Rückmeldung

Noch während im Krankenquartier der Siedlung Nakatombe Norge um das Leben der misshandelten Kate kämpfte, verschaffte sich der Rest des Teams Zugang zur Satelittenanlage des Verwaltungsgebäudes. Die mächtige Parabolantenne blinkte stumm dem bedeckten Nachthimmel entgegen und schürte die Hoffnung, dass nicht alle Kanäle nach außen gekappt wurden.

Der ehemalige Siedlungsvorstand Moko Matobou unterstützte Negative dabei, Zugang zum Dach des Verwaltungsgebäudes zu bekommen. Schnell wurde klar, dass die offiziellen Empfangs- und Sendeanlagen im Keller des Gebäudes nicht ohne massive Gewalt zugänglich waren. Daher besorgte sich das Team Lichtleiterkabel und legte vom Dach aus eine direkte Verbindung von der Satellitenantenne zu einer mobilen Transpondereinheit im Keller des Bürogebäudes von DeBeers Omnitech. Die Agrartechnikerin Abita Tómerres hatte ja darauf hingewiesen, dass dieses Equipment vorhanden wäre. Es dauerte gut eine Stunde und brauchte intensive Teamarbeit von Negative und Zoé, bis auf einem flackernden Holo-Bildschirm im düsteren Lagerraum von DeBeers Omnitech eine Liste mit Uplinks und Transponderzustandsmeldungen erschien.

Die Satelittenantenne begann zu surren, als sie den Nachthimmel nach Lebenszeichen absuchte. Die automatischen Suchroutinen erfassten geostationäre Satelliten, deren Transponder entweder mit BLOCKED, OFFLINE oder INSUFFICIENT BANDWITH markiert waren. Private und öffentliche Matrix-Provider waren unerreichbar. Auch reine Simsense- und Trideo-Kanäle schienen nur mit stark reduzierter Bandbreite verfügbar. Doch die SFG 77 suchte ja nach Kommunikationswegen, nicht nach Unterhaltungskanälen.

Negative war sich bewusst, dass AIM im Großraum Westafrika keine dezidierten, eigenen Satellitentransponder unterhielt, weshalb das HQ ja nur über einen stark gesicherten Tunnel durch die Matrix an den Operations Host angebunden war. Ein Tunnel, den man direkt durch das heftig zensierte LTG von Dahomey gegraben hatte. Der SFG 77 lagen keinerlei Informationen vor, ob AIM mittlerweile einen neuen Transponder gemietet hatte oder ob es andere, operative Kommunikationsinstanzen gab. Das mobile Terminal zeigte jedenfalls auch nach ausführlicher Suche keine auf AIM gemeldeten Transponder an. Als jemand den platten Witz machte, dass man ja beim Yutani Customer Support anrufen könnte, fiehl Negative ein, dass es eine öffentliche Trixadresse von AIM für Notfallmeldungen gab. Ein Service, der allen Mitarbeitern in AIM zur Verfügung stand, falls es in Ausübung der Arbeitstätigkeit zu Krisen, gewandelten Sicherheitslagen, Angriffen oder ähnlichem kommen sollte. Jeder Mitarbeiter bekam ja mit dem Arbeitsvertrag so eine Visitenkarte mit der Notfallnummer! Alles was es dafür brauchte, war eine Trideo- oder Audioverbindung in irgendeines der Regional Telecommunication Grids der Welt. Das konnte Negative mit einigen Handgriffen einrichten. Allerdings würde es eine ungesicherte und registrierte Verbindung sein. Eben ein Telefonat wie jedes andere auch. Aber besser als nichts. Die Parabolantenne zeigte knapp über den Horizont, weit nach Osten, wo irgendwo ein Satellit über Zentralafrika das geschwächte Signal gnädig empfing.

Dem Lieutenant kam die Ehre zu, das Gespräch zu führen. Auf dem Trideoschirm erschien das Gesicht eines europäischen AIM-Mitarbeiters:

„AIM Services Employee Support. Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“

„Einsatzleiter identifiziert Einheit: 683X8, 907X2, 013Z5, 604X7, 646W4, 546V3, 764Y3, 554Y9, 756V9. Sicherheitslage kritisch. Kontakt zu CCOM verloren. Eine Person KIA. Einheit einsatzbereit. Erbitte weitere Anweisungen.“

Régicide sah in die erwartungsvollen Gesichter der Kameraden während der Mitarbeiter auf dem Trideoschirm mit ernster Miene nickte:

„Bleiben Sie bitte in der Leitung.“

Einige lange Augenblicke vergingen, in denen der AIM-Schmetterling sich unermüdlich im Standby-Kreis drehte und der Mitarbeiter verschwunden war. Dann tauchte das gleiche Gesicht wieder auf.

„Sir, dies ist eine ungesicherte Verbindung aus einer Region, in der AIM Services derzeit keine Notstandsleistungen garantieren kann. Ich habe Ihre Meldung mit Vorrang an CCOM weitergeleitet und bereits Antwort erhalten. Ihre Einsatzleitung ist informiert. Bitte nennen Sie keine weiteren Einzelheiten, die ihr Team, ihre Position oder Zuordnung kompromittieren könnte. Um in Kontakt mit der Einsatzleitung zu treten benötigen sie ein gültiges OHCM, ein Operative Host Cryptographic Module. Für ihr Team ist eines für den Feldeinsatz authorisiert und nach wie vor in Betrieb. Verbinden Sie diese Hardware mit ihrer Fernverbindung und nehmen Sie erneut Kontakt mit einem AIM Host auf. Wenn es ihnen nicht möglich ist, eine gesicherte Verbindung aufzubauen, dann müssen sie sich in ein Gebiet begeben, in dem die Dienstleistungen von AIM Services zur Verfügung stehen. Ich empfehle ihnen Nordafrika oder internationale Gewässer. Kontaktieren sie dann diese Notfalladresse erneut. – Es tut mir Leid, dass ich ihnen unmittelbar nicht weiter helfen kann. Man hat sie auf jeden Fall nicht vergessen und wird auch nicht aufhören auf ihre Rückmeldung zu warten. Ich freue mich, ihre Stimme zu hören und bin mir sicher, dass es ihnen gelingen wird, die missliche Situation zu überwinden. Sie sind also nicht allein. Viel Erfolg, Sir.“

Mehr Informationen waren nicht zu bekommen. Dem Team war klar, wo sich das nächste OHCM befand: im HQ in Moskuwa. Das Stück Hardware dient der Verschlüsselung von Kommunikationswegen nach AIM-Standard. Lena hatte das Gerät in der Nähe der Küche am Matrixterminal angeschraubt, unter einem kleinen Beistelltisch. Immerhin war bestätigt worden, dass die Verschlüsselungseinheit der SFG 77 noch aktiv und authorisiert war. Das machte Hoffnung, dass Lena und Fink im HQ irgendwie die Stellung gehalten hatten.

Später nahm der Lieutenant erneut Kontakt auf und ließ der AIM Services Hotline noch folgende, kryptische Botschaft zukommen:

„Einsatzleiter identifiziert Einheit: 683X8, 907X2, 013Z5, 604X7, 646W4, 546V3, 764Y3, 554Y9, 756V9. Nachricht verbatim für CO. Nachricht beginnt: ‚Sagt dem Chief, von dem Zeug was er und seine Kollegin wollte haben wir das meiste zusammen! Und sagt ihm, die Lady mit der Sonnenbrille hat ihre letzte Lieferung gemacht. Wir machen noch einen Abstecher in Richtung „Heck des Flugdecks“ oder schauen vielleicht beim Anwesen unseres Freundes vorbei. Dass wäre eine gute Gelegenheit, um ein wenig Tee und Gebäck vom Schiff einzufliegen. Wenn das nichts wird, hört ihr von uns wenn wir wieder in der Wohnung sind. Sagt also dort bescheid, dass sie das Licht anlassen sollen. Buffalo forward!‘ Nachricht endet.“

Exodus 199,8

Negtives Scanner fängt am 31. Oktober 2073 bei 199,8 MHz eine Endlosschleife in Englisch, Französisch und Hausa ab. Sie ist unverschlüsselt und schwach. Gerade so dringt sie zum Vorhof des Tals der bunten Steine vor. Die Stimme des männlichen Sprechers wirkt alarmiert und eilig. Die Aufnahme muss im Freien stattgefunden haben. Wie lange sie bereits gesendet wird, ist unklar.

„Dahomee, Landsleute, jeder, der das hören kann. Das ist eine Dauerübertragung auf 199,8 MHz, nachdem die drei Transponder davor abgeschaltet wurden.

Die Regierung von Dahomey hat sich am 16. Oktober 2073 aufgelöst, nach einer Reihe von Todesfällen im Parlament und auch innerhalb der Regierung selber. Es ist zu Unruhen gekommen und man geht davon aus, dass es böse Geister waren, die sich einiger Politiker und Personen mit hohem Ansehen bemächtigt haben. Es ist zu einem Putschversuch gekommen – oder vielleicht war er auch erfolgreich.

