeinem Fliegendreck auf der Generalstabskarte ein gottverlassenes Geisterdisneyland befreien. Was sollte das überhaupt mit diesen ganzen Idola und dem Land, warum musste ausgerechnet er da rein geraten? Sowas war was für Nigger und Rothäute. Und dann schenkt ihm dieser Abziehbildkommandant auch noch eine Tuntenwaffe, das Zielfernrohr größer als die Knarre, das Gewicht eher für nen Rückenkranken 13-jährigen und ein Kaliber, das nur jemandem einfallen konnte, der einen zu kleinen Penis hatte…
Sein Leben war so schön einfach gewesen, als er noch in Texas war. Er lässt sich den Sand zwischen den Fingern hindurch rieseln. Eigentlich, dachte er sich, war der Sand fast wie in Texas. Eigentlich brannte die Sonne fast wie dort. Dann fällt sein Blick wieder auf das Gewehr. Eigentlich war das Gewehr gar nicht so übel, Immerhin konnte man damit bei nem Rodeo auf 2000 Yards dem Hengst die Eier abschießen. Und diese Spinner von der SFG waren ein Haufen, auf den man sich echt verlassen konnte. Und sie machten ihr Ding, die Aufträge liefen… irgendwie, das musste man ihnen lassen. Und das Land hier? Diese Schwarzen hatten Stil. Eine Kultur, die tief ging, anders eben, aber vielleicht sogar besser als daheim, älter auf jeden Fall. Das machte schon Eindruck. Und so wie der Sand anders aussah als daheim, so wie die Sonne anders schien als daheim, waren irgendwie auch die Vorschriften anders als daheim. Sogar die Schwarzen waren anders als daheim…
Dann sah er plötzlich Zoe mit zwei Schwarzen auf Patrouille aufbrechen, er kannte die Namen von beiden, nette Kerle. Besonders der Touareg. Es war einer von denen gewesen, die oben auf dem Orakel gelegen hatten, als Späher. Dann lachte er schief auf…
Eigentlich war nur er anders als daheim.
…
Aber Uzun, den hasste er immer noch!

Der neue Negative

Copper verschwand gerade mit der neu erlangten Gewehrtasche aus seinem Blickfeld, da kam dem Lt. ein Elf entgegen, der die sich vor einigen Stunden verflüchtigenden Gedanken über die eigene Endlichkeit im Allgemeinen und der persönlichen Erschöpfung im Besonderen wieder wachrief. Mit geradzu ekelhaft beschwingten Schritten und einer überbordenden Ausstrahlung kam Negative auf ihn zu – und fiel ihm zu seiner Verwunderung gleich um den Hals.

„Ich habe gerade mit den Fulbe und Tuareg die Wachpläne durchgesprochen – und habe dafür einen Geist beschworen!!! War ganz einfach! Ich hätte nie gedacht, dass man so direkt Zugriff und Einfluß auf die Welt haben kann. Man, das ist echt unbeschreiblich!“ Mit Blick auf das müde Gesicht des Lt. verfliegt ein Teil von Negatives Euphorie. „Ich schätze mal, wenn man gerade einen Teil seiner Vergangenheit wiederentdeckt hat, dazu noch eine längst verstorbene und geliebte Ahnin getroffen und sie einen den richtigen Weg gewiesen hat und in den Kreis der Zauberkundigen aufgestiegen ist, hat man alles Recht, sich so aufzuführen“ gibt der Lt. zurück.

„Noch vor Wochen hätte ich mich dafür georfeigt, wenn ich sowas von mir gegeben hätte: aber der Geist Andikans in seiner reinen, ursprünglichen Form ist in mir! Nicht einmal der Gedanke daran, dass ich mich bald einem Duell werde stellen müssen, in dem ich hoffnungslos unterlegen bin, lässt mich zweifeln, dass ich den richtigen Weg gewählt habe! Allerdings habe ich keine Vorstellung, wie das Duell vonstatten gehen wird. Und hier wirst Du mir keine große Hilfe sein, nehme ich an, nicht wahr?! Ich wünschte, jetzt könnte ich mit Johansdottir reden… zu Themen, von denen ich vorher nur lahme Trid-Diskussionsrunden gucken konnte. Leider wird das erst nach dem Duell was.“ Er hält kurz inne: „Wenn ich das Duell überstanden habe: wie lauten deine Pläne für danach? Ich frage Dich direkt, denn auch ich habe eine Angelegenheit zu klären, über die noch nicht alles bekannt ist, aber die mit dem großen Ganzen hier zusammenhängt. Denn ich war Teil der Versklavung eines Volkes, und ich werde diese Schmach tilgen!“ Wieder bemerkt er die tiefen Falten in Bazuts Gesicht. „Ok, ein Schritt nach dem anderen. Ich geh zurück und entdecke mich weiter!“

