Norge landet in den frühen Morgenstunden des 3. Oktober 2073 mit dem Schiff in Dahomey, genauer: an einem Frachtkai in Lome. Am Hafen kam es zu den normalen Kontrollen. Natürlich hatte Norge auf Waffen verzichtet, selbst auf die Pistole, die er normalerweise bei sich trägt. Warum Sachen verkomplizieren, die schon kompliziert genug sind? Schließlich wurde er natürlich zu einer zufälligen, verdachtsunabhängigen Kontrolle heraus gebeten. Natürlich hatte Norge aber auch damit gerechnet und die nötigen Papiere dabei, um diese vorlegen zu können. Doch die brauchte er gar nicht. Ein Angestellter einer Sicherheitsfirma öffnete ihm im Hinterzimmer einfach eine Tür und nach ein paar Gängen stand er im Gebäude einer genossenschaftlichen Fernhandelsgesellschaft. Nach kurzem Halt auf einer Wartebank mit überwiegend afrikanischen Matrosen wurde er von einem unscheinbaren Mann mit legerem Jacket abgeholt und nach draußen begleitet. Die illegale Einreise musste irgendwie über diese private Schifffahrtsgesellschaft eingefädelt worden sein.
Norge buchte sich dann einen zivilen Inlandsflug nach Moskuwa. Dort angekommen schaute er sich dann nach einem Weg in die Innenstadt um. Er wählte die Straßenbahn und fuhr dort mit vielen Leuten zusammengedrängt los. Sein Plan war es sich erstmal ein wenig zu akklimatisieren. Die Stimmung aufnehmen. Sich ein wenig umsehen. So verließ er dann auch die Bahn ein wenig entfernt vom HQ und lief durch das Viertel in der Unterstadt vonm Stadtteil Valley Reach. Da es immer noch Morgen war, traf er auch einige spielende Kinder in verschiedenem Alter an. Klar, ein Slum war es hier nicht, aber nach nordeuröpäischem Standard doch recht ärmlich. Auch kamen ihm die Leute recht exotisch vor und diese wiederum betrachteten ihn mit großen Augen, teils neugierig, teils wohl auch mit Argwohn. Kein Zweifel, dachte sich da Norge. Hier bin ich wohl der Exot. Er streifte weiter durch die Straßen und besuchte auch mal eine Bar, schon in der Nähe des HQ’s. Er bestellte sich ein lokales Bier und versuchte mit dem Barkeeper ein lockeres Gespräch anzufangen. Das war gar nicht so einfach. Französisch war hier die häufigste Sprache, direkt nach… anderen Mundarten. Englisch ging aber auch ganz gut. Danach zog er weiter und versuchte von einem der Kinder herauszufinden, ob es in dem Viertel so was wie ein Waisenhaus gibt. Ein zwölfjähriger Ork mit tiefschwarzer Haut und wildschweinhaften Hauern hatte Mumm, sich aus seiner Clique zu lösen und versuchte das Gespräch mit Norge. Dicke Lippe und viel heiße Luft, aber der kleine war vorsichtig. Tatsächlich brach nach einer Weile das Eis und die Clique entspannte sich etwas. Als Norge sein Feuerzeug als „Bezahlung“ für den gesuchten Dienst eintauschte, gab der kleine Ork mit festem Schlag auf seine eigene Brust zu verstehen, dass er hier der Macher war und dass er sich schon mit jedem Touristen in Dahomey anlegen würde, wenn ihm einer dumm käme. Aber Norge war ja in Ordnung! So ließ er sich von drei Jugendlichen hinführen und konnte es in Augenschein nehmen. Das Waisenhaus war topmodern. Eine modulare Leichtbauweise. In Seattle würden hippe Elfenstudenten drin wohnen wollen! Tatsächlich waren viele der anderen Gebäude drumherum wesentlich billiger und weniger ästhetisch. Doch es blieb im Kern ein Waisenhaus. Einige ältere Dahomee kümmerten sich um den Betrieb. Norge gewann den Eindruck, dass ältere Jugendliche jüngere oft bei der Hand nahmen und gemeinsam in der Unterstadt Dinge erledigten oder spielten. Das Waisenhaus bot wohl „Ersatzfamilien“, in denen die Jungen recht schnell Verantwortung übernehmen mussten. Schulranzen sah man auch aufblitzen.
Durch die staubigen Straßen merkte Norge auch langsam, wie die Temperaturen stiegen und ihm doch ein wenig zu schaffen machten. Es würde Zeit werden, ins HQ einzurücken. Dennoch verzichtete er auf ein Taxi. Er nahm seinen Seesack wieder auf die Schulter und ging den Weg zurück. Angst hatte er keine. Schließlich war es kein Elendsviertel und selbst ohne Waffe war der Ork ja nun nicht gerade ungefährlich. So ging er sehr selbstbewußt seines Weges und wurde auch nicht eines Besseren belehrt.
Schließlich kam er am Gebäude mit dem HQ an. Einmal drum rum gehen, um ein Gefühl für die Abmaßungen zu bekommen und dann rein und hinauf ins richtige Stockwerk. Dort angekommen, bezog er das Zimmer und stellte fest, dass Bresslin noch nicht eingeräumt hatte. Also suchte er sich das Bett nahe der Tür aus und richtete sich ein. Danach ging er erstmal ausgiebig duschen. Erst nach dem Frisch machen suchte er die Gesellschaft der anderen zur Begrüßung.



