Zoe lässt nicht locker…

Zoe lässt nicht locker. Sie klopft nach dem Versuch mit Regicide nachts an die Türe von Negatives Kajüte. Der Elf öffnet vorsichtig, entspannt sich aber rasch beim Anblick der Gnomin. Er begrüßt sie herzlich und lässt sie ein. Zoe blickt sich in der aufgeräumten und wenig dekorierten Kajüte um und schaudert etwas ob der Kühle. Sie kommt daher rasch zur Sache: „Du weißt so gut wie ich, dass wir mit der SimSense-Einrichtung nur vorwärts kommen, wenn sich jemand mit Datajack auf die Sache einlässt. Da bleiben nicht viele!“ kommt Zoe rasch zum Punkt. Negative bietet ihr eine Tasse Tee an, schenkt zwei „Shigeruu“-Tassen ein, reicht Zoe eine und setzt sich auf das Bett und seufzt: „Ich kann deinen Enthusiasmus verstehen, die Simsense auszuprobieren, aber ich bin da ein denkbar schlechtes Versuchskaninchen. Und weil Du mir nicht und nicht locker lassen wirst, muß ich wohl etwas ausholen. Bevor ich bei der AIM untergekommen bin, war ich ein paar Jahre in Namibia – oder besser gesagt Azanischen Konföderation und naja, mir ging es in der Zeit nicht wirklich gut. Ich hatte psychische Probleme und dabei durchaus auch Kontakt zu BTL. Man, dieses Zeug entwickelt einen Sog, dem echt hart zu widerstehen ist. Du kannst einfach nicht aufhören, noch mehr von diesen Eindrücken zu kriegen! Deshalb habe ich ein echtes Problem damit, wenn Du mir nochmal mit so einer SimSense-Grütze in meinen Kopf willst. Falls Du Dich erinnerst: als diese Scheisse zusammen mit anderen Drogen hier an Bord aufgetaucht sind, hab ich deshalb so harsch reagiert, weil ich am Totenbett meiner Großmutter Kakuve geschworen habe, die Finger davon zu lassen. Daran werde ich mich halten!“

Zoe lässt nicht locker. „Das ist ja nun nicht das Gleiche, das weißt Du so gut wie ich! Wir werden ja nicht irgendwelche hypersensitive Eindrücke in deinen Kopf drücken, sondern umgekehrt will ich fühlen, was Du gefühlt hast!“

Negative antwortet sarkastisch: „Da antworte ich das Selbe wie der Norm: willst Du das wirklich?

tbc…

SPC Mike Goodfellow befand sich schon in hektischer Aufruhr, als das Team (oder erste Teile des Teams) zur Shigeruu zurückkehrten. CPT Uzun hatte ihn doch tatsächlich für die logistische Unterstützung bei Operation Ancient Mariner abordnen lassen. Er war im Groben informiert, aber offenbar nicht über die Ergebnisse aus Kapstadt. Frederic Denton war ihm kein Begriff und auch dieser Drei-Stufen-Plan war ihm unbekannt. Er bemerkte recht schnell, dass er ein langes Gespräch mit Captain Uzun gehabt hatte. Das Gespräch hatte ihn ziemlich überfordert. Aber im Wesentlichen hat Uzun ihm wohl seinen Status klar gemacht. Und der sah nicht vor, dass er zum obersten Geheimnisträger bei Operation Ancient Mariner werden würde.

