Kontrast

Mit dem Erreichen der Orakelhalle im Zuge von Operation Primordial Prophet war eine Stunde der Abrechnung gekommen. Am Ende eines Weges, der vor fast zwei Monaten in Afrika begonnen hatte, stand die SFG 77 nun an einer Zäsur, an der die vergangenen Taten gewogen werden sollten.

In der zentralen Kammer des Orakels konnten Zoé, Norge, Copper, Régicide und Negative zur linken wie zur rechten Hand betrachten, welche ihrer Taten in den vergangenen Wochen den dunklen oder den lichten Idola zugespielt hatten. Neben so manch bedrückenden, peinlichen oder auch unverschuldeten Hypotheken zu Gunsten der Schwarzen Idola, erleuchteten am Ende vier Figuren überwiegend in einem warmen, hoffnungsvollen Ton einer orangefarbenen Morgenröte. Von den ersten Tagen in Moskuwa an, waren die Taten der SFG 77 auf ein positives, ein helfendes Wirken hin ausgerichtet gewesen. Fehler wurden begangen, doch auch bereut. Was nicht rückgängig gemacht werden konnte, wurde durch gute Taten aufzuwiegen versucht. Doch wer war hier die urteilende und richtende Instanz gewesen?

Das in der Erwachten Welt, die Welt der Großkonzerne, der optimierten Ausbeutung, relativen Werte und der Aufhebung bisher bekannter Definitionen von Menschsein, ausgerechnet in Afrika eine Instanz existieren sollte, die eine Spur universeller Moral versprach, mochte manche überraschen. Doch lag darin nicht auch ein unerhörtes Versprechen, das nur die „Wiege der Menschheit“ geben konnte? Fast eine Art Offenbarung? Was würde mit der Welt passieren, wenn die Einwohner von Seattle, Denver, Paris oder London das Privileg bekommen könnten, das der SFG 77 mit dem Besuch des Orkales zuteil geworden war?

Die vier Idola der SFG 77 blieben überwiegend stumm, wussten sich aber durchaus mitzuteilen. In der zierlichen Gestalt eines sechsarmigen, asiatischen Mädchens hatte Norge Miru gefunden, und ihr ein Werkzeug universeller Vernetzung und Kommunikation geopfert. Wieder war die Radio Sorceress Zeugin gewesen. Wer wollte behaupten, sie wäre ein schlechterer Fetisch, nur weil sie es verstand, auf andere Weise eine Verbindung herzustellen, als es die Schamanen für gewöhnlich tun?

Copper hatte sich die Aufmerksamkeit einer dunklen Kraft zugezogen, die sich in Gestalt der entarteten Afkarasar zeigte. Vielleicht lag der Grund für die beharrliche Ausdauer, mit der diese Idola der SFG 77 nachstellte, aber nicht nur an ihm. Denn auf dem Weg der Abrechnung, der zu den vier Figuren geführt hatte, war eben auch ein dunkler Ton der Gewalt an allen hängen geblieben. Coppers Opfer wirkte rückblickend vielleicht etwas verzweifelt, denn es war ein Auflehnen gegen Afkarasar – zugleich eine Absage gegen einen Teil seiner Vergangenheit. Aber konnte er darauf hoffen, Afkarasar mit dieser Geste aus dem Kreis einfach auszuschließen? Man kann sich böse Geister ja nicht einfach aussuchen oder wegwünschen. Sie hängen den eigenen Taten nach. So gab Afkarasar Copper das stinkige Versprechen, das man sich wohl wiedersehen würde, so oder so. Gleichzeitig war die blutige Idola des rauchschwangeren Feuers auf ihren Platz verwiesen worden.

Für Zoé und Régicide war es die einer Kolossalstatue nachempfundene Gestalt einer verschleierten Frau mit Feuerhaar, die sofort gewisse Assoziationen weckte. Das Konzept dieser Idola wirkte so vertraut, aber gleichzeitig so formlos und unfassbar. War es die Idola Silah, oder der Gott Mazda, das Rauchlose Feuer oder gar die seltsame Frau Atra? Feuer schien ein verbindendes Element, und so zeigte das gemeinsame Opfer eine Wirkung. Régicides elementarer Funke und die Gabe an Zoé veränderten etwas. Die unmittelbare Wirkung blieb, neben einem Hauch an Zoés Ohr, scheinbar aus. Aber blieb die Gabe wirklich wirkungslos? Zoé sollte darüber alsbald mehr herausfinden…

Régicide nahm die Gelegenheit beim Schopfe und tauchte in die Keilschriftschnitzereien der Idola ein. Dort fand sich auf dem Rock dreiunddreißig Mal die gleiche Phrase geschrieben, wenn Régicide sich nicht geirrt hatte. Es war eine markante Kette von Kerben. Sie begann und endete mit einer identischen Form. Régicide ging so weit, sich die Markierungen in seinen eigenen Unterarm zu schneiden. Selbst wenn die Zeichen keine Bedeutung gehabt hatten, so hatten sie jetzt auf jeden Fall eine erhalten. Doch was bedeuteten die Zeichen?

Dann war da natürlich die Stele der Idola Andikan, deren Schild Negative aufgenommen hatte. Und dies bereits sehr viel früher, als zuerst vermutet. Negatives Begegnung mit Andikan war eine unvermeidliche Auflösung gewesen, etwas, das bereits seit vielen Jahren im entstehen gewesen war. Mit einer einfachen Geste war Negative in der Lage gewesen, die Hand seiner Idola zu ergreifen, die in Gestalt seiner jungen Großmutter Kakuve aus dem Götzenbild trat.

Schon seit langer Zeit fließt das Blut Andikans in Negatives Blutlinie, bisher stets von Mutter an Töchter und Enkelinnen vererbt. Und als Kakuve vor einigen Jahrzehnten Afrika verlassen musste, da musste sie zuviel zurücklassen – gleichzeitig nahm sie jedoch zuviel mit. Ein böses Omen begann sich auf die Familie zu legen. Der Beginn einer sich sammelnden Schuld, aufgetürmt von einer Idola im erwachen.

Kakuve schilderte Negative in der Orakelhalle, dass sie immerzu versucht habe, ihn vor der Missgunst Andikans zu bewahren. Doch was immer Kakuve versucht hatte, es endete stets damit, dass sich Kakuve vor Andikan mehr und mehr verschuldete. Kakuve stand für Negative ein, sie schützte ihn und versuchte ihm zu helfen. Doch es war zum scheitern verurteilt. Es waren Dinge wie Negatives Ignoranz gegenüber den eigenen Eltern, die Geringschätzung der Erwachten Welt und die Vorbehalte gegenüber der Magie, seine Abkehr von Frau und Kind, sein Versagen im Versuch sich als Gründer zu betätigen, sein Ausscheiden aus dem Militär … Davon berichtete Kakuve, und sie sagte, mit jedem vermeintlichen Scheitern, habe sich der Groll Andikans gegen sie vermehrt.