Die Regierung hat gesagt, dass uns unsere Vergangenheit eingeholt hat und die bösen Geister unserer eigenen Geschichte manifeste Gestalt angenommen haben. Überall kommt es zu Gewalt und Korruption. Politik, Militär, Medien und auch zwischen den Familien. Niemand weiß genau, was der Auslöser war, es gibt viele Gerüchte. Einige sagen, es wäre der Preis für unsere Einheit und unseren Fortschritt, den wir letzt zahlen würden. Ihr habt vielleicht davon bereits gehört, im kleinen. Jetzt ist das Chaos vollends ausgebrochen. Der Ursprung soll am Tawani-See und in der Grauen Zone liegen, aber es hat jetzt alles erfasst.

Man hat die öffentlichen Infrastrukturen, Geld-, Waren- und Personenverkehr und jegliche Art von Medien und Kommunikationswegen abgeschaltet, damit sich das Land regenieren kann. Damit wir uns regenerieren können. Jeder ist aufgerufen die Städte zu verlassen und zu Familien und Sippen auf dem Land zurückzukehren. In der natürlichen Lebensweise soll Dahomey Kraft finden sich von dem Übel zu befreien. Die Verwaltung wurde größtenteils in den Ausstand geschickt und nur internationale Konzerne versuchen noch den Betrieb aufrecht zu erhalten. Lokale Produktionsstätten und Gewächshäuser werden in Eigenregie betrieben, wenn sie nicht bösen Geistern anheim gefallen sind.

Die Regierung hat die Kontrolle über das Territorium Dahomey aufgegeben und die Bannzonen zu den erwachten Dschungelgebieten aufgehoben. Das Volk von Dahomey ist sich selbst überantwortet. Berichte sagen, dass der Regierungsapparat und das Militär nur noch dazu da ist, Dahomey gegen Nachbarländer und die gierigen Konzernmächte zu verteidigen. Es konzentriert sich auf Städte und industrielle Konzernkomplexe. Ausländer fliehen auf externe Betriebsgelände, die jetzt unter militärischer Aufsicht stehen. In der Grauen Zone gibt es andauernde Berichte von Konflikten und Gewalt, aber es gib keine Nachrichtensender mehr, keine Telefone und keine Matrix. Auf den Landstraße und im Niemandsland zwischen den Siedlungen sollen Banden rauben und plündern. Man soll alleine reisen, oder in großer Zahl. Benutzt nur Wege, die ihr gut kennt.

Der Geist- und Ethikrat der Regierung hat die Beschwörung der Weißen Idola Massuutu bekannt gegeben. Alle Dahomee sind aufgerufen ihre Häuser, Siedlungen und Schreine der Massuutu zu öffnen. Unsere Politiker haben unser Land ihrer heilenden und friedensbringenden Kraft übergeben – und uns. Wir müssen jetzt zurückfinden zu uns selbst. Bildet Gemeinschaften, meidet die Städte und zerstört alle Medien. Sie sind der Träger des Virus, der uns befallen hat. Die Geisterseher sprechen von den Schwarzen Idola, die uns zu dem machen wollen, was wir schon immer erleiden mussten. Sie sind Fleisch gewordene Abgründe und sie tragen tarnende Masken. Meidet die Gewalt, werft euer Geld fort, verlasst die Städte, zerstört Funk- und Matrixanlagen und traut keinen Dingen, die nicht wirklich sind. Versucht die moderne Lebensweise, den Konsum und die Entfremdung abzulegen. Ihr müsst zu euch selbst finden, das stärkt die Weißen Idola und ruft sie herbei. Pflegt eure Schreine und gebt Opfer an die Ahnen.

Nähert euch nicht den Konzernanlagen, sie sind im Krieg mit der Bevölkerung, egal von wem sie verteidigt werden. Wir haben sie an die Schwarzen Idola verloren. Meidet die Überlandlinien der Magnetbahnen und die großen Gridlink-Trassen. Söldner und Drohnen bewachen sie und haben Feuerbefehl auf alles und jeden. Betretet nur Siedlungen, von denen ihr wisst, wer dort lebt und welchen Geistern man huldigt. Traut keinen Ausländern, wenn sie euch nicht kennen. Versteckt euch am Tag vor den Söldnern und versteckt euch vor den Geistern in der Nacht. Verlasst das Land nicht über das Meer. Dort herrscht ein Krieg. Eine Seeblockade verhindert die Flucht. Viele landen in Gefangenenlagern. Und vor allem: bleibt fern vom Gürtel! Der Reichtum des Orichalkum korrumpiert sie alle. Lasst die Konzerne sich selbst zerfleischen. Sie fressen nur ihre eigenen Eingeweide. Bleibt fern von den Berbaugebieten. Und wollt ihr die erwachten Wälder und Wüsten betreten, dann vergewissert euch, welche Geister dort wohnen und welcher Gesinnung sie sind.

Verlasst euch nur auf Menschen, denen ihr die Hand geben könnt. Vertraut auf echte Gemeinschaft, arbeitet mit euren Händen. Traut nicht mehr dem Virtuellen, sondern traut der Berührung. Kauft nichts mehr, sondern tauscht. Trennt euch von allem, was bedeutungslos ist. Und lasst euch nicht zu dem hinreißen, was unsere Vorfahren selbst durch andere erdulden mussten: tötet nicht, versklavt nicht, raubt nicht, erhebt euch nicht über andere. Die Schwarzen Geister haben vielfache Gestalt und Namen. Lernt die Namen. Lernt gutes von schlechtem zu unterscheiden. Bleibt zusammen unter Freunden und Familien. Versteckt euch vor Fremden und vor dem Schlechten. Und vor allen Dingen: umgebt euch mit Tieren, sie sind die heilsame Kraft, haben aber ihre Stimme an die Schwarzen Idola verloren. Wir müssen den Totems ihre Stimme zurückgeben. Sie können verwirrt oder besessen sein, aber kein Tier ist im Herzen böse, niemals. Denkt daran.

Mehr kann ich euch nicht sagen. Ich gehe nach Norden, mit Freunden. Dort soll eine große Zusammenkunft stattfinden. Eine Zusammenkunft nach alter Art. Wer den Weg finden kann, ist willkommen. Zerstört euren Funkempfänger und geht euren eigenen Weg. Seid ihr Dahomee, dann wisst ihr wohin ihr müsst. Seid ihr westliche Konzernangestellte, dann geht zu den bewachten Betriebsgeländen. Wenn ihr Glück habt ist es friedlich und ihr kommt raus. Seid ihr hier als Ausländer oder Touristen einfach reingeraten, dann versucht nach Westen zu gehen. Meidet Osten, Süden und Norden. Wenn ihr verfolgt werdet, sucht nach guten Menschen die euch Gastfreundschaft gewähren.

Ende der Durchsage.“

Nachbereitung OP Real Estate

Ein sichtlich erschöpfter und angespannter Captain Uzun meldet sich nach dem Ende der OP Real Estate und den Anschlussuntersuchungen vor Ort bei der SFG 77. Es ist bereits die Nacht zum 10. Oktober 2073. Wahltag im Nordosten Dahomeys. Wahltag in Tembe. Das unermüdliche Team ist bereits dabei, den Einsatzwagen zu beladen und sich noch in dieser Nacht auf den Weg in den Wahlkreis Tembe zu machen. Der Lieutenant gibt Grünes Licht für Operation Stichwahl und den Mitgliedern der SFG 77 die letzten Neuigkeiten mit auf den Weg.

Lieutenant, Sergeants, Chief Miller,

Sie können nicht ermessen was hier gerade in der AIM Außenstelle in Ceuta los ist. Gefühlt ist hier ein Hurricane durchgekommen. Wir hatten gerade einen Notarzteinsatz nach einer Lagebesprechung. Miss Clark und zwei weitere Mitarbeiter wurden medikamentiert und sind jetzt im Ruheraum. … Ich glaube, so einige würden gerade gerne mit Ihnen im Feld tauschen… Aber eines nach dem anderen.

Operation Real Estate war ein enormer Aufklärungserfolg, das zeichnet sich schon jetzt ab. Ich möchte Ihnen zur guten Arbeit gratulieren. Insbesondere die ethnische Landkarte, die Interviews und die Notizen von Evan Choi sind sehr wichtig für unsere Kurskorrekturen.

Der Captain wird etwas düsterer.