Auf der Shigeruu hatte Goodfellow vor allem einen virtuellen Gefechtsraum eingerichtet, abgestimmt auf die neusten Standards der Kommunikationsausrüstung, die man beim Einsatz erhalten würde. Scheinbar würde die SFG 77 Hand an so manch teures Spielzeug legen dürfen. Nicht zuletzt auch das Tauchboot, eine Yamatetsu Manta. Im virtuellen Gefechtsraum konnte man das Modell bereits betreten und Zoé hätte die Gelegenheit, sich mit der Steuerung des Tauchboots vertraut zu machen und zu üben. Auch die Karastraße war modelliert, mitsamt Unterwassergeografie und Eisbergen. Es wurde deutlich, warum so viele Schiffe auf eine Durchfahrt warten mussten. Die Eisbrecher schafften es in dieser Jahreszeit nur, die Karastraße auf zwei Kilometer Breite eisfrei zu halten. Auf der virtuellen Seekarte sah man Dutzende von Handelsschiffen weit vertstreut vor den beiden Mündungen der Karastraße liegen. Wie Murmeln auf einem glänzenden Marmorboden. Etwas, das bisher nicht wirklich berücksichtigt worden war, wurde urplötzlich deutlich: man war da draußen nicht alleine. Ähnlich wie am Bosporus oder bei Gibraltar würde die Stokoschka in einer Traube von Fernhandelsschiffen dümpeln. Aus Sicherheitsgründen lag aber mind. 1 Seemeile zwischen den Schiffen.

Neben den Seekarten umfasste der virtuelle Gefechtsraum natürlich auch ein Schiffsmodell, soweit es eben bekannt war. Da die Stokoschka eine deutlich modifizierte Variante ihrer Baureihe darstellte, hatte man sich entschlossen nur die Sachen zu modellieren, von denen man sicher sein konnte, dass sie zutrafen. Dronenhangars, Labore und vielleicht auch ein Sicherheitssystem gehörten nicht zur Standardausstattung dieses Schiffes.

Drittens bot der Gefechtsraum auch Gelegenheit sich tatsächlich zu „treffen“. Ein digitaler Lageraum erlaubte es Captain Uzun von der Cassiopeia, Offizieren auf der HDT Juno und der SFG 77 auf der Shigeruu über Matrix-Terminals zusammenzukommen und den Einsatz an einem virtuellen Kartentisch vorzubereiten.

Während Goodfellow also mit der Einrichtung des virtuellen Gefechtsraums vorrangig beauftragt war, kam die Simsense-Technologie dann hinzu, als das ganze Team auf die HDT Juno verlegt wurde. Dort fand sich dann das Tauchboot vor. Man konnte das Klima schnuppern und vielleicht auch so manchen, nervösen Einsatzeifer entwickeln. Zur Simsense-Technologie äußerte sich Goodfellow allgemein so:

„Also, das ist wie auf dem Special Transport Ground, in Indonesien. Im Wesentlichen. Jedenfalls was die Master Unit angeht. Der Simsense-Prozessor verarbeitet Direct-X Signale in Echtzeit, rechnet sie in leicht reduzierte ATC-Signale runter und in der Suppe kann dann Zoé quasi mitschwimmen. Anders als in Indonesien hat man also ungefilterte Hirnsignale. Die volle Erlebnisdichte. Das ist schon krass. Heisse BTLs werden so gestrickt. Wenn Mr. Morellè das mit dem Trode-Net macht, besteht keinerlei Risiko, außer vielleicht die dreckigen Geheimnisse, die er über die anderen im Team so angesammelt hat. Hehe! Also ne, ich mein rein biotechnisch besteht null Gefahr. – In dem Moment, wo ein Versuchskaninchen über Datajack dranhängt und Zoé dann den roten Schalter umlegt, ist man in einer ganz neuen Dimension. Je nachdem, wie gut Zoé mit der Simsense-Interpretation zurecht kommt, kann sie die Bewusstseinscharakteristiken einer erinnerten Situation rekonstruieren. Also wie groß die Erlebnisdichte, der Seinsglaube und auch die Modalitäten waren. Man könnte also erfahren, ob die Zielperson eine bestimmte Szene mit großer Gewissheit erinnert, ob die Eindrücke verlässlich sind und welche Emotionen dabei vorherrschten. Wenn’s gut läuft, könnte Zoé wohl rauskriegen, ob jemand sich nur was eingebildet hat oder sich die Erinnerung rückblickend schön redet, was durcheinanderwirft und soweiter. So wie das erste Date oder die Flitterwochen, ne?