Erst später, als Negative das erste Mal nach Afrika ging, hatte Kakuve erkannt, dass sich Andikan entgegen der uralten Tradition durch einen männlichen Nachfahren manifestieren wollte. Und Kakuve hatte es nicht geschafft, dieses Band zu verwirklichen. So stand Negatives Reise unter einem Fluch, gewirkt aus Kakuves Hand. Sie hatte ihn missgünstig entlassen aus ihrer Obhut als Schamanin seines Blutes. Er sollte als Spielball des Schicksals dem Willen der numehr entarteten Andikan in Afrika willfährig sein – und Kakuve endlich Frieden in dieser Sache bringen. Dann kamen Negatives Monate der Dunkelheit als Sklave im Dienste fremder Mächte. Kakuve hatte nicht mehr mit seiner Rückkehr gerechnet.

Seine Rückkehr kam jedoch, und damit auch Reue in Kakuves Herz. Doch es war zu spät. Erst mit ihrem Tod sollte der Weg beginnen, der Negative in das Herz seiner Herkunft und zu Andikan führen konnte.

Mit dem Fetisch seiner Großmutter und ihren sterblichen Überresten im Gepäck, nahm Negative das Ritual des Übergangs auf, ohne es ahnen zu können. Und doch hatte es ihn schon lange vorher, auf der Shigeruu und in Manila, dazu unausweichlich gedrängt. Die ersten Begegnungen mit Andikan waren rauh, verwaschen und gewaltsam gewesen. Der kleine Diener am versunkenen Panzer hatte ihm zuerst die Hand gereicht. Doch Negatives unbedachter Griff zu einem BTL-Chip der Afkarasar veranlasste, dass sich eine Schwarze Idola vor eine andere schob. Der Berg mit der Göttin auf der Spitze war nicht der Ruf nach willkürlicher Gewalt, sondern nach Ordnung und Unterwerfung um jeden Preis. Ein kleiner, aber feiner Unterschied, wie sich ganz am Ende zeigen sollte.

Die komplizierte, widersprüchliche und vielleicht sogar bedauernswerte Natur der Andikan enthüllte sich Negative deutlicher im Tal der bunten Steine. Die Kraft der Ordnung als Sinnstiftung einer Gemeinschaft, die sich beschützt und sich eine Geschichte gibt, wurde deutlich. Und im Tal der bunten Steine war Negative diesmal Meister und Herr gewesen, nicht willenloser Sklave, wie bei seinem ersten Besuch in Afrika. Das Ergebnis war drastisch und traumatisch für die meisten Beteiligten gewesen. Es zeigte die Natur der Dunklen Idola in ihrer Reinform – und Negatives Gefallen an Macht. Doch auch hier gab es einen Lichtblick. Denn mit Tukka und Rafik zogen zwei Personen aus dem Tal aus, die Negative aus tiefstem, inneren Antrieb heraus zu folgen bereit waren. Trotz alledem.

Als Negative nach vielen Wochen dann sein Schicksal endlich reizen wollte und alles auf eine Entscheidung hintrieb, da lagen dann die Dinge auch viel klarer als zu Beginn. Der kleine Diener der Andikan war ein wichtiger Mittler, der Negative am Wasserfall, gemeinsam mit Tukka und Rafik, hatte wissen lassen, dass Andikan zwei Gesichter trägt. Das eine, das lichte, verabscheuht sie jedoch, aber sie kann es sich nicht herunterreißen. Auch wenn Andikan als entartet galt, konnte sie nicht darüber gebieten, ob Negative sein Erbe in guter oder böser Absicht antreten würde.

Diese Botschaft war vielleicht die bedeutsamste. Und es dauerte weitere Zeit, bis Negative endlich in dieser Orakelhalle stehen konnte, Kakuve ins Gesicht sah und seine Wahl traf. Auf einem erwachten Kontinent mit unermeßlicher Geschichte, mit hunderten von Idola und Tiertotems und Volkgruppen, Familien und Blutsbanden, konnte ein Band zwischen Mann und höheren Mächten nur intim, einzigartig und zutiefst persönlich sein. Und so entschied sich Negative gegen den Willen Andikans dazu, ihre lichte Seite zu umarmen.

Mit der Wahl ihrer versöhnlichen Seite hatte die letzte Etappe begonnen. Die Herausforderung der nigerianischen Prinzessin würde nun Negatives Wahl in die Welt der Sterblichen Übersetzen. Nur der rituelle Kampf kann im Diesseits besiegeln, was in der Welt der Geister bereits entschieden wurde. Dann kann Negative seine neue Maske aufsetzen und die alte abnehmen. Eine Maske der Andikan. Eine Maske im Kontrast.

Das neue Orakel

Nach dem Ende von Operation Primordial Prophet am 24. November 2073 war das Sandorakel, wie man es bisher gekannt hatte, verschwunden. Der felsige Halbmond hatte zwar noch bestand, doch wo ehemals sanfte Dünen den zentralen Orakelfelsen gebettet hatten, klafften nun Dutzende, teils hunderte Meter tiefe, Spalten und Schluchten. Das Gelände war zu einem Labyrinth geworden, sowohl an der Oberfläche, als auch darunter. Tausende Tonnen Wüstensand hatten viele Verwerfungen aufgefüllt und natürliche Rampen und tiefe Becken aus Treibsand geschaffen. An anderen Stellen führten die Schluchten in enge Klamms, in denen sich sogar Wasser sammelte. Niemand hatte bisher einen Überblick über das unterirdische Ausmaß des Naturphänomens. Zahlreiche Höhleneingänge und Schächte ließen vermuten, dass das Orakel, wie die Inkarnation der Andikan es vorausgesagt hatte, sein Gesicht nur gewandelt hatte.

Soldaten der Fulbe

Insgesamt hatte die SFG 77einunddreißig Personen zur Befreiung des Sandorakels angeführt. Die Fulbe hatten fünf Tote zu beklagen, darunter der Anführer Nahama. Der Schamane Yakuba war an seine Stelle getreten. Weitere zehn Fulbe waren verletzt worden. Die vier Gardisten des Prinzenpaares waren größtenteils unverletzt aus den Kämpfen hervorgegangen. Der angeschossene Troll Dillan und der Norm Noran waren bereits auf dem Weg zurück zur Großen Versammlung, um dort von der Befreiung zu verkünden – von dem Versuch der Rückeroberung und den Landveränderungen wussten sie natürlich noch nichts.