So schnell er aufgetaucht war, verschwindet Negative wieder in Richtung der übrigen Besatzung des Orakels. Der Lt. schaut ihm lange nach. Seine Finger haben unbewußt ein weiteres MREs geöffnet. Die drückende Süße des Keks holt ihn zurück in die Wirklichkeit. „Der neue Negative“ denkt er…

Un moment de repos

Lt. Bazut „Régicite“ Morell spürt die Erschöpfung in allen Teilen seines Körpers, seit langem beweisen ihm die Umstände mal wieder, dass er „nur“ ein Sapiens Sapiens ist. Kein Gnom mit unerwartet harter Ausdauer, kein Elf mit unerschöpflicher Lebenskraft, kein Zwerg, robust wie ein Edelstahlkugellager, kein…Norge!

Er sitzt im auf einer erhöhten Position in der Höhle des Orakels und überlässt es seinem Team, die nötigen Vorbereitungen zu treffen, in vollem Vertrauen, dass sie ihn dafür nicht brauchen. Andere Offiziere mögen das als Zeichen ihrer Unzulänglichkeit wahrnehmen, in ihm stellt es ein Gefühl der Sicherheit her. Seinen Wert als Offizier erfährt er nur aus zwei Kriterien, Missionsziel und Überlebensrate. Diese Balance abzuwägen ist das Einzige, was zählt. Missionsziele: Sehr Gut, Verluste:….Einer. Hillers erscheinen in der Höhle hat ihn mehr geschockt als er sich anmerken lassen will, was bedeutet, dass die, die ihn gut kennen, es bereits gemerkt haben. Deshalb war es so wichtig, seine Ansage an Andikan zu machen. Hillers Tot ist nicht seine Schuld, aber er war und ist verantwortlich, was die Lage für ihn schwere und nicht leichter macht. Doch seine Versprechen ihr gegenüber wird er einhalten, diese Pflicht ist die Einzige, die er noch für sie erfüllen kann.
Code d’honneur du légionnaire, Art. 7: Au combat, tu agis sans passion et sans haine, tu respectes les ennemis vaincus, tu n’abandonnes jamais ni tes morts, ni tes blessés, ni tes armes.

Jetzt gibt er sich für eine kurze Zeit seiner Erschöpfung hin und sammelt sich. Während auf seinem Kocher Wasser für Kaffee erhitzt wird, verzehrt er drei MRE aus dem MercInc Vorrat. Die Amerikaner sind immer noch die ungeschlagenen Meister darin, Pampe die ewig haltbar ist, so mit künstlichen Aromen, Zucker, Salz und Geschmacksverstärker voll zu pumpen….er liebt dieses Zeug, eins seiner peinlichen Geheimnisse.

Seine Gedanken kreisen um das Orakel, die Erlebnisse in den Höhlen… die Erkenntnis das von der wissenschaftliche Geschulten, hermetischen Lehre, welche lange Zeit Grundlage seines Wesen war nur noch ein zerrissenes Obergewand und eine innere, reiner Kern übrig ist. Mit dem Abstreifen von Poris Gewand hat er auch das überflüssige Denken zur Magie hinter sich gelassen. Das Innere, was nun frei liegt, hat an Kraft zugenommen, ebenso wie sein Verständnis der sechsten Welt.

Die Katzenspur im Sand hat die Entscheidung in den überschwemmten Sprawl vorzudringen, weiter verfestigt, harte Gründe wären nötig, ihn von diesem Pfad abzubringen.

Dann war da die “Aussprache“ mit Andikan, auch diese Sache scheint nun geklärt, man weiß nun, wo man steht.