Naja, und was das Reprogramming angeht. Das ist umgepoltes ASIST-Biofeedback. Der Simsense-Server sendet einfach ASIST-Signale über dem Grenzwert an das Gehirn und dann ist Schluss mit dem Kurzzeitgedächtnis. Kann auch nem Decker oder Rigger passieren. Das funktioniert aber nur mit dem Kurzzeitgedächtnis so schnell und einfach. Langzeiterinnerungen können nur nach Wochen oder sogar Monaten umprogrammiert werden. Das ist krass illegaler Scheiß. Ich hab gehört, die chinesische BTL-Szene hat das an Superreiche verkauft, um sich ihre Vergangenheit zu polieren. Und der Marionetten-Päsident von Aztlan 2046 soll angeblich einen Konzernkrieg im Kopf gehabt haben, den es niemals gegeben hat. Für solche Gespenster braucht es aber ne BTL-Klinik, sag ich mal. Das kriegt der Server im Tauchboot nicht gebacken.

Also, coooole Sachen! Wann soll das starten? Macht jemand Popcorn?“

Danke Regicide! Das wird uns sicher sehr helfen die nötigen Informationen zu erhalten, großartig dass Du dazu bereit bist, das weiß ich sehr zu schätzen! Ich kann aber nicht dafür garantieren dass das keine Nebenwirkungen hat!

Deine Klamotten kannst Du aber erst mal anlassen. Sie muss grinsen
In der Praxis sieht das so aus, dass wir uns ein konkretes Erlebnis quasi aussuchen und Dir vorher nicht sagen worum es gehen wird, damit du nicht ohnehin daran denkst. Das heißt Sex fällt raus, das hast Du ja offenbar eh dauernd präsent. Sie kann sich ein noch breiteres grinsen nicht verkneifen, reißt sich dann aber zusammen.

Die anderen sie blickt in die Runde stellen dann konkrete Fragen zu diesem Ereignis. Also nehmen wir als Beispiel an, wir beschließen dass es um Deinen letzten Skiurlaub geht. Dann müssen wir überlegen, wie wir dieses Ereignis wieder in Deine Gedanken bringen können. Im Idealfall haben wir also davon ein Foto mit Urlaubsgrüßen von Dir geschickt bekommen. Das wird Dir dann gezeigt. Wenn wir wissen, dass Du da gerade immer ein bestimmtes Lied gehört hast, spielen wir Dir das vor.
Sobald Du also damit konfrontiert wirst, werden Deine Gedanken in diese Richtung gehen. Dir fällt ein, dass es zu warm war für die Talabfahrt, dieses Bild spiegle ich dann den anderen auf den Monitor. Also können diese Dich fragen; wie bist Du dann ins Tal gekommen. In dem Moment denkst Du automatisch an die Seilbahn und dass da 3 Personen mit Dir drin saßen. Das kann ich nun wieder auf den Monitor spielen um Deine Erinnerung an die Personen zu schärfen und den Anderen eine Möglichkeit zu geben tiefer nachzufragen.
Ich kann die ganze Zeit nicht mit euch kommunizieren, aber euch hören und euch Bilder übermitteln. Und später auswerten was vielleicht nicht offensichtlich war, zumal die Bilder sicher oft verschwommene Erinnerungen sind. Ich hoffe so konnte ich von der Vorgehensweise ein gutes Bild für euch zeichnen. Alles was wir also für unser Missionsziel dann von dem verseuchten Habitat und dem Unfall vorab herausfinden können, alles was wir an Bildern, Tönen, weiteren Personen in seine Aufmerksamkeit bringen können hilft uns, eine Art Einstieg zu seinen Erlebnissen an dem Tag zu bekommen.

Was ich mit Regicide vorab auch testen möchte, ist wie einfach ich aus der Nummer wieder rauskomme. Meine Idee wäre, dass für den Fall dass ich das nicht mehr so gut steuern kann, ihr wenn alle Fragen gestellt sind, Regicide etwas vor die Nase haltet was aber mich ansprechen soll und ihn für den Moment aus seinen Gedanken reißt. Zum Beispiel ein Bild von Dingo oder so.