Miss Clark hat die „Neuigkeiten“ über Evan Chois Sicht der Dinge mit, ich sage mal: gemischen Gefühlen aufgenommen. Sie hält Evan Choi über weite Strecken für jemanden, der sich zu schnell in Verschwörungstheorien verrennt. Sie hat aber auch zugegeben, dass sie seine Berichte in der Vergangenheit regelmäßig zensiert hat. Sie dachte wohl, ihr Ruf würde leiden, wenn sie die Meldungen über ethnische „Geheimbünde“ und verborgene „Graue Gremien“ im Verwaltungsapparat von Dahomey ernsthaft in die Strategieentwicklungen des Policy Board mit eingibt. Vielleicht hatte sie damit auch nicht so unrecht… immerhin hatten wir bisher keinerlei eigene Augen vor Ort. Jedenfalls hat sich Miss Clark bei mir entschuldigt und ich soll das an sie weiterleiten. Sie räumt ihr Versäumnis ein, warnt aber nach wie vor, zu sehr auf Evan Chois Steckenpferd zu setzen. Nun gut. Schauen wir aber, was wir haben.

Katuso Uzun blendet die Ergebnisse der Auswertung ein:

(1) Wenn die ethnische Dimension in Dahomey so bedeutsam ist, wie Evan Choi glaubt, dann stellt das einen wichtigen Anhaltspunkt für mögliche Motive am Bura-Staudamm dar. Wenn es solche Splittergruppen oder gar rassistische Strömungen gibt, haben die vielleicht Interesse daran, die Regierung zu erpressen und die Regierung möchte das vielleicht auch gerne unter den Teppich kehren. Es macht also wohl Sinn, bei der Suche nach den Tätern am Bura-Staudamm die ethnische Dimension im Blick zu halten.

(2) Das gleiche gilt demnach auch für potentielle Allianzpartner und Verbündete. Die Interviewpartner von Evan Choi geben einen interessanten Einblick in eine Struktur, die wir bisher nicht kannten. Wenn es ethnische – oder sagen wir besser: gruppenbezogene – Sonderinteressen gibt, kann uns das vielleicht nutzen. Welche dieser Gruppen – Hausa, Bariba, Fulbe und so weiter – haben Interessen, die mit unseren vereinbar sind? Bedenken Sie, dass wir nach starken Partnern suchen, die uns die Tür nach Dahomey öffnen.

(3) Dann noch eine andere Sache, die wir bisher nur so als Randbedingung betrachtet haben. Sie haben sicher die aktuellen Nachrichten verfolgt und gesehen, dass die Geschäftsführung unter Druck geraten ist. CEO Walters war nach diesem Interview außer sich, wie uns berichtet wurde. Wir hatten gerade ein Meeting mit dem Büro des Generalsekretärs des Policy Boards und ich möchte ihnen kurz zusammenfassen, wie die großen Dinge da oben mit den kleinen hier unten zusammen hängen. AIM steht enorm unter Druck, durch diese unerwartete Androhung einer Seeblockade. Und unsere Kampagne AIM MATTERS ist nun viel komplizierter geworden. Warum? Seit 2068 bemannt AIM alle Kriegsschiffe und Küstenwachen von Dahomey. Im Gegenzug erhalten wir Zugang zu den modernsten Überwasserschiffen der Welt. Diese technologische Überlegenheit war in der Pazifikkrise unser Rückgrat. Diese Flottenkooperation kann AIM auf keinen Fall riskieren. Zudem haben wir mit AIM MATTERS eine Grundsatzentscheidung vorliegen, wonach wir den Markt in Dahomey erobern sollen. Wir wollen da rein und die anderen Sicherheitsdienstleister endlich zur Seite fegen. Vor allem den großen Konkurrenten Mercenary Inc. Das Problem ist nun, dass Dahomeys politische Lage unsere ethischen Unternehmenswerte und Grundsätze extrem strapaziert. Die Geschäftsleitung glaubt, dass wir in eine Zwickmühle geraten sind. Wenn wir Dahomey weiterhin loyal bleiben, riskieren wir unsere Reputation weltweit einzubüßen. Gehen wir in eine kritische Haltung zu Dahomey, droht uns noch mehr Einflussverlust. Wir wollen relevante und absolut loyale Partner sein, aber auch eine wertebezogene Geschäftspolitik verfolgen. Das zusammen sichert uns unseren Marktanteil, zusammen mit der militärischen Schlagkraft und dem technischen Know How.

Nun wurde CEO Walters ziemlich … ich will sagen … bloßgestellt. Die Geschäftsleitung stand wie ein minderer Diener da, der keine Ahnung davon hat, was sein Kunde auf dem Festland eigentlich treibt. Das geht ganz und gar nicht. Daher haben wir gemeinsam mit der Geschäftsleitung entschlossen, ein weiteres, strategisches Ziel in unsere Kampagne mit aufzunehmen. Es lautet: „Aufklärung der tatsächlichen Lage und Hintergründe um die Matrixzensur und den Verdachtsmomenten eines Völkerrechtsbruchs in der Tawani-Region.“. Die Geschäftsleitung braucht so schnell wie möglich eine Entscheidungsgrundlage um abschätzen zu können, ob und wann man zu Dahomey auf Distanz gehen muss. Am besten wären natürlich dokumentierte Beweise. In Lome hält man uns einfach hin. Der Außenminister hat unsere CEO scheinbar mächtig düpiert und abblitzen lassen. Wir brauchen also eine fundierte Beurteilung von Ihnen vor Ort. Was läuft da ab, was versteckt Dahomey und wer hat da die Finger am Abzug? Warum provoziert man die CCMA so dreist und wer oder was erzwingt diese extrem kostspielige Aufrechterhaltung der Zensur?

Wir können es uns nicht erlauben, für einen Schurkenstaat eine Seeblockade zu brechen. Das wäre der worst case. Ein massiver Schaden droht schon ganz unmittelbar, auch ohne faktische Seeblockade, weil AIM nun Farbe bekennen muss. Es ist absolut notwendig, dass unsere Kampagne zeitnah einen Ausweg präsentiert! Antworten und eine unmittelbare, verlässliche Lageeinschätzung müssen her. Sonst kann die Firmenleitung nicht entscheiden, ob es eine Entry- oder Exitstrategie verfolgen will.

Praktisch heist das für uns, Miss Clark wurde als Leiterin der Kampagne von der Geschäftsleitung bestätigt. Damit fängt sie den Druck einigermaßen von uns ab. Sie hat einen kleinen Zusammenbruch nach dem Meeting erlitten, wird aber bald wieder arbeitsfähig sein. Wir dürfen ihr keinen Grund liefern, uns Fehler anzulasten oder angreifbar zu machen. Ich sage das ganz offen. Sie gibt die Leitlinien vor, wir führen aus. Immerhin hat sie wohl eingesehen, dass alles von Ihnen, dem SFG 77 vor Ort, abhängt. Sie wird sich also mit uns arrangieren müssen. Und wir mit ihr.

Es wurde die Frage diskutiert, ob AIM nun massiv Geld und Ressourcen investieren sollte. Ich habe diese Frage eingebracht. Die Antwort war zweigeteilt. Einerseits ist man zurückhaltend AIM MATTERS zum gegenwärtigen Zeitpunkt massiv auszuweiten. Das Bekanntwerden eines intensiven Engagements in einer möglichen Konfliktzone, zumal noch ohne offiziellem Auftrag, wäre ein Desaster! Insofern wünscht man sich schnelle Antworten mit dem was wir gerade vor Ort haben. Andererseits ist absehbar, dass man AIM MATTERS stark ausweiten wird, wenn wir diese wichtigen Antworten und ein robustes Standbein haben. Man will also erst klare Entscheidungsgrundlagen für eine Entry-Strategie. Sie sind und bleiben die Speerspitze!

Mit den Wahlen im Bezirk Tembe haben sie sich eine gute Folgeoperation vorgenommen. Die führt uns ja direkt dort hin, wo derzeit das ganze Problem zu kochen scheint. Die Wahlen finden in dem Gebiet statt, das kürzlich noch von Gewalt gezeichnet war; es gehört zur Grauen Zone und zudem galt bis vor wenigen Tagen eine Ausgangssperre. Obendrein hat Nigeria dort bereits militärische Präsenz gezeigt. Wenn es also Antworten auf unsere drängenden Fragen gibt, dann doch wohl dort!

Seien sie vorsichtig und kommen Sie mit den besten Ergebnissen zurück, die man sich wünschen kann! Ich zähle auf Sie und Sie haben meine volle Unterstützung.

Der Captain scheint gespannt und fast euphorisch. Hier stand wohl einiges auf dem Spiel. Fragte sich nur, für wen genau.

Seeblockade vor Dahomey

Dies ist ein Exklusivbeitrag aus der Corporate Court Embassy Teheran. Heute, am späten Nachmittag des 09. Oktober 2073, gab die Corporate Court Matrix Authority (CCMA) bekannt, dass man Sanktionen gegen das westafrikanische Dahomey anstrengen werde. Erwartet werden Blockaden ausgewählter Bereiche der Matrix sowie empfindliche Strafzahlungen für eine Verletzung der Zensurregularien des CCMA. Darüber hinaus hat sich aus dem Kreis der Afrikanische Union (AU) eine Allianz von Staaten zusammengefunden, die Dahomey eine Seeblockade angekündigt hat. Wir sprechen nun mit Jacqueline Walters, CEO der Association Internationale des Mercenaires (AIM). Ihr Unternehmen betreibt seit 2069 die maritimen Streitkräfte für Dahomey.