Kämpfer der Tuareg

Im Zuge des Rückeroberungsversuchs, als die SFG 77 sich einen Weg aus dem Labyrinth suchen musste, hatte eine unerwartete Hilfe bei der Verteidigung beigestanden. Zweiundzwanzig Tuareg-Krieger aus der inneren Sahara gelangten an die Oberfläche, als die Landschaft aufbrach und die Schluchten einen Weg freigaben. Ob die Tuareg zufällig dort waren, wie weit die Tunnel vom Sandorakel wegführten und ob sie von der Belagerung durch Mercenary Inc. und die Agooji überhaupt gewusst hatten, blieb vorerst unklar. Möglicherweise wären die tiefen Tunnel unter der Wüste ein alternativer Weg in das Sandorakel gewesen, wenn der Weg der SFG 77 in der Vergangenheit ein anderer gewesen wäre? Tukka und Rafik hatten sich den Tuareg jedenfalls in den Tunneln spontan angeschlossen und ihren bescheidenen Beitrag im Kampf geleistet. Fünf Wüstenkrieger waren verletz, zwei getötet worden.

Auf Seiten des Gegners war die Verteidigung und der Versuch der Rückeroberung des Sandorakels katastrophal gescheitert. Mercenary Inc. hatte vom ersten Gefecht sechs Tote zu beklagen, fünf waren sehr schwer verwundet worden. Weitere fünf waren leicht bis schwer verletzt, darunter auch der Offizier der Besatzungseinheit, LT Westerson. Elf Soldaten hatten sich in der Endphase der Eroberung ergeben, so dass von den ursprünglich 23 Soldaten vor Ort 16 gefangen genommen wurden. Ein Soldat war mit einem Agooji in die Tunnel geflohen und dort verschollen.

Der eilige Versuch einer Rückeroberung wurde durch die Fulbe und Tuareg, sowie die SFG 77 in der Endphase des Kampfes, vereitelt. Zwei Flugzeuge hatten 24 Fallschirmjäger abgesetzt, die sich plötzlich einer sich verändernden Landschaft ausgesetzt sahen. Von den vier abgeworfenen leichten Kampfpanzern gelten zwei als verschollen, einer wurde durch Zoé vernichtet und einer durch Copper erobert. Ein Kampfbomber fiehl einer Luftwabwehrrakete der Fulbe zum Opfer. Den zweiten hatte Zoé von ihrem eroberten Panzer aus vom Himmel gepflückt. Einer der Piloten überlebte leicht verletzt und konnte gefangen genommen werden.

Hughes M-3 „Boar“

Sehr zum Gefallen des Lieutenant hatten Lomo und Wasotu vor Beginn der Gegenoffensive den erbeuteten Helikopter in Sicherheit gebracht. Lomo hatte kurzerhand dem Piloten von Mercenary Inc. eine Schrotflinte an den Kopf gehalten und ihn dazu gezwungen, das Vehikel einige Kilometer südlich in den Hügeln zu verstecken. So waren die beiden Scrapper dem heißen Kampfgeschehen entkommen und der Helikopter war unbeschädigt geblieben. So manch einer – vielleicht auch die beiden Scrapper selbst – waren über den Grad erwiesener Loyalität überrascht. Nachdem der Helikopter zum Sandorakel zurückgeführt worden war bemerkte Zoé alsbald, dass ein Scherzkeks auf die Flanken des Fahrzeugs die schwarzen Kennzeichen „LT-1“ in fetten Druckbuchstaben gemalt hatte.

Die Agooji waren bedauerlicherweise wieder einmal sehr flüchtig und schwer greifbar gewesen. Den ausgelobten Ehrenpreis eines Gefangenen konnte keiner entgegen nehmen. Drei konnten zwar beim Versuch, an die Oberfläche zu gelangen, getötet werden und auch drei mindere Sendgeister waren aufgehalten worden, doch damit sind wahrscheinlich drei weitere – und vielleicht auch ein Söldner der Mercenary Inc. – vorerst entkommen. Dennoch gab es einige Erfolge mit Blick auf geborgene Informationen und Beweismittel. Ein Datenkristall und mehrere BTL- oder Datenchips stammen unmittelbar aus der Hand der getöteten Agooji-Schamanen.

Schlussendlich darf man das strategische Fazit ziehen, dass das neue Sandorakel nun zu einem major hotspot geworden sein dürfte. Mercenary Inc. dreht vermutlich am Rad und auch die Agooji mussten erneut eine Niederlage ihrer Agenda hinnehmen, ohne dass sich die SFG 77 allzu deutlich ins Rampenlicht gestellt hätte. Mit den Tuareg sind zudem weitere, schwer einzuschätzende und unerwartete, Akteure auf das Feld getreten. Damit dürfte sich die Sache letztlich auf zwei Extreme hin zuspitzen: Entweder das Sandorakel wird aus der Agenda gestrichen und der Landstrich bleibt nun von Kämpfen verschont – oder es werden weitere Gruppierungen zum Sandorakel reisen, um die Sache unter Augenschein zu nehmen und friedlich oder gewaltsam in die Situation einzugreifen. Wenn die Agooji und Mercenary Inc. weiterhin pressieren, wird wohl auch eine massivere Vergeltung ausstehen. Dem hätte die SFG 77 wohl nur eine Chance zu begegnen, wenn sie massive Unterstützung ins Feld führen kann. Insbesondere eine Lufthoheit wäre absolut notwendig, um den erwachten Ort zu schützen. In der aktuellen Gesamtlage könnte diese Aufgabe nur durch eine Präsenz weiterer AIM-Truppen bewerkstelligt werden.

Régicides Erträge

Die Wanderung zu den Scrappern am Leyland Transporter zeigte einmal mehr, dass sich die Mühlen langsam drehen. Weg und Situation bei der Sackgasse waren unverändert. Das mitgebrachte Wasser wurde mit Interesse begutachtet und dann so behandelt, wie es die Scrapper mit Dingen taten, die man nicht einschätzen konnte: es wurde ins Inventar aufgenommen – zumal es eben sauberes und mutmaßlich unbehandeltes Wasser war!