Aber es kommt noch eine weitere Sache ins Spiel und somit musst Du, Regicide auch keine Sorgen um Deine dunklen Gedanken haben. Du hast keinen Data-Jack. Das heißt, bei Dir kann ich das ganze nur oberflächlich betrachten was mir für den ersten Versuch ohnehin viel lieber ist. Aber im Idealfall finden wir noch jemand, mit dem wir das gleiche danach nochmal machen können in den ich tiefer eintauchen kann und auch die Gedanken und Gefühle miterlebe. Zumal das dann auch Einblick in die unbewussten Dinge geben kann, die derjenige selbst gar nicht im Fokus hat.

Ich werde mich mit Goodfellow besprechen ab wann uns die Technik zur verfügung steht.

 

Bazut sieht Zoe einen kurzen Moment an, dann zuck er die Schultern und zieht die Krawatte aus:
„Ok, du kannst mich benutzen.“
Wahrscheinlich wir es Leute geben die in nun mit Bestürzung, Überraschung oder Unglauben anstarren:
„Was??? Ich habe euch bereits die eine Sache erzählt die ich sogar vor mir selber verheimlichen wollte. Was kann noch passieren? Das Zoe meine sexuellen Vorlieben erfährt? Ich bin keine Gnomen-Fetischist und auch kein sexueller Gewalttäter,  das wird für sie wahrscheinlich viel peinlicher als für mich!“
Dann sieht er Zoe an:
„Aber ich bin keine guter Mann, da ist eine Menge dunkler Gedanken in meinen Kopf…also sei dir sicher das du das wirklich tun willst. Ok, wie weit muss ich mich ausziehen?“

Ich habe ein wichtiges Anliegen bezüglich der Vorbereitungen für Operation Ancient Mariner.

Die Theorie der ganzen Bewusstseins-Infiltrierung ist mir bekannt. Allerdings weiß ich nicht, welchen Teil man mir zugänglich macht und welchen nicht. Ihr werdet auch gleich verstehen woher meine Bedenken kommen. Die ganze Technik zur Bewusstseinsmanipulation die wir an Bord haben werden kommt aus den Kellern der Yutani Corporation. Offiziell gibt es diese Möglichkeiten gar nicht… Das wird Norge bestimmt besonders begeistern, aber ich bin damit auch alles andere als glücklich. Vor allem weil wir das einsetzten sollen ohne dass wir ernsthaft darauf geschult werden oder wissen was genau die Auswirkungen sein werden. Mal ganz abgesehen von den moralischen Aspekten, aber wozu wir da aufgerufen werden ist doch grob fahrlässig.

Aber zu viele Fragen zu stellen kommt in diesem Job nicht so gut an, damit müssen wir wohl leben. Als ich CPT Uzun gefragt habe, ob es die Möglichkeit gibt, dass ich mich auch in der Praxis mit der Technik vertraut mache um dann im Ernstfall auch vorbereitet zu sein, und ob dafür eine Person zur Verfügung steht, ist er mir etwas ausgewichen. Ich würde es mal so interpretieren, wir können Zugriff darauf erhalten, müssen aber unsere eigenen Versuchskaninchen stellen. Freiwillige vor! Ich fürchte ich hänge da ohnehin drin. Und Goodfellow will ich auch dabei haben!

Ach ja, um die Frage direkt zu beantworten; Nein, das ist leider kein Scherz.

Danke Negative für die Mary-Beth-Sache. Bleib da bloß dran. Wir haben ja bei Gelegenheit noch nen Jahresurlaub zu vertrödeln.

Und naja, ich seh das mit der Mission wie Norge. Arbeit ist halt Arbeit. Ich hab als Student mal Pizza ausgefahren, da haben sie mich auch nicht gefragt, ob ich sie lieber erst fahre, wenn sie kalt ist.

Was die Kontakte angeht, ich halte es für sinnvoll. Alle 4 im Idealfall. Und Norge, ich bin auch kein Fan der Yutani, aber gerade deswegen halte ich es für besonders wichtig sich jemanden bei denen warm zu halten. Aus dem Weg gehen können wir denen eh nicht ganz, dann will ich wenigstens ne Chance haben zu wissen welche Wege sie besonders lang gehen. Die Frau könnte wirklich bei der Mary-Beth-Sache nützlich werden, falls es in Manila bleibt. Und der Staatsanwalt und Denton. Nunja, manchmal ist mehr eben wirklich mehr. Ich wäre dafür zu schauen, wen wir kriegen, auch wenns Spesen verschlingt.