Alana Mourad: Miss Walters, sie haben heute Abend den Außenminister von Dahomey zu einer Anhörung hier in den CC Matrix Towers Teheran begleitet. Was können Sie uns sagen?

Jacqueline Walters: Die CCMA hat deutlich gemacht, dass sie die Einschränkungen des Seehandels an den afrikanischen Küsten nicht unterstützt und Seeblockaden als keine adäquate Reaktion auf Fristversäumnisse in Dahomey einschätzt.

AM: Dieses „Fristversäumnis“, wie sie es nennen, bezieht sich auf einen Verstoß gegen die internationalen Vereinbarungen gegen Matrixzensur. Demnach hat Dahomey nachweislich seit spätestens dem 27. September dieses Jahres in der Region um den Tawani-See, und später auch im ganzen Land, einen sogenannten Matrix Cencorship Host aktiviert. Ein unerhörtes Vorgehen, das streng geahndet wird und die Welt in Empörung versetzt. Immer mehr Hinweise verdichten sich, dass damit staatliche Gewaltakte gegen die Bevölkerung verschleiert werden sollen.

JW: Der Vorwurf der Verletzung von Völkerrecht ist von Seiten Nigerias und unbestätigten Quellen erhoben worden. Eindeutige Beweise liegen nicht vor. Insofern können die „Hinweise“ nicht adäquat eingeordnet werden. AIM steht zu seinen Kunden und geht hier ganz klar von der Unschuldsvermutung aus. Nichtsdestotrotz drängen wir unseren Partner Dahomey zu einer umfangreichen und schnellen Aufklärung der Sachlage um den Tawani-See.

AM: Die Unschuldsvermutung mag zwar ein edler Grundsatz sein, aber warum verweigert sich Dahomey entgegen jeder ersichtlichen Vernunft einer Kooperation und lässt internationale Inspektoren nicht ins Land? Und das in Zeiten kommunaler Wahlen!? Warum wird ohne Sachbgeründung an der Matrixzensur festgehalten? Haben sie dem Außenminister diese Fragen nicht gestellt?

JW: Wir sehen hier als Sicherheitsdienstleister mit klar umgrenzten Ressort davon ab, uns in die Angelegenheiten des Landes einzumischen, bei denen wir keine Verantwortung übertragen bekommen haben. Die innere Sicherheit und der Grenzschutz sind nicht das Aufgabengebiet von AIM in Dahomey. Wir haben derzeit keinerlei Personal auf dem Festland im Einsatz und sind in keinster Weise in die Vorgänge am Tawani-See eingebunden.

AM: Denken sie nicht, dass…

JW: Wofür wir jedoch die volle Verantwortung übernehmen, ist die Sicherheit der Handelsströme entlang der Küstenlinien und in den Häfen Dahomeys. Die maritime Sicherheit betrifft Import- und Exportströme von globalen Ausmaßen und die wirtschaftlichen Interessen weltweit wären betroffen, wollte man eine militärische Isolierung der Seewege von und nach Dahomey ernstlich erwägen. Die Forderung eines Teils der Afrikanischen Union kann daher nur als eine opportunistische Provokation verstanden werden. Insbesondere, wenn man sich die Liste der Mitgliedsstaaten anschaut, die sich dieser Initiative angeschlossen haben. Wir sehen hier einen unverholenen Versuch, die Aktienstärke und die Attraktivität Dahomeys am Weltmarkt mit relativ plumper Methode zu schwächen – zum eigenen, vermeintlichen Wirtschaftsvorteil.

AM: Das heißt also, sie stehen für Dahomey im Falle einer Seeblockade ein, trotz eventueller innenpolitischer Desaster – bis hin zu Greueltaten? Wie können sie das mit dem hohen Anspruch, den ihr Unternehmen vorgibt, vereinbaren?

JW: Es wurden keine Greueltaten nachgewiesen und die Begründung der innenpolitischen – wie ich natürlich gesetehen muss: drastischen – Maßnahmen, stehen noch aus. Ich werde also unsere Partner in Dahomey nicht verurteilen. Vielmehr habe ich dem Außenminister gesagt, dass wir unsere volle Unterstützung anbieten, wenn es eine innenpolitische Lage gibt, derer Dahomey nicht Herr wird…

AM: Das bedeutet letztendlich doch, Miss Walters, dass sie nicht eingebunden sind, in das, was wirklich vorgeht, oder nicht? Sie haben keine Ahnung?

JW: Wie ich sagte, schützen wir den weltweiten Handelsstrom auf dem Seeweg von und zu Dahomey. Dies ist unsere operative Priorität. Wir können nicht in staatliche Angelegenheiten eingreifen, für die wir kein Mandat besitzen…

AM: Vierzehnhundert Verletzte, Miss Walters. Bei einer friedlichen Protestkundgebung vor der Matrix Authority in Moskuwa, benötigten vierzehnhundert Metamenschen ärztliche Hilfe, nachdem sie unter sengender Hitze in einer „Stummen Wacht“ bis in die Bewusstlosigkeit ausgeharrt hatten. Sie forderten eine Stellungnahme ihrer Regierung, doch Parlament und Regierung in Lome schwiegen. Die politische Opposition prangert an und fordert Aufklärung, doch konnte keinerlei demokratische Rechtsmittel zur Anwendung gebracht werden. Wie können sie das mit der Unschuldsvermutung vereinbaren?

JW: Ich habe dem Außenminister unsere Betroffenheit bezüglich dieses Vorfalls zum Ausdruck gebracht. Persönlich hat mich diese „Stumme Wacht“ sehr betroffen gemacht und ich empfinde größtes Mitgefühl für die Betroffenen. Dass der Protest friedlich verlief, dass er in den öffentlichen Medien berichtet wurde und es solide und schnelle, ärztliche Hilfe für alle Betroffenen gab, spricht für mich dafür, dass Dahomey an einer Lösung seiner Probleme arbeitet.

AM: Sie fürchten also nicht einen Rufverlust? AIM als Schutzmacht eines Unrechtstaates? Sehen sie nicht die Gefahr, dass es sich so entwickeln könnte?

JW: Die jüngere Geschichte Dahomeys ist für mich ein sehr starker Beleg dafür, dass dieses Land, ihre Bevökerung und ihre Politik einen Vertrauensvorschuss verdienen. Wir sprechen über eines der fortschrittlichsten und demokratischsten Länder der Welt. Ich bin überzeugt, dass sich diese Krise überwinden lassen wird.

AM: Wo wäre für sie der Punkt, an dem sie sich von Dahomey abwenden würden? Würden sie die Sicherheitsdienstleistungen beenden, wenn es in Dahomey zu Gewaltakten gegen die eigene Bevölkerung gekommen ist?

JW: Auf diese hypothetische Frage werde ich nicht antworten. Wir haben unseren Partnern unsere Hilfe angeboten und stehen loyal in Sachen Handelsfreiheit zur Seite.

Alana Mourad für den Pan-Asian Observer, Corporate Court Embassy Teheran

Back in BUSINESS

Am Abend des 08.10. sind alle Berichte abgegeben, alle Informationen ausgetauscht… jetzt muss nur noch entschieden werden, wie es weitergeht. Der Lt. sitzt auf einer Waffenkiste und trinkt Kaffee aus seiner Thermoskanne…

„Dann haben wir wohl alle Fakten auf dem Tisch“ deutet auf den Tisch voller Fakten:
„Jetzt müssen wir uns nur noch darüber klar werden, wie wir vorgehen wollen. Bisher haben wir schnell und unter hartem Zeitdruck gehandelt, das könnten wir auch so beibehalten. Ich sehe jedoch nicht, wie uns das weitere Vorteile einbringt. Im Gegenteil, wir sind immer noch nicht an einem Punkt, von dem aus wir effektiv und sicher operieren können.
Ich habe mir ein paar lose Gedanken gemacht, möchte aber jetzt von jedem hören, was er für sinnvoll hält. Direkte Vorschläge sind hierbei genauso gut wie allgemeine Gedanken.
In zwei Gebieten in der grauen Zone wird in zwei Tagen gewählt, nach den Vorkommnissen in Ihuma und den sporadischen Informationen, die wir gesammelt haben, besteht die Chance, dass es auch dort zu Vorfällen kommt.
Wir wollen den Informanten Evan Choi finden, was bedeutet, dass wir in seine Wohnung einsteigen müssen. Nach den gesammelten Informationen scheint dies für uns machbar.
Wir wollen die Tombu Villa sichern und den Uplink für uns gewinnen, beides ist mit größerem Aufwand verbunden. Für den Uplink gilt es die örtliche Lage zu beobachten, für Tombu müsste ausgiebige Recon betrieben werden.
Erste Frage: Wie sehen die geeigneten Profis den Aufwand in die Wohnung einzudringen? Können wir das morgen erledigen? Wenn nicht, kein Problem. Wenn ja, dann lasst es uns tun.