Die Frage nach Schutzausrüstung erläuterten Wasotu und Lomo wie folgt:

„Kampfeinheiten der Konzerne in der inneren Sahara benutzen aktive Lösungen, die sowohl panzern als auch vor der Witterung schützen. Sowas haben wir nicht und können wir auch nicht improvisieren. Andererseits ist das Sandorakel nicht in der inneren Sahara. Man kann also mit kluger Reiseführung, zum Beispiel durch Wasotu, und einfachen, traditionellen Kleidungen durchaus bis zum Sandorakel vordringen, notfalls zu Fuß und mit Lasthilfen. – Konventionelle Panzerung kann Lomo bauen. Er ist der Rüstungsschneider bei uns. Aber das Material und Werkzeug ist in Nakatombe. Hier vor Ort lässt sich nichts improvisieren was Mühe und Gewicht wert wäre. Was unsere Schutzkleidung an geht, die ist aus Material der Tuareg gefertig, die man nur in der inneren Sahara handeln kann. Außerdem entfaltet sie nur mit passenden Cybermodifikationen ihren vollen Wert. Wahrscheinlich nicht das, was ihr wollt? Wir können euch also nur mit traditionellen Hitzeschutzkleidungen dienen, die können wir hier handeln, und euch kräfteschonend durch die Wüste führen. Panzerwesten oder Helme können wir ohne Werkzeug und adäquatem Material nicht improvisieren.“

Was das Sandorakel anging, konnte Régicide einen ganz guten Überblick durch Zeugenberichte und das ein oder andere, schlechte Digitalfoto erlangen. Nach zahlreichen Gesprächen konnte er einige Erkenntnisse zu den taktischen Datenbanken hinzufügen.

Alles weitere gelang Régicide soweit. Die Überarbeitung der „Campingausrüstung“ war eine gute Idee und beugte so manchen Materialschäden und bösen Überraschungen vor. Die Feldbetten mit den Klimanetzen durften wohl als Geschenk des Prinzenpaars gelten, jedenfalls wischte Abé eine Nachfrage diesbezüglich zur Seite. Auch das Material für ein gemeinsames Klettern am Steinbaum sollte hinreichen, um gravierende Stürze zu vermeiden.

Letztlich blieb nur die Suche nach dem rauchlosen Feuer. Eine Metapher, die bisher so nicht aufgetaucht war. Nur Afkarasar hatte sich als das tödliche, das erstickende, giftige Feuer zu erkennen gegeben. Visionen aus brennendem Teer, Bitumen, Autoreifen und Schweröl. Copper war ja ein engagierter Berichterstatter dieser und ähnlicher Impressionen gewesen. Régicide konnte diesen Antagonismus spüren. War Silah das reine Feuer? Zumindest lag der Name „Silah“ nahe an dem Gattungsnamen der „Sila“, das hatte Régicide aufmerksam beobachtet. Tatsächlich fand sich auch in Gesprächen mit Personen bei den Steinsetzungszeremonien ein Hinweis. Einer der Steine außerhalb des Lagers, im Norden, war vor gut zwei Wochen durch eine Gruppe errichtet worden, deren Sippenmutter angeblich eine Inkarnation der Silah sein soll. Die Gruppe hatte den Stein in grellem Rostrot bemalt und lediglich eine kleine, rechteckige Fläche plan geschliffen. Dort hatte man eine bedruckte Folie auf den Stein aufgebracht, die das Portrait einer geschmückten Frau mittleren Alters zeigt. Augenscheinlich eine Fotografie. Darunter stand in den Lettern des ostafrikanischen Tigrinia „Silah Batu“. Vieles sprach dafür, dass der Stein nicht von einer der vor Ort stark präsenten Gruppierungen aufgestellt worden war. Régicide durfte annehmen, dass es sich um Menschen aus Äthiopien, Eritrea oder einer nahegelegenen Region gehandelt haben musste. Auf der Erde um den Stein fanden sich Hinweise darauf, dass ein solides Feuer gebrannt haben muss, bevor man die Farbe aufgetragen hatte.

Silah Batu

Ehe sich Régicide versieht, erwischt er sich dabei, wie er seine Hand flach gegen den roten Stein legt. Wenn Régicides Vermutungen weiter in diese Richtung schweifen und es wirklich eine alte, vielleicht von niemanden wirklich entdeckte Verbindung zwischen dem Feuer dort und dem Feuer hier gibt, dann wäre er Atra ja eigentlich seit Beijing nicht mehr so nahe gewesen wie jetzt gerade… Welche Fragen würde das aufwerfen?

Une promenade

Régicite beendet seine Einträge und legt zwei Dateien im nun etablierten Battlenet der 77 ab. Eintrag 18 ins Feldlogbuch und eine Liste von Notizen zur Situation, für den Rest des Teams zur Kommentierung (Missionsseite). Dann legt er sich Schlafen, der Plan für den 18.09 ist reichlich Ruhe und ein Spaziergang.
Nach einem ausgiebigen Nachtschlaf macht er sich auf, die beiden Scrapper zu besuchen, ggf. auch in Begleitung, wenn jemand sich anschließen will. Er bringt ihnen 5l Wasser, welches er am Steinbaum gesammelt hat mit und bespricht mit ihnen zunächst, was vorgefallen und die möglichen Pläne, die sich nun ergeben.
Dann verwickelt er die beiden in ein ausgiebiges Gespräch zum Thema Panzerung und Schutzanzüge. Régicite braucht neue Schutzkleidung, gleichzeitig möchte er sich die Expertiese der Scrapper zu Nutze machen, um die extremen Witterungsverhältnisse für sich und sein Team erträglicher zu machen. In den nächsten Tagen wird er sich damit beschäftigen, für sich selbst und wenn möglich auch für Zoe, eine neue „Rüstung“ zusammen mit Webbing und Klimakontrolle zusammen zu stellen, so gut das unter den Umständen geht und gleichzeitig auch für den Rest des Team eine Klimaanpassung für ihrer jeweiligen Rüstungen vorzunehmen.
Schließlich wird er die zunächst die Scrapper und dann die Frafa, welche er vor einigen Tagen kennengelernt hat, zur geographischen Lage des Sandorakels befragen, um einen Eindruck von der Gegend zu gewinnen.
Letztlich steht dann noch auf der persönlichen Vorbereitungsliste die Konstruktion eines neuen Ghillisuits, welches sich eben genau für diese Gelände eignet.

Vorbereitungen für die nächsten Mission ist das (wieder)Zusammenstellen vollständiger Campingausrüstung für alle Teammitglieder. Ein Upgrade von Tarps und Hängematten zu Feldbetten mit Klima-Moskitonetzen wird ernsthaft in Erwägung gezogen.
Für den Aufstieg zu den Primordial Flowers bringt er die restliche Kletterausrüstung aus dem Leyland mit, ebenfalls wird er bei den jungen Fon-Bergsteigern um zusätzliches Klettermaterial, welche er sich ausleihen kann, bitten.
Für den Ausstieg wird auch der zugesagte Proviant für die Flower zusammengestellt, genug für mindestens die nächsten fünf Tage.