 

Na, ich muß ja nicht gefragt werden. Ich bin fest angestellt und wenn ich gebraucht werde, dann bin ich da. Auch wenn ich gerne den Skiurlaub gemacht hätte. Dann halt nächste Saison oder auf einem Gletscher später im Jahr. Wird aber knapp und eine Schiffskaperung ist icht ohne würde ich meinen. Kommt gleich nach Flugzeug stürmen. Das wird eine Anspruchsvolle Sache.

Ich würde mich schon drann beteiligen Negative, es ist nicht so das ich mich da komplett raushalten möchte. Nur halte ich einen Kontakt bei Yutani für überflüssig und nicht wünschenswert. Die andern zwei wäre was und dann bleibt auch mehr für den einzelnen übrig. Wir können ja mal zusammenlegen und schauen wieviel jeder bereit ist zu geben für welchen Kontakt. Dann teilen sich die Geldgeber den Restbetrag auf. Wenn ihr halt auf den Yutani besteht, dann bin ich halt raus. Kann man dann sicher auch irgendwie aufdröseln, aber ich hätte dann immer das Gefühl denen Geld gegeben zu haben. Dann geb ich euch lieber mal ne Pizza aus.

Bazut scheint von Zoes Vorschlag nicht begeistert zu sein:
„Ich für meinen Teil muss sagen, das ich kein Interesse habe, mich in die Angelegenheiten dieser Leute zu involvieren. Daisuke-dono ist uns einen Gefallen schuldig, wir haben das Mandat unseres Aufrtages weite überschritten um im dienlich zu sein. Das wird er nicht vergessen.
Das selbe gilt für Tambusai. Sie für eine spätere jagt auf Owens als mögliche Hilfe warm zu halten mag sinnvoll sein, ansonsten bewegen sich diese Personen in Kreisen in dehnen ich mich nicht wieder finde…oder wieder finden will.
Versteht mich nicht falsch. Ich finde es nicht schlecht, sich in diese Art von System zu integrieren, es ist nur nichts für mich. Wenn ihr das anders seht, geben ich gerne meinen Anteil am Geld, so das ihr eure Infos-Basis ausbauen könnt…ich profitiere letztendlich auch davon.

Er wendet sich an Negative:
„Philippe, niemand findet deine Recherche als Zeitverschwendung. Wenn es uns gelingt, Owens Tochter für einen gewisse Zeit zu überwachen, kann es uns auch gelingen in zu finden. Das ist eine Polizei-Operation und ein großer Fall wird gelöst in dem man langsam und methodisch, Häppchen nach Häppchen, seine Informationen zusammen trägt und erst dann den Haftbefehl beantragt, Lange bevor man den Zugriff macht. Jetzt bleibt aber schon wieder keine Gelegenheit!
Den letzten Satz kam in einem Tonfall der zeigt das ihn etwas ärgerlich macht:
„Was mich stört ist die Tatsache das man uns erneut einem Auftrag zugeteilt hat, ohne uns zu konsultieren oder zeit zum Ausruhen zu geben. Das, gepaart mit der eher unwilligen Zahlungspolitik der AIM, fängt an mich zu irritieren.
Ich brauche mehr als fünf Tage um meine Angelegenheiten zu regeln! Vor allem wenn ich zwei der fünf Tage im Flugzeug verbringen muss! Sechs Wochen, besser noch acht. Ich kann die Op. ja einfach aussetzten, keiner Zwingt mich. Bis auf die Tatsache das man sein Team nicht alleine lässt!“