Ich habe immer noch keine Idee, was wir in dem Wahlgebieten tun wollen. Wenn wir eine Sache aus unserem Road Trip gelernt haben, dann dass dort draußen Leute unterwegs sind, die auf alles schießen, was sich bewegt… aber warum? Wenn die versucht hätten, uns auszurauben… ok. Aber uns einfach nur umbringen?
Wir haben kein Fahrzeug, mit welchem wir uns effektiv bewegen können, also kommt das Operieren außerhalb der Ortschaften kaum in Frage. Die Fahrzeugfrage muss unbedingt geklärt werden.
Wer hält es für eine gute Idee, dass wir uns am Wahltag dort in der Gegend aufhalten, beobachten, vor Ort sind und versuchen so viel wie möglich an Daten zu sammeln? Negative eröffnet Shop in einem Hotelzimmer mit der Funkausrüstung… keine Ahnung, ob das ein effektives Vorgehen ist. Wir könnten auch einfach hier bleiben und unsere eigentlichen Mission vorbereiten.
Heute Abend um 2400 läuft das Ultimatum der CCMA für Dahomeys Matrixzensur aus.  Das wird ein interessanter Moment bei den Protesten um das Uplink Gebäude.
Ich möchte keine großen Aktionen vom Zaun brechen, ohne gut darauf vorbereitet zu sein. Bis dahin sollte unser Vorgehen so wenig invasiv wie möglich sein.
Also,wie sieht es aus?

Lena gibt die aktuelle Lage zum fahrbaren Untersatz in die Runde:
Kameraden,
da wir bisher kein eigenes Fahrzeug hatten, habe ich mich heute Morgen mit Chief Hiller beratschlagt und eben die Bestätigung bekommen, dass wir noch heute einen Van abholen können. War ein Schnäppchen. Für 22.000 Nuyen habe ich einen gebrauchten Karu Hauler Van bekommen. Ist eine afrikanische Produktion. Ich wollte was mit Diesel, wegen der Power und Ausdauer. In Dahomey läuft ja fast alles nur noch mit Elekto. Der Wagen kann sechs Leute bequem fassen und hat noch Platz für einiges an Ausrüstung. Der Van war früher von einem Lieferdienst im Einsatz. Sollte also unauffällig daherkommen, im Stadtbild.
Außerdem habe ich eine Transponder Library bekommen. Chief Hiller und ich werden die sofort einbauen, wenn der Van da ist. Damit kann man im GridLink unterwegs sein, wechselt aber ständig die Signatur. Macht es schwerer den Wagen zu tracken. Die Morphing License Plate steht auch noch aus. Kommt aber die Tage.

20731008 – 19:54:22
„Danke Lena! Wieder mal gut gemacht! Regicide: solltest Du in ein paar Tagen mal wieder einen Bericht nach oben schicken, ist das hier insgesamt eine Erwähnung wert.
Der Lt. nickt.
Negative wendet sich der eingeblendeten CCOM-Nachricht zu. Ein Lächeln in den Gesichtern zeigt bei allen – außer Copper – die Vorfreude, wieder als quasi komplettes Team weitermachen zu können:
„Ehrlich gesagt, ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich sie so bald wiedersehen werde. Ich bin gespannt, wie es ihr geht.“ Sein Blick trübt sich etwas „Denn falls sie noch nicht wieder ganz hergestellt ist, wird es möglicherweise Situationen geben, in denen ihr Wohl vor dem der Mission steht. Ich denke, wir sollten uns dessen lieber jetzt wie später klar machen. Auch, damit Copper weiß, woran er ist.“ 
Er bleibt einen Moment nachdenklich… 
„Aber jetzt zur Mission. Meine Meinung: die Wohnung sollte für uns hier kein Problem sein. Unsere Ausrüstung sollte dafür auch ausreichen. Zuschlagen würde ich über den Lift. Kameras außer Kraft setzen müssen wir in beiden Fällen,  aber wenn die Türen erstmal zu sind, können wir in aller Ruhe den Scanner knacken. Bei einem Zugriff über die Hintertüre haben wir diese Zeit möglicherweise nicht, einfach weil das Viertel recht belebt ist. Es sein denn, wir suchen uns eine Tageszeit aus, wo es ruhiger ist. Also z.B. morgen mittag gegen 1300. Oder wir nutzen eine mögliche Aufruhr durch eine nicht freigegebene Dahomey-Matrix!? Dann müsste der Zugriff in ca. 12 Stunden passieren. Außerdem: eine Tarnung wäre vielleicht hilfreich… Wer geht rein? Norge, Copper und ich?
Was das weitere Vorgehen betrifft: sollten keine besonderen Vorkommnisse in der Wohnung geschehen, steht wie gesagt der Tombu Villa nichts im Wege. Transportwege gibt es dann ja zwei, entweder wieder über Land oder mit dem neuen Van. Vermutlich macht Letztere mehr Sinn, auch wenn es länger dauert, nach Norden zu kommen. Allerdings müsste dann die Drohne mit, um vorab aufzuklären.

20731008 – 20:02:54
Zoe betritt den Raum als Negative gerade zu Ende gesprochen hat. Sie sieht sichtlich fertig aus, nach einer langen Reise:
„Wo soll eine Drohne hin um aufzuklären?“
Ein breites Grinsen zieht sich über ihr Gesicht als sie in die Runde blickt. Sie lässt ihren viel zu großen Rucksack an Ort und Stelle fallen und begrüßt Regicide, Norge und Negative herzliche mit einer Umarmung. Negative sieht sie einen Moment länger an, beschließt dann aber ihn unter 4 Augen nach der auffälligen Veränderung in seinem Gesicht zu fragen. Dingo läuft wedelnd die Runde ab und bleibt nur vor Copper einen Moment skeptisch stehen. Nachdem er sieht, dass Zoe ihn freundlich mit Handschlag begrüßt und sich vorstellt, trollt er sich in eine Ecke:
„Wie geht es euch? Ihr müsst mir alles erzählen! Ich habe euch wirklich vermisst, aber die Auszeit war sehr wichtig für mich.“ nach einer kurzen Pause ergänzt sie „Macht euch keine Sorgen, ohne psychiatrische Freigabe hätte AIM mich nicht fest angestellt.“
Sie zwinkert Negative zu und dieser fragt sich, wie viel Zoe von seinen Worten schon mitbekommen hatte… 

Bazut ist sichtlich froh, das Zoe zurück ist. Wenn man nach 20min Begrüßung und Wohnungsführung wieder zusammen kommt, besieht er sich sein, für ihn nun endlich vollständiges, Team und nickt…ganz so als wollte er sagen „Dann können wir jetzt ja richtig anfangen“

Was er wirklich tut ist die Situation und den Plan zusammen zu fassen:

„Philippè, Zoé diese Sache ist eure Expertise. Also habt ihr für diese Aktion Operatives Comando, Plan, Zeiten, Anweisungen an den Rest!
Ein Blick zu den Beiden:
„Wenn der Plan so bestehen bleibt werden wir morgen Mittag in die Wohnung von Choi eindringen, korrekt? Was der Rest von uns zur Unterstützung tun soll müsst ihr dann noch genauer festlegen.“

,Norge meldet sich zu Wort:
Sieht ja nach einer kurzen Einsatzzeit aus, bei der wir nicht unbedingt auffallen wollen. Ich lasse die schweren Waffen dann mal zurück. Pistole und ein paar verschiedene Granaten sollten dafür ja vollkommen ausreichen. Oder wollen wir auf alles vorbereitet sein? Ich denke mal mit MG oder Sturmgewehr fallen wir da sofort auf und ziehen Aufmerksamkeit auf uns die wir nicht haben wollen. Das ich das Sani Zeug dabei habe, versteht sich ja von selbst.“

Régicide nickt:
Korrekt, keine schwere Bewaffnung. Ich würde sogar noch weiter gehen und ganz auf Waffen verzichten. Wenn wir als Non-SIN in eine Kontrolle geraten ist das hier nicht ganz so tragisch, mit Waffen wird es dann sofort komplex.
Hérault braucht sowieso keine Waffe um gefährlich zu sein…ich wohl auch nicht, wie sieht der Rest das?
Taser?
Und ich habe noch meine vertrautes Animal-Master, das ist auch noch eine Variante für Low-Profile, Less-Lethal Option!