Seine Involvierung in die Geschicke des rauchlosen Feuers ist ebenfalls offenbar und offensichtlich, es wird Zeit, dass er den anderen erklärt, wie tief seine Verbindung mit Atra mittlerweile ist.
Die eingebrannten Schriftzeichen auf seinem Unterarm sind der nächste Schritt eines Weges, dessen Ende er zwar noch nicht sehen kann, welchen er aber bis zum Ende gehen wird. Für den Moment sind sie desinfiziert und verbunden, Geheimnis noch verborgen, die rote Bandage ist jedoch wieder um den Unterarm gewickelt.

Und dann ist da die Sache mit seiner Schulter. Zufall? Aber es gibt keine Zufälle! Der Soldat war ein Scharfschütze: 2e régiment étranger, 2e compagnie, Tireur d’élite „guerrier fantôme“.
Aber der Soldat ist tot?
Dann ist der Scharfschütze auch tot?
Wird er jemals wieder mit einem Gewehr schießen? Wir er jemals wieder seine Fähigkeiten als ein „guerrier fantôme“ nutzen um seine Ziel zu erfüllen? Wir er seine Schulterrichten lassen? Die Antwort ist Ja.
Wird er Rolle des reinen Scharfschützen wieder einnehmen? Sieht et sich in seinem eigenen Geist noch als Einer? Die Antwort ist Nein.
In diesem Team ist er nun der Anführer, in seinem Geist ist er ein Jäger. Verwandt vielleicht, aber nicht das Gleiche. Zeit für einen symbolischen Tausch!

Im Laufe der nächsten Stunden kommt es zu folgender Situation:
Régicite hat sein Gewehr vor sich aufgestellt und prüft alle Einzelteile genau, reinigt und ölt sie mit übertriebenem Aufwand und Sorgfalt, gerade so als wollte er sicher stellen das der Zwerg seinem geliebten Gewehr nichts schlimmes angetan hat. Das Einzige, was fehlt, ist, dass er beruhigend mit der Waffe redet. Dann winkt er Copper zu sich herüber:
„Man verleiht seine Waffen nicht. Die taktische Situation hat es nötig gemacht, aber…“
Sein Blick wandert über die Einzelteile auf dem Tisch, weniger als es bei vielen anderen Gewehren üblich ist:
„Diese Gewehr habe ich von einem Büchsenmacher nach meinen spezifischen Vorgaben machen lassen. Der Verzicht auf Magazin, Gasdrucklader, so wie die Verwendung von 60% Titan, machen es zu einem der robustesten und leichtesten Point cinquante fusil sniper.“
Während dieser Erklärung hat er die Waffe wieder zusammengesetzt:
„Das Gewehr hat 21 bestätigte Abschüsse, mein bester Treffer war ein 800m Schuss, Rotorkopf eines Shykorki Skycranes, das Dinge viel wie ein Stein vom Himmel!“
Für einen kurzen Moment verliert er sich in der Erinnerung an den ersten Auftrag der SFG-77…wie lange war das jetzt her? 15 Jahre…? Oder nur drei? Dann kehrt er in den Moment zurück:
„Diese Team braucht einen Scharfschützen, eine Rolle die ich als der Offizier dieser Einheit nicht mehr erfüllen kann.
Man verleiht seine Waffen nicht. Es ist gegen die Vorschriften, es verstößt gegen die Etikette und gegen alte Traditionen. Ein Krieger muss mit seinen eigenen Waffen in den Kampf ziehen!“
Mit diesen Worten schiebt er die Gewehrtasche zu Copper hinüber:
„Ich hoffe es wird dir so gute Dienste leisten, wie es sie mir geleistet hat.“

Régicides Erträge

Die Wanderung zu den Scrappern am Leyland Transporter zeigte einmal mehr, dass sich die Mühlen langsam drehen. Weg und Situation bei der Sackgasse waren unverändert. Das mitgebrachte Wasser wurde mit Interesse begutachtet und dann so behandelt, wie es die Scrapper mit Dingen taten, die man nicht einschätzen konnte: es wurde ins Inventar aufgenommen – zumal es eben sauberes und mutmaßlich unbehandeltes Wasser war!