Nach dem kurzen Rant beruhigt er sich sofort:
„Die Vergangenheit zeigt das wenn ich euch alleine lasse, die Hölle über euch herein bricht und damit endet das ihr euch mit erwachten Elementen verseucht und in die Machenschaften von KIs verwickeln lasst.“
Dann noch mal zu Negativ:
„Die Sache mit dem fliegenden Arm kam zwar überraschend, aber wir alle wussten das etwas passieren würde… Und das war erst der Anfang! Francois muss einen Ausweg aus seiner Situation finden. Also noch mal, ihr solltet alle einen Plan in der Hinterhand haben um mit ihm Umzugehen wenn er einen neuen Versuch startet.“
Dann schaut er zu Brick und lächelt grimmig:
„La seule issue est à travers!“

MBO

…Einige Stunden vorher…

Kaum hat das Flugzeug aus Südafrika abgehoben, ruft Negative die SFG77 zusammen.

„Ich bin euch noch meine Erkenntnisse schuldig bzgl. Mary Beth Owen – auch wenn das im Moment in euren Köpfen in den Hintergrund getreten ist. Also, falls es euch interessiert, hier die Gesichter von Mary Beth (links) und zwei ihrer „Begleiter“; oder besser Bewacher… oder Betreuer. Wie auch immer. Die Dame in der Mitte ist vermutlich Krankenschwester und kümmert sich um MB. Ganz rechts ein Zwerg, der Teil einer mindestens vierköpfgen Leibwächtergruppe war.

Stand vor zwei Tagen waren sie in Manilas Innenstadt, genauere Infos kommen noch. Aber wenn ich eure Gesichter sehe, hat das keinerlei Priorität.“ Er wendet sich an den Troll, und vor seinem geistigen Auge erscheint der wegfliegende Arm. „Aber wir haben wohl auch Wichtigeres zu tun.“

 

„Was die Kontakte angeht: ich stimme Zoe zu! Die Bezahlung ist gut, aber ich würde meinen Teil gerne der Sache opfern. Und wenn Norge keine Lust darauf hat, gibt es zwei Möglichkeiten: er behält seinen Teil und der Rest bekommt 6250; oder er wirft ihn in den Topf und wir halten ihn so weit wie möglich aus der Sache raus. Ganz entkommen kannst Du ja eh nicht, Lieblings-Trog!“ stichelt der Elf in Richtung Ork. Dann scheint es kurz, als wäre er überrascht, wie sich der abfallende Stress auf seine Ernsthaftigkeit auswirkt; und sein Gesicht strafft sich wieder. „Ich bin jedenfalls sicher, dass wir mit den Typen wichtige Leute kennengelernt haben. Und die sind im Ernstfall mal mehr wert – und weniger einfach zu kriegen. Was meinen die anderen?

 

Das Ende von Kimono

Am frühen Morgen des 22. Februar 2073 war die SFG 77 in einen leeren Lear-Cessna Platinum gestiegen und hatte den Weg ins Unbekannte angetreten. Captain Uzun hatte das Nachsehen, als sich die geschickt inszenierte Scharade der Miru erfüllte. Kappa YC war das Ziel gewesen. Dort entfaltete sich die geheime Bestimmung von Operation Kimono und endete in der Zusammenführung der drei Geschwister – Miru, Kiru, Asiru – zur neuen, alten Tochter Yutani.

Die Gegenleistung dafür, benutzt worden zu sein, bestand im Wesentlichen aus geschenkter Zeit und Selbstbestimmung darüber. Hatte Miru alles daran gesetzt, nichts dem Zufall zu überlassen und als „Hand Gottes“ die Weichen zu stellen, dann war man auf dem Suborbital nun plötzlich mit dem genauen Gegenteil konfrontiert. Alle Möglichkeiten schienen offen zu stehen. Man entschied sich für Beijing, um dort Atra Khalipour zu suchen – und letztlich zu finden. Zwar standen zuerst Bricks und Régicides Schicksale im Vordergrund, doch alsbald nahm Beijing auch die anderen in die Umarmung. Spätestens die Bergung der Gallerie des Feuers ließ erahnen, dass die Bande zwischen den Mitgliedern der SFG 77 mittlerweile über einen gemeinsamen Arbeitgeber hinaus gingen.