Er denkt einen Moment nach, auch, um den anderen Zeit zu geben, ihre Meinungen kundzutun. Dann fährt er fort:
„Heute Abend zieht es mich nach Süd-Westen. Ich denke, um Mitternacht ist das ein interessanter Ort, um Beobachtungen zu machen. Wenn um 0000 das Ultimatum der CCMA für Dahomeys Matrixzensur ausläuft und Dahomey sich nicht fügt und die nicht zumindest einen Teil des Systems wieder freigeben, kann es sein, dass es dort zu Ausschreitungen kommt.
Dann möchte ich vor Ort sein, um zu beobachten. Hier interessieren mich vor allem:
Gibt es auf seiten der Demonstranten einen Organisationsstruktur, die über das zu Erwartende hinaus geht. Gibt es Agitatoren, eine gezielten Aufruf zur Gewalt verbreiten oder das Gegenteil?
Auf der anderen Seite möchte ich sehen und auch dokumentieren, wie sich Merc Inc. verhält. Die Amerikaner haben nicht den besten Ruf, was ihrer Deeskalationstaktiken angeht; und wenn es hier zu Zwischenfällen kommt, möchte ich es in Bild und Ton haben. Zusätzlich könnte es uns Aufschluss darüber geben, wie die Sicherheit aufgebaut und strukturiert ist.
Ich weiß nicht, ob wir im Olympic Ozean ohne Reservierung und SIN einen Tisch bekommen, aber wir suchen uns einen Platz, wo wir gut zu Abend essen können, dann observieren wir die Lage. Wenn nichts passiert, besuchen wir danach den Spa und regenerieren, wenn etwas los ist, heißt es Kameras frei.
Christophè, ich möchte dich im lokalen Netz haben. Wenn sie die Sperre lösen, kannst du direkt mit einer Recherche der Lokalnachrichten anfangen – und wenn nicht, möchte ich, dass du die zensierten Nachrichten verfolgst, offiziell muss dazu Stellung bezogen werden..ggf. Political Chat Rooms und, so weit möglich, das Shadownet im Auge behälts und uns berichtest. Colletté, Lena ich denke, dass ihr eure Zeit sinnvoll füllen werdet. Wenn aber eine von euch das Bedürfnis hat, mal raus zu kommen, könnt ihr auch mit in den Einsatz gehen. Das stelle ich euch frei.
Und jetzt kontaktieren wir noch Goodfellow und lassen uns erklären, wie wir für ihn einen Uplink zu Serven, Admin oder der Techwarte für ihn herstellen können. Das nötige Werkzeug dafür kommt ins Auto, nur für den Fall der Fälle!“

Kaum ist Zoe gebührend willkommen geheißen und die Diskussion beendet, verschwinden Negative und Lena an das Matrix-Terminal im HQ. Eine gute Stunde später verschafft sich ein sichtlich zufriedener Elf Platz an einem der Tische. Er verteilt frische Yovo Doko und setzt sich scheinbar gutgelaunt an einen der Tische im HQ. Dort packt er einen nicht zu großen Pappkarton aus und schraubt einige Minuten an einigen ausgestanzten Metallteilen und Elektromotoren. Dazu tauchen einige Schachteln mit dünnen Schnüren und Plastikflaschen mit klaren Flüssigkeiten auf…
Kurze Zeit später hängt der billige 3D-Drucker an einem Tablet und rüttelt gemächlich vor sich hin. Das 3D-Modell eines Fingerabdrucks entsteht langsam aus dem Hartplastik. Nebenbei mischt Negative mit dem Chemiebaukasten eine eigenartig riechende Gummi-Melasse, die er dünn über das fertige Positiv gießt. Nach dem Aushärten zieht er vorsichtig den Film ab und begutachtet den Abdruck unter der Lupe: „Scheint ganz ok zu sein…“ murmelt er.
„Könnte klappen…“.

Indienststellung Zoé Miller

Lieutenant Morellè,

das CCOM hat mir soeben mitgeteilt, dass Zoé Miller das Beschäftigungsverhältnis mit AIM akzeptiert hat. Sie wird als CW2 der SFG 77 zugeteilt. Sicherheitsfreigabe B2. Sie übernimmt die Rolle 77O von Chief C. Hiller, welche wiederum als Assistant Vehicle Operator (770O) vorerst im Team verbleibt. Bitte wägen Sie ab, ob sie das Budget weiterhin mit Chief Hiller belasten möchten.

Chief Z. Miller hat bereits Zugang zum Operations Host. Rechnen Sie mit einer Verfügbarkeit kurz vor dem nächsten Einsatzbeginn.

Herzliche Grüße,

CPT Katsuo Uzun

Die Observation der Informantenwohnung

Es war bereits beginnende Nacht des 07. Oktober 2073 gewesen, als Copper und Norge ihre Observation, wie vom Lieutenant gewünscht, mit dem Appartment des verschwundenen Informanten Evan Choi fortsetzten. Möglicherweise hatten sie sich auch etwas mehr Zeit gelassen, die aufziehende Dämmerung und Kühle genossen, eines der unzähligen Restaurants besucht oder gar beim HQ vorbeigeschaut um eine Dusche zu nehmen. Jedenfalls war nun Nacht. Die wesentlich angenehmere Tageshälfte in Moskuwa.

Quartier Néo, Moskuwa

Die Wohnung des verlustig gegangenen Informanten lag im Stadtquartier „Néo“, am Ostende der Stadt. Ein sehr modernes und junges Viertel, das sich ungefähr zu gleichen Teilen auf Konzerne, Kultur und Nachtleben verteilte. Insgesamt war es das jüngste und am dichtesten (dauerhaft) besiedelte Stadtgebiet von Moskuwa. Wie auch im Valley Reach, gab es neben topmodernen Glas- und Stahlpalästen auch Gebäude, die der traditionellen Lebensweise in moderner Form verpflichtet geblieben waren. Allerdings trugen insbesondere das Vergnügungsviertel und die zweitklassigen Konzernbauten dazu bei, dass Quartier Néo noch ein Stück mehr den klassischen Großstädten, wie Seattle oder Denver, nachahmte.

Die Wohnung von Evan Choi befand sich im „Gebäude 25538“, zwischen den Schatten von Konzernhochhäusern und dem Vergnügungsviertel gelegen. Der Weg von der GridLink Station oder Tunnelbahn führte Norge und Copper aber zuerst über den Nachtmarkt Moska. In bunten Farben mischte sich hier ein lokaler Markt mit Schaustellerei, Livemusik und kommerziellen Verkaufsständen, viele davon mobil. Das Stadtquartier zelebrierte hier sich selbst unter freiem Himmel. Keine Sicherheitskräfte, keine Kameras, keine Patroullien. Dafür öffentliche (echte) Grünanlagen unter schützenden Klimadächern, Grillfeiern und sogar eine Kunstausstellung für Wandmalerei.

Dem Nachtmarkt schloss sich unvermittelt das Vergnügungsviertel an. Schrill und laut wankten hier Konzernbeamte im Anzug, Neo-Tribals in Körperbemalung und ausländische Gäste Arm in Arm von Cocktailbar zu Striptease-Shows. Dazu gab es Trideo-Center, Spielhallen, Schnappskeller, Fitnessclubs, Geschäfte für Luxuswaren und Importprodkute aus aller Welt. Arm war das Viertel jedenfalls nicht. Als die Lichter weniger wurden befand man sich dann im Schatten der Konzernbauten, den „Power Banks“. Und an der dünnen Linie des Zwielichts lag Gebäude 25538.

Gebäude 25538, Quartier Néo, Moskuwa

Der nicht ungewöhnliche, warme regen, der überraschend einsetzte, hielt die Metas nicht davon ab, auf der Straße zu bleiben. Gebäude 25538 lag an einem beliebten Pendelweg zwischen Power Banks und Moska. Der Betrieb war daher rege. Das erleichterte die Observation. Mal aus einem Café, dann einmal direkt zum Haus ran, mit einem Drohnen-Taxi vorbei – ja, sogar kurz darüber hinweg. Nach gut zwei Stunden hatte man das Gefühl, alles gesehen zu haben.

Evan Chois Wohung lag im Obergeschoss an einer Straßenecke. Unter seiner Wohnung gab es eine Implantatpraxis sowie ein kleines Kaufhaus für Kleinwaren aus dem Haushaltsbereich. Im Souterrain hatte sich ein nobles, persisches Restaurant breit gemacht. Ansonsten bot die weitere Nachbarschaft auch so einiges. Eine Automatenfiliale der Afrikanischen Bankenallianz, Cafés, Shops, einen großen Kindergarten und zahlreiche kleine und mittelgroße Wohnungen, die wahrscheinlich em ehesten die Lohnsklaven mit mittlerem Gehaltsscheck von den Power Banks anzogen. Immer wieder fielen gut platzierte Kameras auf. So richtig ungesehen konnte man sich hier wohl nur bewegen, wenn man sich sehr gut auskannte.

Evan Chois Wohnung konnte man auf zwei Wegen erreichen. Ein Fahrstuhl, der von der Straße in das Kaufhaus führte, hatte mit Schlüsselkarte und Fingerabdruck einen Vorrang für das Appartment im Obergeschoss. Copper und Norge wollten nicht riskieren, den Fahrstuhl zur Rush Hour zu manipulieren. Vielleicht wäre das auch gar nicht so einfach. Der Standard hier schien hoch.