Am späten Nachmittag beobachtet er Norge bei der Steinmetzerei. Davon inspiriert wendet er sich seinen eigenen, inneren Gefühlen zu. Von Anfang an hat diese Land, besonders das wilde Land, einen bleibenden Eindruck auf ihn gemacht. Vielleicht ist es an der Zeit, herauszufinden, wie tief diese Verbindung geht. So beginnt er die Steine abzuschreiten, den Blick gesenkt, sein Gefühl in sein Inneres gerichtet. Dort findet er etwas Neues und doch nun schon sehr Vertrautes. Wenn es stimmt, was Adra sagt, dann war es schon immer Teil von ihm, wenn er an die Verbindung zwischen Ihm und Ihr denkt, ist das schwer zu verneinen. Aber ist das rauchlose Feuer ein ebenso ganzheitliches Konzept wie die Totems oder die Idola? Wenn ja, vielleicht lässt sich dann ja hier auch etwas finden was das Vertraute in Ihm widerspiegelt. Da gab es doch auch eine Idola deren Name vertraut klang…Sila?

Wenn in den nächsten Tag andere ruhige Momente entstehen, sieht man ihn, Tee trinkend und Hookah rauchend, eine alte Steintafel studiern und ein Papiernotizbuch mit reichliche wirren Einträgen füllen.

Norges Steinbild

Norges Vorhaben stieß nicht auf Schwierigkeiten. Der viertletzte Stein war ohne Verzierungen errichtet worden und zeigte vor allem bunter Farbmuster, Handabdrücke und Tiersilouetten von bewegender Einfachheit. Werkzeuge wurden von Hand zu Hand gereicht und nachdem Norge mit Kreide vorgezeichnet hatte, konnte er alsbald in der Hitze des Tages loslegen. Die schweißtreibende Arbeit war die erste Hauerei an diesem Setzstein. Die Ästhetik der japanischen Schriftzeichen fügte sich erstaunlich gut in den Kontext. Norge bekam auch ein paar Hinweise von anderen Arbeitern, wie er den Stein zu behauen hatte. Während der Arbeit schaute aus Norges Tasche eine kleine Figur interessiert zu, wie sich die Zeichen für das japanische Wort „anblicken“, „ansehen“ oder „bezeugen“ aus dem Fels formten: miru.

Norges Auszeit

Norge nutzt seine Zeit, die er zum Ausruhen hat. Innerhalb kurzer Zeit hat er sich einen Plan im Kopf zurecht gelegt. Der Stein des Anstoßes gaben dabei die Erlebnisse der letzten Wochen. Copper, der von einem Geist verschlungen wird, um nur eins zu nennen und das es eine schwarze Idola der Matrix gibt, deren Maske von einem Geist bewacht wird, wäre ein anderes dieser Erlebnisse.

Nach einem ausgiebigen Schlaf macht er sich erst auf zu den Hausa; und nachdem er dort einige Zeit verbrachte und sich mit den Leuten unterhalten hatte, machte er sich auf zu den Bariba, wo er ungefähr die selbe Zeit verbrachte. Er ging dabei jeweils nach dem gleichen Muster vor. Da es selbst nach mehreren Wochen keinen Sinn ergab, den Norwegischen Ork als Einheimischen zu tarnen, machte er sich auch keine Mühe damit. Aber er ging ohne Waffen los, nur mit einer kleinen Tasche. In dieser befanden sich Kekse, Kaugummis und ähnliches, Welches zum bestechen der Kinder gedacht war und sie so dazu zu bringen, mit den richtigen Leuten reden zu können. In beiden Lagern kam er so zu Leuten, die sich zumindest halbwegs oder sogar sehr gut mit den Steinen und den Idola auskennen. Zumindest in soweit das Norge klar gemacht wurde, dass es nicht schlimm wäre, wenn er auf einem der „herrenlosen“ Steine etwas hinterlassen würde. Sowohl bei den Hausa als auch bei den Bariba bekam er da die gleichen Auskünfte.

Nach der zweiten Schlafpause machte er sich dann auf zu einem dieser Steine. Er fragte nach Hammer und Meißel und begann, Folgendes hinein zu schlagen, was natürlich eine Zeitlang dauert. Nicht übermäßig groß, aber doch gut sichtbar entstehen nach und nach folgende Zeichen 見ル.

Atempause im Steinwald

Am Abend des 17. November 2073 hatte die einberufene Versammlung die Machenschaften der Agooji den Vertreterinnen und Vertretern der lokalen Gruppen enthüllt. Ulowa, Vertreter und Mitglied in der Verfassungsgruppe für die Fon, hatte seine Mittäterschaft eingeräumt. Somit war nach dem Giftgasangriff auch der Rückfallplan eines Verrats vereitelt worden.

Die verordnete Ruhepause war dringend nötig und half der SFG 77 Körper und Geist wieder in einen etwas ausgeglicheneren Zustand zu bringen. Norge und ein Arzt der Hilfsorganisation prüften die Teammitglieder (inklusive Tukka und Rafik) auf ihren Gesundheitszustand. Die ständige Belastungssituation, die Kämpfe, Verfolgungen und das Adrenalin der vergangenen Tage und Wochen hatten dafür gesorgt, dass jeder im Team einsatzbereit blieb. In der nun angeordneten Ruhephase zeigte Norges Gesundheitscheck die physische Einsatzbereitschaft, gleichzeitig schlug die Erschöpfung voll durch. Möglicherweise waren 48 Stunden Pause unbermeidbar. Am meisten hatte es wohl Negative mitgenommen. Seine innere Flamme hatte den Körper ziemlich ausgelaugt. Andererseits waren alle soweit einsatztaulich, angesichts der Umstände. – Tukka und Rafik waren kerngesund und ließen den Gesundheitscheck amüsiert über sich ergehen. Die seelische und psychische Belastung der SFG 77 galt für die beiden nicht. Sie nahmen die Ereignisse als gegeben. Sorgen waren auf die unmittelbaren Dinge beschränkt. Bedauern, Zweifel oder Zukunftsängste kannten sie nicht. Nach wie vor war es Negative, der die beiden weiterhin irgendwie an die SFG 77 band.