Um die von Miru inszenierte Scharade zur Deckung weiter zu nutzen, brachte das SFG 77 den altbekannten Frederic Denton als möglichen Verhandlungspartner für Operation Kimono ins Spiel. Daisuke Hiku, der Customer Agent der Yutani Corporation, verantwortlich für die Position seines Konzerns im Pazifikkonflikt, nahm die Anregung dankend auf. Inwieweit dies mit Billigung und Wissen von Miru (oder ihrer neuen Gestalt) geschah, blieb unklar.

In Kapstadt stellte sich letztlich heraus, dass Frederic Denton eine gute Wahl gewesen war. Allerdings waren die Umstände schwierig. Es brauchte gehörigen Druck, gute Angebote und vor allem eine Gruppe fähiger Unterhändler, die alle am gleichen Strang zogen. Insbesondere durch die loyale Unterstützung durch die SFG 77 wurde letzteres erreicht. Frederic Denton und seine Kinder konnten gerettet werden. Sein Geständnis zeigte, dass sich die Beharrlichkeit und die gute Erinnerung an die Hintergründe von Operation Whiplash gelohnt hatten. Die kantonesischen Angreifer hatten diesen komplexen Schachzug verloren. Operation Kimono konnte endlich enden.


In Tokio wartete ein lang ersehntes Wiedersehen, als die SFG 77 am 08. März 2073 – nach 15 Tagen ohne Lebenszeichen – wieder aus den Schatten auftauchte. Captain Uzun hatte bereits einen Graben in die Korridore der AIMS Cassiopeia getigert, wo sich die Operationsleitung für Operation Kimono befunden hatte. Und wieder ging die SFG 77 in die Geschichte von AIM ein: noch nie hatte eine Sondereinsatzgruppe eine Mission mit so wenig Stabsunterstützung absolviert. Im Customer Office der Yutani Corporation in Tokio kam es zu den Nachbesprechungen, die in enger Abstimmungen mit den Unterhändlern und Daisuke Hiku stattfinden sollten.

„Meine Herren, Miss Miller, sie können sich vorstellen, wie glücklich das CCOM und ich waren, als wir von einer erfolgreichen Beendigung von Operation Kimono gehört haben. Das waren wahrscheinlich die längsten zwei Wochen meiner Dienstzeit. Es fällt schwer, gute Leute sich selbst überlassen zu müssen. – Wie mir Daisuke Hiku eben berichtet hat, haben die drei Unterhändler dem Japanischen Consortium berichtet. Es ist noch nicht entschieden, wie viel von den Ergebnissen wir erfahren werden. Aber eines ist schonmal sicher: Frederic Denton war ein Volltreffer. Es gibt bereits Rahmenpläne für eine Folgemission, die der unmittelbaren Gefahrenabwehr dienen wird. Ich denke ich kann soviel sagen: die COC verfolgt einen großangelegten Drei-Stufen-Plan, über den Mister Denton wohl intime Informationen besitzt. Wenn er sie teilt, werden wir schnell handeln müssen. Die Initiative liegt nun bei uns.“

Daisuke Hiku, der ältere Japaner mit wachem Geist und gutmütigem Lächeln nickt und stimmt den Ausführungen von Captain Uzun zu. Die SFG 77 sieht den Customer Agent zum ersten Mal in Person. Er war also wirklich keine bloße Illusion der Miru.