Der zweite Eingang lag in der hinteren Häuserfront, etwas zurückgesetzt. Dort war es dunkler, Müll wurde gelagert und deutlich weniger gut Betuchte wanderten auf den parallelen Pfaden zum Licht der Einkaufsmeile. Nur wer die Abkürzungen kannte, ging hier entlang. Ein Fingerabdruckscan war notwendig, um in das Treppenhaus zu gelangen. Durch die Glasfassade konnte man erahnen, dass die Treppe bis auf das Niveau von Evan Chois Wohnung führte. Zwei Kameras hatten den Eingang zum Treppenhaus fest im Blick. Gut sichtbare Schilder wiesen dankenswerterweise darauf hin, dass das Gebäude von EncoTech überwacht wurde. Ein Eindringen schien hier zumindest für die Spezialisten im Team kein großes Ding.

Copper und Norge konnten zwar das treppenhaus nicht betreten, setzten die Beobachtung der Wohnung aber für ein paar Stunden von außen fort. Es passierte nichts. Die Wohnung war dunkel, die Glasfronten hatten die Jalousien entweder offen oder auf Halbmast, wahrscheinlich im Rhythmus von Wetter und Sonne gesteuert. Gegen drei Uhr morgens, am 08. Oktober 2073, kehrten sie zum HQ zurück – es sei denn, sie hatten noch andere Pläne.

Ergebnisse



Die Observation des Matrix Providers

Als am 07. Oktober 2073 Negative und Régicide zu einem Roadtrip ins Umland aufbrachen, machten sich Copper und Norge daran zwei potentielle Missionsziele zu observieren. In der Mittagshitze des Tages begannen sie mit dem Matrix Provider in Moskuwa.

Am südwestlichen Ende von Moskuwa befand sich der Dahomey LTG Matrix Provider. Ein massives Gebäude in einer AA-Gegend, schon aus einigen Kilometern aufgrund der markanten, rot-weißen Antennen auf dem Dach erkennbar. Praktisch der gesamte Matrix-Verkehr von Dahomey wurde von dort aus überwacht oder lief ohnehin durch die trolldicken Glasfaserbündel. Einiges pulsierte auch über Mikrowellen- oder Laserbrücken weit ins Umland hinein. Die Masse der Erdkabel konnte man nur erahnen. Das Gebäude selbst war sicher 50 Jahre alt und entsprechend gewachsen und modernisiert worden.

Dahomey LTG Matrix Provider

Eine Observation aus dem Nahbereich war zu Fuß möglich. Für Fahrzeuge am Boden und in der Luft war die unmittelbare Umgebung des Matrix Providers gesperrt. Der Konkurrent Mercenary Inc. hatte die Verantwortung und patroullierte im, auf, an und neben dem Gebäude. Anlass dazu gab es auch durchaus. An zwei Seiten des Gebäudes hatte sich ein kompaktes und verschanztes Protestcamp gebildet. Angehörige aller Metatypen, Nationen und Hautfarben prangerten dort den unerhörten Fall von Matrixzensur an, der noch immer andauerte. Die Lage war angespannt, es gab öffentliche Reden. Presse war vor Ort und die Sicherheitsleute hielten sich zurück – im Moment. Copper dürfte aus seiner Zeit in Kairo einen Vergleich ziehen können. Danach war es beeindruckend, dass Dahomey dieses Protestcamp mit mindestens 800 bis 1000 Personen duldete. Bis in die Seitenstraßen wucherte die Zeltstadt hinein. Bei knapp über 50 °C über dem flimmernden Asphalt war es für die Metamenschen eine Tortur. Alle warteten auf die Nacht.

Hauptpforte Westeingang

Das Gebäude selber war nach dem klassischen Vorbild der Fortress Economy (ein Begriff der in Seattle erfunden worden war) ausgebaut. Ein paar Schlaglichter: Die Hauptforte an der Westseite glich einem Grenzübergang zwischen UCAS und COC, wenn man sich einen vorstellen wollte. Reiner Personaleinlass, Cyberware-Scanner, Metalldetektoren, Hunde, schwere Waffen, Walker-Dronen in Orkgröße (die neuen Modelle, mit der Wendigkeit eines elfischen Basketballspielers), Sicherheitsdrohnen im Außenbereich, vollautomatische Flugabwehgeschütze auf dem Dach (davon konnte man nur im Gespräch mit den Demonstranten erfahren; gestern waren vier unerlaubte Drohnen abgeschossen worden).

Alles war dazu da, die absolute Unangreifbarkeit zu suggerieren und Null-Toleranz zur Schau zu stellen. Soweit erwartbar. Wie sah es wirklich aus? Laut Mike Goodfellow wäre es notwendig, eine Glasfaserleitung, einen Host, Slave oder einen Datenserver direkt anzuzapfen, welche direkt mit dem Cencorship Host oder der Matrix Filter Authority verbunden sein müsste. Als mögliche Angriffspunkte sah er die Serverfarm, die Administratorenbereiche oder möglicherweise die Technikwarte auf dem Dach. Die einzige Schwachstelle, die Copper und Norge finden konnten, waren Hinweise auf ausgedehnte Kelleranlagen. Es war ja zu erwarten, dass die Matrix-Server tief verbaut worden waren. Um das Gebäude herum gab es interessante Lüftungsgitter und Gittertore in der Nordwand, die Rampen nach unten versperrten. Die unterirdische Ausdehnung war möglicherweise immens. Nicht auszuschließen, dass es hier potentielle Angriffswege gab. Vielleicht von Nachbargebäuden aus? Die Option über das Dach leuchtete im Moment nicht ein, hatte aber generell auch seinen Charme. Es war auf jeden Fall leichter zugänglich als die Eingeweide im Keller.

In der Gesamtbewertung für eine mögliche Operation Uplink kamen Copper und Norge zu dem Schluss, dass es eine brilliante und minutiöse Operation sein müsste. Eine Mission Impossible im engeren Sinn. Ohne Insiderwissen in der ein oder anderen Form war hier nichts zu gewinnen im Moment.  Andererseits, … da war dieses stetig wachsende Protestcamp vor der Tür. Würde sich hier vielleicht bald ein Fenster öffnen, das entschlossene Einsatzkräfte für sich zu nutzen wüssten?

Ergebnisse der Observation

Rough Road

„Der Tag hat wie geplant angefangen. Colletté hat einen 1A Wasserlandung hingelegt und wir sind an der Westseite des Tawani-Sees an Land gegangen und haben unseren Mietwagen entgegen genommen.“

Am späten Nachmittag hatte sich Hiller im HQ gemeldet. Endlich in Funkreichweite hatte sie mitgeteilt, es hätte leichte Probleme gegeben, aber sie wären in ca. 2 Std. wieder zurück. Nun saßen Negative und Régicide wieder im Aufenthaltsraum, beide dabei, große Mengen Flüssigkeit auf zu nehmen, Aftersun aufzutragen und gemeinsam zu berichten, was vorgefallen war. Nebenbei bandagiert Norge den Knöchel des Lt. und Lena reicht Negative einen Eisbeutel für seinen Hinterkopf. Beide sind Verpflastert und Verbunden, doch der Team Medic hat festgestellt, dass keiner der beiden ernsthaft verletzt ist.
„Zuerst haben wir uns Ihuma genähert. Die Straßensperren in die Stadt sind nach wie vor aktiv. Es werden Kontrollen durchgeführt. Die Bewohner kehren zurück, der Betrieb ist rege, aber das Risiko einer Kontrolle ist sehr groß. Wir wollten nicht das Risiko eingeht, 
ohne Teamsupport in den Ort einzudringen.

Die Unbenannte Siedlung haben wir über Nebenwege erreicht. Es handelt sich um einfache, aber moderne Gebäude (ca. 30), die entlang einer dicht bewaldeten Straße eine lose Siedlung bilden. Oder besser: bildeten. Sämtliche Gebäude wurden nämlich fortgeschafft. Nur noch Fundamente und die Überreste, die Bagger und Schaufellader hinterließen, waren zu finden. Der Ort ist von der Karte getilgt. In wenigen Monaten wird hier nichts mehr daran erinnern, dass es eine Siedlung gab.
Arkane Anomalien gab es keine. Doch ein Chemie-Check durch Negative im Dorf war positiv. Wir konnten die selben Spuren entdecken wie bei dem Elefanten, „brennende Autoreifen und Elektroschrott“ beschreibt die Mischung am besten. Die Reste fanden sich in den Baumwipfeln und an den umliegenden Büschen. Straße und verbliebenes Erdreich direkt im Siedlungsgebiet wurde offenbar mit einer neutralisierenden Substanz besprüht.
Wir haben dann einen Platz zum Rasten aufgesucht und die Funkausrüstung aufgestellt.
Das Abhören von relevanten Funkverbindungen war anspruchsvoll, aber mit unserem Equipment möglich. Die abgehörten Informationen bestätigen die aktuelle Gesamtlage: Es wird nach Verbrechern und Gewalttätern gesucht, Mercenary Inc. operiert in der Grauen Zone und fokussiert dabei scheinbar auf Aufklärung und Gebietsüberwachung . Hilfswerke und Katastrophenschutz helfen bei Brandbekämpfung und der Rückführung und Versorgung geflüchteter Bevölkerung. Viele un-oder leicht verschlüsselte Frequenzen funken in einer unbekannten Sprache. Das hat uns aufmerken lassen.
Aber der Hammer kommt noch: Mercenary Inc. hat Reporter und lokale Berichterstatter kaserniert/interniert und nach Süden verbracht. Da wurde scheinbar Presse gefangengenommen und deportiert. Von den derben Funksprüchen her sollte jedem Menschenrechtler ein Auge nervös zucken. Diese Dinge passier(t)en wohl am Westufer des Sees. Leider gab es nicht genug Details für ein Operationsprofil, da hätten wir sonst sofort zugeschlagen. Merc Inc macht seinem Ruf als die Grauen alle Ehre, keine Bedenken, ihrem Auftraggeber willfährig zu sein, Internationales Recht zum Trotz.