Die Frage nach Schutzausrüstung erläuterten Wasotu und Lomo wie folgt:

„Kampfeinheiten der Konzerne in der inneren Sahara benutzen aktive Lösungen, die sowohl panzern als auch vor der Witterung schützen. Sowas haben wir nicht und können wir auch nicht improvisieren. Andererseits ist das Sandorakel nicht in der inneren Sahara. Man kann also mit kluger Reiseführung, zum Beispiel durch Wasotu, und einfachen, traditionellen Kleidungen durchaus bis zum Sandorakel vordringen, notfalls zu Fuß und mit Lasthilfen. – Konventionelle Panzerung kann Lomo bauen. Er ist der Rüstungsschneider bei uns. Aber das Material und Werkzeug ist in Nakatombe. Hier vor Ort lässt sich nichts improvisieren was Mühe und Gewicht wert wäre. Was unsere Schutzkleidung an geht, die ist aus Material der Tuareg gefertig, die man nur in der inneren Sahara handeln kann. Außerdem entfaltet sie nur mit passenden Cybermodifikationen ihren vollen Wert. Wahrscheinlich nicht das, was ihr wollt? Wir können euch also nur mit traditionellen Hitzeschutzkleidungen dienen, die können wir hier handeln, und euch kräfteschonend durch die Wüste führen. Panzerwesten oder Helme können wir ohne Werkzeug und adäquatem Material nicht improvisieren.“

Was das Sandorakel anging, konnte Régicide einen ganz guten Überblick durch Zeugenberichte und das ein oder andere, schlechte Digitalfoto erlangen. Nach zahlreichen Gesprächen konnte er einige Erkenntnisse zu den taktischen Datenbanken hinzufügen.

Alles weitere gelang Régicide soweit. Die Überarbeitung der „Campingausrüstung“ war eine gute Idee und beugte so manchen Materialschäden und bösen Überraschungen vor. Die Feldbetten mit den Klimanetzen durften wohl als Geschenk des Prinzenpaars gelten, jedenfalls wischte Abé eine Nachfrage diesbezüglich zur Seite. Auch das Material für ein gemeinsames Klettern am Steinbaum sollte hinreichen, um gravierende Stürze zu vermeiden.

Letztlich blieb nur die Suche nach dem rauchlosen Feuer. Eine Metapher, die bisher so nicht aufgetaucht war. Nur Afkarasar hatte sich als das tödliche, das erstickende, giftige Feuer zu erkennen gegeben. Visionen aus brennendem Teer, Bitumen, Autoreifen und Schweröl. Copper war ja ein engagierter Berichterstatter dieser und ähnlicher Impressionen gewesen. Régicide konnte diesen Antagonismus spüren. War Silah das reine Feuer? Zumindest lag der Name „Silah“ nahe an dem Gattungsnamen der „Sila“, das hatte Régicide aufmerksam beobachtet. Tatsächlich fand sich auch in Gesprächen mit Personen bei den Steinsetzungszeremonien ein Hinweis. Einer der Steine außerhalb des Lagers, im Norden, war vor gut zwei Wochen durch eine Gruppe errichtet worden, deren Sippenmutter angeblich eine Inkarnation der Silah sein soll. Die Gruppe hatte den Stein in grellem Rostrot bemalt und lediglich eine kleine, rechteckige Fläche plan geschliffen. Dort hatte man eine bedruckte Folie auf den Stein aufgebracht, die das Portrait einer geschmückten Frau mittleren Alters zeigt. Augenscheinlich eine Fotografie. Darunter stand in den Lettern des ostafrikanischen Tigrinia „Silah Batu“. Vieles sprach dafür, dass der Stein nicht von einer der vor Ort stark präsenten Gruppierungen aufgestellt worden war. Régicide durfte annehmen, dass es sich um Menschen aus Äthiopien, Eritrea oder einer nahegelegenen Region gehandelt haben musste. Auf der Erde um den Stein fanden sich Hinweise darauf, dass ein solides Feuer gebrannt haben muss, bevor man die Farbe aufgetragen hatte.

Silah Batu

Ehe sich Régicide versieht, erwischt er sich dabei, wie er seine Hand flach gegen den roten Stein legt. Wenn Régicides Vermutungen weiter in diese Richtung schweifen und es wirklich eine alte, vielleicht von niemanden wirklich entdeckte Verbindung zwischen dem Feuer dort und dem Feuer hier gibt, dann wäre er Atra ja eigentlich seit Beijing nicht mehr so nahe gewesen wie jetzt gerade… Welche Fragen würde das aufwerfen?