„Die Yutani Corporation hat Klugheit und Weitsicht bewiesen, dem Hinweis nach Frederic Denton nachzugehen. Die Ergebnisse übertreffen die Hoffnungen.“ Daisuke Hiku lächelt der SFG 77 schelmisch zu. Auch wenn wohl bisher noch immer nicht bekannt gemacht wurde, wer Denton als Ziel ausgewählt hatte, so scheint es wenigstens Daisuke Hiku nicht vergessen zu haben. „Sie haben erheblichen Anteil daran. Tameo-san war sehr zufrieden mit der Loyalität und entschlossenen Handlungskraft ihrer Leute. Und sogar der übereifrige Kenjiro-san, der seiner inneren Jugend gemäß viel zu viel Ideale und Hoffnungen in die Sache legte, kann nun darauf hoffen, dass mit Frederic Denton ein Rechtsverfahren von Relevanz in greifbare Nähe rückt. Nicht zuletzt wird auch Susila Tambusai mit einem beachtlichen Erfolg zurück nach Jakarta kehren. Soweit ich infomiert bin, wird das ihre Oberen eher überraschen. Sie soll sich sehr gut eingebracht haben. In der Zeit zwischen der „Eskalation“ und der Befreiung der beiden Kinder gelang es ihr, Frederic Denton sicher auf unsere Seite zu manövrieren. Das wäre wahrscheinlich weder Tameo-san noch Kenjiro-san gelungen. – Wie wird es nun weiter gehen? Ich möchte etwas mehr enthüllen und ergänzen, dass die COC plante, Frederic Denton als Agenten weiter zu führen und in den Medienkrieg um den Pazifikkonflikt schadbringend einzusetzen. Diese Rolle sollte er wohl in diesem Drei-Stufen-Plan zu späterer Zeit wieder aufgreifen. In diesem Zusammenhang hätte er auch seine alten Kollegen der Xunxao Gongsi ins Verderben stürzen sollen. Doch nun sieht es anders aus. Er hat bereits angekündigt, die anderen drei verdächtigten Executive Officers zu entlasten. Claudine Montbruillard wird nach seiner Aufforderung aus dem Untergrund auftauchen und für Befragungen zur Verfügung stehen. Letztlich…“ Daisuke Hiku räuspert sich mit einem schalkhaften Lachen, das jedoch eine wölfische Note nicht vermissen lässt, „…haben sie wohl damit auch die Missionsziele von Operation Whiplash erfolgreich vervollständigt. Alle vier XO sind in den Schoß Japans zurückgekehrt. Katsuo-san darf sich glücklich schätzen, solche Samurai in seiner Armee zu wissen!“

„Zu freundlich, Daisuke-dono,“ der Captain rückt die Brille etwas irritiert zurecht und wendet sich wieder an das Team. „Sie haben es losgetreten. Jetzt müssen sie das Endspiel auch beherrschen, meine Herren. Sie haben fünf Tage Freistellung, dann möchte ich sie gerne auf der Shigeruu wissen, für  Vorbereitungen auf Operation Ancient Mariner. Alles muss schnell gehen, unser Zeitfenster ist klein. Aber es wird eine Operation aus dem Lehrbuch für Sondereinsatzkräfte. Wichtig ist, dass wir den Speer jetzt weiter in die Flanke des kranken Tieres treiben.“ Unklar, ob der Captain die bildhafte Sprache gewählt hate, um Daisuke zu beeindrucken, aber der nickt jedenfalls verzückt. „Specialist Goodfellow ist bereits mit der Trainingsvorbereitung instruiert. Er wird ihnen diesmal zur Unterstützung im rückwärtigen Raum zugeteilt. Weitere Dinge klären wir dann bei der Einsatzvorbereitung. Sie können wegtreten.“

Als sich Daisuke Hiku und der Captain anschicken abzugehen, wendet sich der Captain nocheinmal außerhalb des Protokolls leiser an Norge:

„Mister Svenson. Hören sie… Frederic Denton und seine beiden Kinder verdanken ihnen scheinbar das Leben. Ich weiß nicht, ob ihnen das klar ist. Der Einsatz war ja wohl ziemlich rauh und unter Zeitdruck. Bisher ist ja nicht klar, ob der Einsatz zur Gänze freigegeben wird. Ich habe also nur oberflächliche Eindrücke davon, was genau passiert ist. Mister Denton hat jedenfalls gegenüber dem CCOM gebeten, dass man Ihnen seinen aufrichtigen Dank ausrichtet.“

Für Zoé hat CPT Uzun dann das letzte Wort übrig:

„Sehr schöne Haarfarbe übrigens, Miss Miller. Schön, dass sie sich langsam mit der Rasurordnung des AIM-Personals arrangieren können. Das steht ihnen wirklich gut!“

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