Wir sind außerdem in der Siedlung, in der wir den Jungen gelassen haben, vorbeigefahren. Nakabe sagte uns aber, dass er sich im frühen Morgengrauen Leuten angeschlossen hat, die nach Norden vorbeizogen.
Eine kurzer Abstecher zum See war auch wenig erfolgversprechend. Der Panzer samt Dorf wird von Sicherheitsbehörden Dahomeys („Ordnungsbehörde“) gesichert. Der Panzer wurde geborgen. Scheinbar werden Untersuchungen vorgenommen. Wir wollten uns hier nicht herumdrücken. Kontrollen sind dicht. Fragliche Geister waren ebenfalls nicht zu sehen.

Dann haben wir uns aufgemacht nach Nakotombe, der Ort, den uns Sikunah Giwa als möglicher Treffpunkt genannt hat. Und hier wurde die Sache dann komplex. In der Grauen Zone arbeiteten wir uns einen schmale Straße entlang durch ein dichtes Stück Mangrovenwald, als 200m vor uns eine Radpanzer auf die Straße setzt, den Turm herumschwingt und die Straße mit 40mm Geschossen eindeckt. Zu unserem Glück wollte sie fahren, den Turm drehen und schießen und das alles auf einmal. Deshalb haben sie zum einen nicht getroffen, zum zweiten gab es keine Diskussion über Absichten und Motive. Rein in die Mangroven, wir sind vielleicht vierzig Meter weit gekommen, als wir in einem verholzen Sumpfloch hängen geblieben sind. Wir hatten gerade genug Zeit, die Rucksäcke zu schnappen und uns davon zumachen. Wir waren 100m vom Auto weg, als die Bofors ihr Ziel gefunden und unseren E-Jeep in Schrapnell verwandelt hat. Dann hieß es Schleichen, Ausweichen und Verschwinden. Schätzungsweise 30  Gegner, keine Uniformen, hauptsächlich Schwarze, die einen lokalen Dialektsprechen, der nicht zuzuordnen war. Möglicherweise eine Variante des Hausa. Der erste Kontakt ging so schnell und der Wagen wurde so gründlich und schnell zerlegt, dass die sicher keine Ahnung hatten, wen sie da überhaupt aufgebracht haben. Das Suchparameter war eher unkoordiniert, obwohl wir einen Drohne gehört haben. Aber es war in den Mangroven so heiß und zugewachsen, dass die ihnen nicht geholfen hat. Nach ca. 40min waren wir aus dem Gebiet heraus, ohne weiteren direkten Kontakt.

Wir haben uns zu Fuß nach Nakotombe durchgeschlagen. Hier haben wir wieder das Funk-Equipment in Betrieb genommen und Hiller erreicht.
Sikunah Giwa war leider nicht vor Ort, man hat uns jedoch freundlich aufgenommen und versichert, ihr eine Nachricht zu übermitteln, wenn sie zurück kehrt. Wir haben die Nummer eines Einmalhandys bei einem lokalen Familienoberhaupt hinterlassen und dessen Nummer im Gegenzug erhalten.
In der Provinz Nakotombe (westlich von Tembe) wird ebenfalls am 10. Oktober gewählt. Heute morgen sind wir dann an Bord eines einheimischen Pickups zum Tawani-See zurückgekehrt, Colletté hat uns eingesammelt und den Rest kennt ihr.

So, und was war hier so los?“

Road Trip

07.10.7314:27
Das Büro von Lt. Bazut „Régicide“ Morelle sieht noch sehr nach temporärem Army-Quartier aus. Bettzeug und Toilettenartikel wären auch in einem Zelt, Shelter, Bunker oder auf einem Hiking Trip nicht auffällig, High-End zivile Campingausrüstung.
Ein Arbeitstisch, dominiert von einer Waffenkiste, in der mehrere Gewehre, .50BMG, 7,62Nato, 12Gauge & Narcojet Injection Arrows, die darauf warteten, ausgepackt zu werden.
Ein Schreibtisch mit Sub-Notbook, einem 60×60 DigiMapPad sowie der einzige persönliche Touch: Ein Bilderrahmen mit drei Bilder, das Erste zeigt eine dem Team nicht bekannte Frau mit dunkelbraunen Locken, ein vielleicht 1,5 Jahre altes Kind mit schockierend roten Haaren auf dem Arm. Die zwei anderen sind ähnlich. Auf dem einen sieht man ein 5 jähriges Mädchen, welche zwischen zwei Zoes sitzt und fröhlich in die Kamera kreischt. Während die linke Zoe wohl die Echte ist, ist die Rechte eine überraschend gute Plüschimitation. Die pinken Haare von zwei Zoes und die unnatürlich feuerroten Haare des kleinen Mädchens sorgen für eine Farbüberladung gigantischen Ausmaßes. Negative, Hiller und Régicide haben eine Karte der Tawanie Region aufgerufen und besprechen die Route die ihrer heutiger Intel-Run nehmen wird. Nach 20min sind die Details geklärt, als Lena den Raum betritt und den KeyPlug des Mietwagen auf den Tisch stellt:
„Ein kleiner E-Jeep, voll geladen, Zusatzakku, Solardach, Vollkasko…keine Kaffeemaschine, hab nachgefragt!“
„Enttäuschend… Die anderes Sache“ Régicide flüstert verschwörerisch, als ob er ein A kaufen wollte.
„Ich bin dran“ sie lächelt. Er nickt.

Norge und Copper kommen hinzu, letzte Besprechung vor dem Aufbruch:
„Ok, wir sind dann mal weg, wenn alles nach Plan läuft, sind wir so gegen 23h zurück, kann aber auch spät werden, immerhin können wir im Auto schlafen und uns nach Hause fahren lassen.“
„Den Autopilot sollten sie aber nur nutzen, wenn sie eine der Bundesstraßen erreicht haben“ gibt Lena zu bedenken. Der Lt. nickt: „Compris!“Er wendet sich an Copper & Norge: „Führt eine Observation von Uplink durch, ich will nur sehen, womit wir es zu tun haben, ich erwarte nicht viel. Dann schaut euch die Wohnung von Choi an. Wenn ihr es unauffällig hinbekommt, in die Wohnung einzudringen…aber geht kein Risiko ein. Wenn wir zurück sind, brauchen wir genug Infos, um das schnell und sicher über die Bühne zu bringen.  Also, Sicherheitssystem, Kameras, Typ und Seriennummer der Mag.Schlösserund so weiter! Handelt nach eigenem Ermessen“ und direkt zu Norge: „Aber nicht mehr als ein Ping!“

Dann wendet er sich an Lena & Hiller:
„Ich wurde darauf hingewiesen, dass die Drohnenproblematik komplexer ist als nur die Tatsache, dass sie für den gegebenen Einsatz nicht eignet war. Ich werde diesen Fehler nicht nochmal machen. Wir behalten die Drohnen und bringen sie effektiv zum Einsatz! Installiert die Updates und wenn wir zurück sind, werden wir einen Brainsession zu Einsatzparametern, Transport und Tanken/Wartung machen.
Collette, gib mir ein paar genauere Parameter zu dem Fluggerät, wichtig sind für mich: Zuladung und Lademethode, Bedürfnisse an die Landefläche und wie gut das Ding ist, um Sachen im Wasser abzulassen. Reichweite und Geschwindigkeit.  Hole Erkundigungen ein, sobald wir uns in Tombu installiert haben, vielleicht sogar für unseren Einsatz auf Tombu, brauchen wir Fluggerät. Planung dieses Einsatzes und der Kauf des Fluggerätes gehen dann Hand in Hand“

Letzte Details werden besprochen und Fragen und Antworten ausgetauscht. Als Letztes wandert die verbeulte und verkratzte Thermosflasche, die Régicide schon seit Op.Ursus bei sich hat, in seinen Rucksack.
„Bon, wir sehen uns zum Frühstück“

08.10.7313:15
Régicide & Negative sind noch nicht zurück…ob wohl was schief gelaufen ist?

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