Mit den jüngsten Ereignissen und ihrem tatkräftigen Wirken hatte die SFG 77 sich einem Teil der Großen Zusammenkunft bekannt gemacht. Als „Fremde“ konnte das Team Aufgaben und Rollen übernehmen, die den Versammelten unmöglich waren. Interne Ermittlungen, Kampfhandlungen oder politische Intrigen waren dem Kernzweck der Zusammenkunft stark entgegengesetzt, weshalb die involvierten Akteure vor Ort die SFG 77 als eine „Spielerin auf der Tribüne“ zu schätzen begannen. Trotz Negatives Beziehung zum nigerianischen Prinzenpaar wurde die SFG 77 allgemein als eine neutrale Kraft wahrgenommen. Negatives Beziehung zur Schwarzen Idola Andikan schien kein breit bekanntes Wissen zu sein. Auch wenn man annehmen durfte, dass kundige Augen die Zeichen zu deuten wussten, gab es keine Hysterie. So boten die verschiedenen Gruppen in den Folgetagen auch verschiedene Hilfestellungen an:

  • Rago lässt im Namen der Hausa ausrichten, dass er vom Wirken der SFG 77 in Nakatombe gehört habe. Er bietet dem Team an, Unterstützung nach Nakatombe zu senden. Dabei denkt er an eine zivile Instandsetzunggruppe und eine Wahlaufsicht einer „Übergangsbehörde“ (ehemals Ordnungsbehörde), die im Wesentlichen versucht lokale Infrastruktur wieder aufzubauen, politische Beobachtung und Beratung durchzuführen und die abgelegenen Gebiete auf eine Zeit nach dem Chaos vorzubereiten. Außerdem bietet Rago Zugang zu seiner Werft am Tawani-See. Neben Zugang zu Booten könnte die Werft auch für die Betankung von Helikoptern sehr hilfreich sein. Rago wartet auf eine Rückmeldung.
  • Ilewin lässt unkompliziert mitteilen, dass er von Gerüchten gehört hat, wonach das Sandorakel durch die SFG 77 befreit werden soll. Er bietet seine Unterstützung für die Eroberung und die anschließende Besatzung an. Er kann zehn berittene Infanteristen und weitere zehn Soldaten in zwei leichten Fahrzeugen bereitsstellen, die im begrenzten Rahmen durch Wüstengeister getarnt werden. Die Tarnung bezieht sich vor allem auf Wärmesignatur und Staubentwicklung, z.B. bei einer Offensive. Diese Kämpfer könnten anschließend am Sandorakel verbleiben und mittelfristig verstärkt werden.
  • Auch Odam möchte gerne etwas im Austausch geben, doch die Möglichkeiten der Bariba scheinen begrenzt. Er überbringt der SFG 77 Schmuckstücke aus dem alten Bariba-Königshaus und eine Art Dpesche, die er als Pfand zum Einlösen von Hilfsbereitschaft ansieht. Darin wird der SFG 77 in Bildern und Sprache eine gute Beziehung zur Familie von Odam bescheinigt. Odam hofft, dass dies hilfreich im überfluteten Schwemmland, in der Region um die Villa Tombu oder anderen Gebieten der Bariba sein könnte.
  • Das Prinzenpaar bietet Negative vier Kämpfer aus der Prinzengarde für ein Vorgehen am Sandorakel an, darunter zwei Trolle, die nun im Prinzip Negatives Personenschützer sind – wenn er sie nicht anderweitig anweist. Außerdem eröffnen die Geschwister das Angebot, loyale Milizen aus der Grauen Zone zum Schutz nach Nakatombe zu senden. Sie verweisen auf die drohende Vergeltungsgefahr durch Agooji oder Mercenary Inc.
  • Die Fon bieten den SFG 77 letztlich durch Pelebe ein geschütztes Lager an. Dort wäre das Team von allen Alltagssorgen befreit, vom Trubel abgeschirmt und auch durch zahlreiche (zivile) Personen geschützt. Privatsphäre und freier Zugang wären natürlich (im Rahmen des Möglichen) garantiert. Pelebe formuliert dies als ein Angebot der Wiedergutmachung.

Desweiteren ergaben sich rasch auch Antworten auf einige Fragen der SFG 77:

  • Leider lässt sich kein Derrenger für Copper auftreiben. Die Orichalkum-Munition muss also in anderen Kammern Platz finden.
  • Ein Decker und entsprechendes Equipment ist nicht verfügbar. Zugang zur Matrix oder die Entschlüsselung der Headmemory ist in der Große Zusammenkunft nicht absehbar. Die Scrapper in Nakatombe sind die wohl beste Adresse, für die Datenentschlüsselung derzeit.
  • Ulowa hatte Negative Informationen zum Wirken der Idola versprochen, soweit möglich. Für die Fon sind die Idola vor allem ein Aspekt der Hausschreine und des Vodun. Es werden viele allgemeine Dinge bestätigt, die der SFG 77 bereits bekannt sind. Im Wesentlichen entsprechen die zahlreichen Idola dem, was man normalerweise als Totem bezeichnet, nur dass Idola abstraktere und oftmals gesellschaftliche Konzepte des Zusammenlebens ausdrücken. Dem stehen die Totems als reine Tier- und Naturgeister gegenüber. Einige Idola haben derzeit überregionale Bekanntheit erlangt. Dazu zählen als Schwarze Idola: Afkarasar (auch „Opiumtraum“ genannt), Andikan („die Eroberin“), Mambu („Blut und Boden“), Zimba („Maschinenzombie“). Als Weiße Idola mit überregionaler Bedeutung gelten: Massuutu („Heilung des Landes“), Labima („die ewige Kunstfertige“), Zambede („der Atem des Hauses“). Zudem fallen die Namen Assomba, als Idola der Familienbande, Validane, als Idola des Wirtschaftshandelns, und Silah, als Eidgöttin. Deren Ausrichtungen sind jedoch unklar oder gelten als widersprüchlich. Sie sind also möglicherweise entartet oder nicht – oder beides. Ansonsten sind auch traditionelle Schamanen der Fon und Hausa der Ansicht, dass die Primordial Flower intimes und geheimes Wissen über die Gegenwart der Idola besitzen. Das bedeutet, dass auch Schamanen teilweise nicht so recht verstehen, was die moderne Welt aus ihren Idola gemacht hat oder wie sie miteinander in Beziehung stehen. Insofern betrachtet man die Primordial Flower als eine Art Medium, durch die man verstehen kann, wie die Welt der Idola durch die Brille der aktuellen Moderne aussieht.
  • Eine Fernaufklärung des Sandorakels wurde von Norge und anderen ohne Rückgriff auf Drohnen vorgeschlagen. Die Scrapper Wasotu und Lomo sehen sich prinzipiell dazu in der Lage, sofern sie entweder Reittiere oder wüstentaugliche Fahrzeuge erhalten. Sie sagen aber auch, dass sie das mit den anderen in Nakatombe besprechen möchten, sofern nicht Leib und Leben direkt davon abhängt. Auch die Frafa lassen sich vom Sinn einer Aufklärung überzeugen. Sie können sich vorstellen, einige Krieger zusammen zu entsenden, um einfach mal nach der tatsächlichen Lage zu schauen. Frafa-Krieger sind keine ausgebildeten Soldaten. Dementsprechend dürften sie ihre eigene Sicherheitslage und auch die potentiellen Feindkräfte nur unzureichend einschätzen können. Die Scrapper scheinen Katz-und Maus-Spiel mit Konzernen eher gewohnt.
  • Befragt man Ulowa nach den gewünschten Einflüssen der Agooji auf die neu entstehende Verfassung, dann sind die Informationen nicht sehr präzise. Die Agooji haben scheinbar nicht detailliert versucht über Ulowa EInfluss zu nehmen. Zwei Dinge hält Ulowa jedoch für sicher: Am meisten haben die Agooji (nach Aussage der nun toten Kaita) die Aufhebung des Territorialprinzips begrüßt, also die Zersetzung des Staates Dahomey. Dieser Teil, der ein zentraler Pfeiler im Entwurf der neuen Vision von Dahomey ist, kommt den Agooji sehr entgegen. Die größte Sorge oder Furcht haben die Agooji vor der Einführung des Prinzips eines symbolischen Tauschs als Verfassungsgrundsatz. Darin liegt der Versuch, die mystische und moderne Welt gereglt miteinander in Ausgleich zu bringen. Das passt bei den Agooji wohl nicht so gut in den Plan.
  • Der symbolische Tausch, der als Verfassungsgrundsatz vor Ort diskutiert wird, bezieht sich auf ein vormodernes Konzept des Zusammenlebens, das am besten in Abgrenzung von Markt- oder Warentausch zu verstehen ist. Ulowa und insbesondere Ilewin können erklären, dass der symbolische Tausch keinen „Wert“ kennt, sondern ein „Ordnungsprinzip“ ist. So wie etwa ein Gastgeschenk und die Gastfreundschaft oder eine Beerdigung als Tausch zwischen dieser und jener Welt, oder eine Hochzeit etc. Der symbolische Tausch vermittelt also Ordnungen des Zusammenlebens und insbesondere auch zwischen der profanen und mystischen Welt. Man gibt in den Tausch kein „Eigentum“ und auch keinen „Einsatz“ sondern seine Stellung, seine gesellschaftliche Rolle, ganze Lebensabschnitte, Anerkennung usw. Da sich der symbolische Tausch auch auf die mystische Welt erstreckt, umfasst er in der Erwachten Welt mittelbar auch Gesundheit (Abwesenheit von bösen Geistern und Göttern), Glück, Rache der Ahnen, Nachfahren, Bestand der Natur und des materiellen Besitzes. Wenn nun beispielweise ein Politiker ein Amt (Macht) auf Zeit im Sinne des symbolischen Tauschs übernimmt, dann kann der adäquate Gegenwert keine „Kompensation“ sein (etwa Lohn), sondern Ohmmacht. Er muss etwas vollumfängliches und adäquates dafür aufgeben (z.B. für einige Zeit das Familienleben oder seine bisherige Stellung). Daher ist diese uralte, prähistorische Form des Tauschhandels im Falle des Extrems ein Handel mit dem Tod, weil gewisse Dinge nur mit dem Tod erworben werden können. Andernfalls wäre die Ordnung des Zusammenlebens gestört. Daher spricht die Verfassung an dieser Stelle wörtlich vom Tod. Wer das höchste Amt in einem Zweckverband Dahomeys ausüben will, verlässt die private Ordnung, Familie und andere Beziehungen und kehrt dahin niemals zurück. Im Anschluss an das Amt tritt dann der Übergang in die Ahnenwelt. Copper, der sich einmal mit Grundlagen der Rechtslehre beschäftigt hat, oder Negative, der gerade dabei ist, diese Welt für sich zu erdecken, erkennen vielleicht in Rafik und Tukka zwei Menschen, die nur im symbolischen Tausch leben und den modernen, marktförmigen Tausch von Werten, Waren, Summen und Anhäufungen nicht verstehen. Régicide dürfte die Idee des symbolischen Tauschs am ehesten aus dem Umgang mit Geistern bekannt sein. Allerdings sind diese mystischen Prinzipien nicht eins zu eins auf die rein menschliche Welt zu übertragen. – Warum der symbolische Tausch? Die Verfassungsgebende Versammlung ist scheinbar der Ansicht, dass die Moderne am kapitalistischen und warenförmigen Tausch zugrunde geht und sieht im Rückgang auf eine völlig andere Tauschform eine Chance, Dahomey zu helfen. Den Agooji ist das nicht willkommen, weil diese Tauschform möglicherweise die Entartung der Idola durch moderne Lebensweisen verringert. Tradition und Moderne, spirituelle und materielle Welt, Religion und Wissenschaft könnten im symbolischen Tausch vielleicht zusammenfinden.
  • Negatives Idee, dass die Geistreise ante oder post mortem der Agooji mit den Idola zusammenhängen könnte, lässt sich nicht sicher prüfen. Negatives bisherige Unterweisungen in den Prinzipien Andikans zeigen durchaus Spielraum zur Interpretation. So schützt Andikan ihre Gemeinschaft verbissen und effizient, was konsequenterweise auch bedeuten kann, dass ihre Mitglieder selbst nach dem Tod noch gebunden bleiben oder auch Verrat in der Gefangenschaft durch eine Trennung von Körper und Geist vereitelt wird. Auch eine Bestrafung im Falle des Scheiterns könnte eine Erklärung sein. Hier fehlt es aber an weiteren Hinweisen. Prinzipiell ist die Annahme, dass Idola diesen Effekt mit beeinflussen oder hervorrufen, wahrscheinlich. Man denke etwa an den Capo der Afkarasar, der sich auch nicht mit seinem Tod zufrieden gab.

Un Pause et une décision

Zurückgelehnt in den Kissen unter dem Zelt, den Schlauch einer Hookah im Mundwinkel, macht Régicide Notizen auf seinem Pad, wahrscheinlich verfasst er einen Eintrag ins Missionslog. Nach dem Negative und Norge das weitere vorgehen angerissen haben, verlangt er nach Aufmerksamkeit:
„Nous avons tous besoin d’une pause! Ich ordne 30Std. Ruhe, so wie zwei Mal min. 7Std Schlaf an!“
Er blickt zu Norge herüber:
„Zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit! In Rücksprache mit dem Team Medic, wird ebenfalls eine Gesundheitscheck fällig. Keine Dehydration, Hitzschlag oder Hühneraugen! Das obliegt Hérault, er muss jeden von uns für Einsatztauglich erklären.

Nächste Aktion ist der Aufstieg zu den Primordial Flowers, 19.11/0600h! Primär eine Informationsbeschaffungsmaßnahmen, aber wer er zur Selbstfindung und zur Entspannung nutzen will, kann das tun…sicher das ich es so nutzen werde!

Zum weiteren Vorgehen:
Philippè hat mit Sicherheit recht, diese Sache hier ist noch nicht ausgestanden. Was für uns aber am entscheidendsten ist, bleibt die Frage nach den Motiven und den Endzielen der Agoji. Befragt Ulowa, nehmt euch den Verfassungsentwurf vor, mir ist gerade beim überfliegen nur das mit diesem „Austausch und dem Austausch im Tod“! Aufgefallen. Was hat es damit auf sich?

Dann gilt es eine wichtige Entscheidung bezüglich den Sandorakel zu treffen. Comptòn hat zurecht angemerkt das unser Eingreifen hier nicht unbemerkt bleiben wird, so das es sein kann das die Truppen beim Orakel Verstärkung bekommen. Quick`n`Dirty, wie der CAS-ler sagen würde, ist das einzige Mittel dagegen. Das bedeutet hier Unterstützung zu sammeln, direkt nach dem Abstieg aufzubrechen, das Gebiet zu erkunden und dann sofort zuzuschlagen, mit dem was wir haben.
Oder wir Planen etwas langfristiger. Das wäre aber mit einer Rückreise nach Nakatombe verbunden, also einen Tag Reise, dann einen Tag mit dem verladen und bearbeiten von Material, so das wir unsere Mini-Mirage auch zum Einsatz bringen können und dann die Rückreise, dann Aufklärung und dann zuschlagen.
Egal in welcher Variante, ich sehe eine Recon faible impact wie von Hérault vorgegeben als das einzige sinnvolle Mittel, der Überraschungseffekt ist zu wertvoll um ihn leichtfertig zu vergeben.

Ich werde morgen nochmal zu unserem Fahrzeug spazieren und die restliche Kletterausrüstung holen, so das wir eine durchgehende Seilschaft einrichten können. Wenn noch jemand was von dort braucht, sagt bescheit.“
Das geblubber der Wasserpfeife nimmt wieder fahrt auf, als der Lt. sich wieder seinem Pad zuwendet.

Sandorakel

„Kein schlechter Vorschlag, Norge. Und ich denke außerdem, dass uns die Leute hier was schulden!“ antwortet Zoe. Die SFG 77 befindet sich immer noch unter dem Zelt, in dem vor einigen Stunden die Zusammenkunft stattfand und genießt die Kühle der Nacht.

„Ich denke, dass wir auch von hier aus Einiges an Aufklärung tun können. Dein Vorschlag passt das gut ins Bild, Norge. Bevor wir in diese Richtung aufbrechen, müssen wir uns alle Informationen holen, die wir holen können. Die Frafa sind möglicherweise interessante Ansprechpartern. Zoe, kümmere dich bitte darum!“ wirft der Lt an und fährt fort: „Negative, Copper: Ulowa ist hier noch nicht fertig. Weil wir immer noch zu wenig Informationen über den Gegner haben, schaut euch doch bitte den Verfassungsentwurf an. Was genau war die Intention der Agoji, was wollten sie in die Verfassung schreiben lassen? Bevor sich Ulowa zurückzieht, muß er darauf antworten! Am Besten direkt morgen früh.“

„Ich würde diese Informationsbeschaffung gerne erweitern, Lt. Du hast die Mission fürs Erste für beendet erklärt – aber ich werde das Gefühl nicht los, dass der Einfluß der Agoji hier nicht vollständig getilgt ist. Zur Theorie kannst du da sicher mehr sagen, aber dass sich die möglicherweise mächtigste Vertreterin der Gegner hier so aus dem Verkehr ziehen kann, indem sie ihren Geist irgenwo hinschickt oder er hingeschickt oder gezogen wird… Hällst du es nicht für möglich, dass sowas auch ein Werk der Idola sein könnte? Ich für meinen Teil will das auf jeden Fall erfragen, welche da in Frage käme.“ wendet Negative ein. Er bemerkt die Blicke der Anwesenden. „Ja, möglich, dass die Antwort auf diese Frage mit Andikan zu tun hat. Aber bevor wir nichts dazu wissen, sind solche Gedanken wenig hilfreich. Und ja, wenn mir was wie auch immer in den Sinn dazu käme, ich würde es euch sagen!

Alternativen

Norge wartet bis die SFG alleine ist und ergreift dann, eine Zigarre paffend, das Wort.

Also, ich habe mir das noch mal durch den Kopf gehen lassen. Es waren ja erste Gedanken zum weiteren Vorgehen. Mit Jetdrohne aufklären usw. Sicherlich würden wir eine Momentaufnahme bekommen wenn wir das machen, aber wohl kaum ein klares oder gar umfassendes Bild. Dazu würden wir dann auch eine Schlagkräftige Waffe aus den Händen geben und, da es zu befürchten steht das die Drohne durchaus bemerkt wird durch feindliche Drohnen oder entsprechende Sensorik, würde das Überraschungsmoment wohl weg fallen.
Aus diesem Grund habe ich mal einen alternativen Vorschlag. Ich schicke voraus das dies wohl nur funktiniert wenn die Wüstenleute mitmachen. Eine Nahaufklärung, durchgeführt durch eben diese. Ich gehe davon aus das immer noch Leute wie sie durch die Wüste ziehen und sich wohl auch dem Platz des Orakels mal mehr oder wenige nähern. Wenn sie entsprechend unauffällig sind, sollte es ihnen möglich sein den Ort aus zu spähen und uns zu berichten.

Kommen wir zu den Vorteilen die ich dabei sehe:
1. Wir bekommen mehr als nur eine Momentaufnahme bei einem Überflug.
2. Die Jetdrohne bleibt uns als Luftunterstützung erhalten.
3. Ein etwaiger Überraschungsmoment bleibt erhalten.
4. Wenn wir es schaffen das die Wüstenleute weiter mitmischen, zumindest zum Teil, haben wir eine Beobachterin für den Mörser, welcher dadurch effektiver wird, als auch für die Jetdrohne sofern Snoopy das braucht. Zumindest könnte man darauf zurückgreifen.

Das wäre erstmal mein Vorschlag.

Nach diesen letzten Worten lehnt er sich zurück und wartet wohl darauf das sich die Freunde zu seinem Vorschlag äußern.

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